Klare Forderung an Landkreis: Ratsbeschluss umsetzen

Ausschuss drängt auf Vorranggebiet für Windkraft

Das Thema Windkraft beschäftigt Vissels Politiker. - Foto: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. Der Landkreis Rotenburg sieht in seinem Entwurf des neuen Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) keine Vorrangflächen für sogenannte raumbedeutsame Windenergieanlagen in Visselhövede vor. Verschiedene Ausschlusskriterien sprechen gegen Windräder, die einen Nabenhöhe von weit mehr als 100 Meter hätten.

Das sieht der Visseler Ausschuss für Landwirtschaft, Energie und Umwelt gänzlich anders. Der verweist auf einen Ratsbeschluss, mit dem der Landkreis aufgefordert wird, eine solche Vorrangfläche im Stadtgebiet zu schaffen.

Entsprechend fällt auch die Stellungnahme der Stadt zu diesem Thema aus, die während der kommenden Ratssitzung am 16. Juni auf dem Weg gebracht wird, aber bereits den Ausschuss einstimmig passiert hat. „Für den Fall, dass eine der betrachteten Potenzialflächen für raumbedeutsame Windenergieanlagen nach Abwägung aller vorliegenden Stellungnahmen doch noch die nötigen Kriterien als Vorranggebiet erfüllt, würde die Stadt entsprechend ihres seinerzeitigen Beschlusses eine mögliche Verwirklichung begrüßen“, heißt es wörtlich in der Stellungnahme.

Sogenannte Potenzialflächen für Windenergie gibt es viele rings um Visselhövede. Einige, wie der Bereich Rosebruch, das Areal am Elmhorstberg in Hiddingen oder die Gilkenheide, scheiden aus, weil die Radaranlage in Hiddingen in einem Umkreis von fünf Kilometern von hohen Windrädern freigehalten werden muss. Der Rosebruch könnte obendrein als neues Landschaftsschutzgebiet (LSG) in das RROP aufgenommen werden, was Landwirten überhaupt nicht schmeckt (siehe Text links) und damit eine Errichtung von Windrädern ausschließen würde.

Ein Bereich nördlich von Wittorf hat zwar mit 94 Hektar die erforderliche Größe, aber laut Landkreis berge dieser Standort ein hohes Konfliktpotenzial aus naturschutzfachlicher Sicht, da die Fläche von landesweiter Bedeutung für Brutvögel sei.

Auch das beim Jeddinger Ortsrat im Fokus stehende Gelände im Dreieck Hainhorst, Dreeßel und Jeddingen wird wohl ausscheiden, da es zunächst die Mindestgröße von 50 Hektar nicht erreicht. „Zwischen den beiden infrage kommenden Flächen liegt ein Waldstück, und auch die 1000-Meter-Grenze zu einem bewohnten Haus wird nicht eingehalten“, informierte Bauamtsleiter Gerd Köhnken die Ausschussmitglieder. Und selbst wenn das Bauernhaus – wie geplant – kurzfristig aufgegeben werde, gebe es wohl keine großen Chancen dort Windräder aufzustellen, weil auch der Bereich ein Landschaftsschutzgebiet werden könnte. „Zumindest betrachtet der RROP-Entwurf ihn als LSG-würdig“, so Köhnken.

Bleibt also nur noch die 76 Hektar große Fläche zwischen Wittorf und Lüdingen, wo zurzeit noch die Gleitschirmsegler starten und landen. „Damit ist es aber ab dem 31. Dezember vorbei“, wie Grundstückseigentümer Herbert Heuer dem Ausschuss zu verstehen gab. Bekanntlich wurde dem Club der Pachtvertrag gekündigt. Damit dürfte vielleicht auch ein Ausschlusskriterium für Windkraft an dem Standort wegfallen, denn der Landkreis hatte lediglich geschrieben, dass „die Fläche aufgrund des vorhandenen Fluggeländes nicht geeignet“ sei.

Laut Köhnken liege der Stadt eine Absichtserklärung zwischen der Stadt und der neuen Bürgerwindpark Lüdingen GmbH zur Suche nach einer Ersatzfläche vor, aber „der Landkreis will konkrete Fakten, eine Erklärung dürfte wohl nicht reichen“.

Segnet der Stadtrat die komplette Stellungnahme zum Entwurf des RROP ab, werden die Eingaben aller Gemeinden im Rotenburger Kreishaus bewertet und von dort wieder in die politischen Gremien auf Gemeindeebene gegeben, bevor der überarbeitete Entwurf irgendwann von den Ausschüssen des Kreistages behandelt wird. „Wir werden also in gut einem Jahr noch einmal in diese Diskussion einsteigen“, mutmaßt Köhnken.

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