Letzte Mal in Ausschüssen

Kita-Neubau: Der Zwiespalt wird immer deutlicher

Nächste Woche entscheidet der Rat, ob es einen Campus geben wird. Foto: UJen
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Nächste Woche entscheidet der Rat, ob es einen Campus geben wird.

Visselhövede - Von Joris Ujen. Falsche Behauptungen, empörte Eltern auf den Zuschauerplätzen und weiterhin die Ungewissheit, wo und wie der Kita-Neubau in Visselhövede realisiert werden soll.

Die Sitzungen des Schul- und des Bauausschusses am Dienstagabend im Visselhöveder Rathaus hatten es in sich. Rund 40 Einwohner, darunter viele Eltern, waren gekommen. Nicht nur, um die lang anhaltende Debatte mitzuverfolgen, sondern auch, um sich Gehör zu verschaffen - und das teilweise sehr lautstark. Nach drei Stunden Kommunalpolitik wurde der Zwiespalt deutlich: Der Schulausschuss gibt keine Empfehlung an den Rat zu dem von der CDU/FDP und WiV vorgeschlagenen Neubau einer Kinderbetreuungseinrichtung auf dem Gelände des Majorsbruchs. Der Bauausschuss hingegen stimmte durch eine knappe Mehrheit dafür.

Grundlage für die Diskussionen der beiden Gremien waren zwei aktuelle Gutachten, die die Stadtverwaltung in Auftrag gegeben hatte. Eine Kostenauswertung und eine verkehrsplanerische Beurteilung, die das Campus-Projekt - Kindergarten, Krippe und Grundschule unter einem Dach - sowie den Kita-Neubau am Majorsbruch und einer Innenhof-Erweiterung der Kastanienschule gegenüberstellten. Die verkehrliche Beurteilung ergab, dass bei beiden Varianten mit keinen verkehrsmäßigen Risiken zu rechnen ist. Dieter Carstens (CDU) bewertete das etwas kritischer. Der Bau-Ingenieur, der die Alternative zum Primar-Campus federführend entworfen hatte: „2017 wurde im Ratsbeschluss für den Campus gesagt, dass die Gerhart-Hauptmann-Straße unangetastet bleibt.“ Ein Satz, der unmittelbar für einen Aufreger sorgte. Und zwar bei Bürgermeister Ralf Goebel, der Carstens unterbrach: „Das ist nicht wahr. Wir haben immer gesagt, dass die Straße dann nicht mehr nutzbar ist“, so der Verwaltungschef, der darum bat, „hier keine falschen Behauptungen aufzustellen“. Schulausschussvorsitzender Lothar Cordts (SPD) bestätigte Goebels Einwand.

Nichtsdestotrotz durfte Carstens seine Sichtweise fortführen. Die besagt, dass sich der Verkehr durch die Sperrung der Gerhart-Hauptmann-Straße voll und ganz auf die Straße Auf der Loge konzentrieren wird. Laut den Recherchen des Christdemokraten würden zudem durch die Sperrung 39 Parkplätze entfallen. Für Carsten gibt es nur eine Möglichkeit, „den Verkehr zu entflechten“. Ergo, die Kita muss seiner Ansicht nach auf dem Majorsbruch gebaut werden.

Ein weiteres Argument der CDU/WiV-Gruppe gegen den Campus-Bau waren die zu hohen Kosten, die sie in vergangener Zeit auf rund acht Millionen Euro schätzte. Das Kosten-Gutachten hat nun konkrete Zahlen vorgelegt: Rund 5,06 Millionen Euro würde das Campus-Projekt kosten. Der Majorsbruch-Neubau würde demnach rund 3,53 Millionen Euro kosten. Der Zwischentrakt sei laut dem beauftragten Architekten nicht berechenbar, da ihm für eine genau Erhebung bauliche und technische Details fehlen. Willi Bargfrede und seine Partei halten aber an ihrer Alternative fest. Dies untermauerte der CDU-Fraktionsvorsitzende mit einer Liste von Vorteilen, die sich durch den Neubau am Majorsbruch und dem Zwischenbau in der Kastanienschule ergeben würden. Unter anderem stünden den Kindern beim Neubau genügend Freifläche zur Verfügung. Für Robert Rabe (SPD) durchaus nachvollziehbar. „Allerdings haben wir bei der Kastanienschule eine bessere Infrastruktur.“

Nachdem alle Parteien und der Bürgermeister vehement ihre Favoriten verteidigten, war es nun an der Zeit für die Einwohnerfragestunde. Stephanie Zorn, Elternvertreterin der Kastanienschule, wollte von der CDU-Fraktion wissen, warum sie auf ihren Antrag beharrt, obwohl das Gutachten für das Campus-Projekt spricht, für das sich ja sogar die Landesschulbehörde ausgesprochen hatte. „Warum wird das komplett ignoriert?“ Dieter Carstens machte die Stellungnahme der Landesschulbehörde an einer Person fest: Schulamtsdirektor Ulrich Dettling. Denn der war es schließlich, der das Fazit in Visselhövede vorstellte. „Es gibt bei der Landesschulbehörde bestimmt auch Mitarbeiter, die gegen das Campus-Projekt sind“, so Carstens. Zorn und einige andere Bürger konnte diese Antwort nicht fassen und machten dies durch Zwischenrufe deutlich. Carstens’ Parteikollege Bargfrede wollte zum einen schlichten, indem er nicht bestritt, dass die Behörde hinter dem Campus steht. Zum anderen: „Von unseren Schulen wird aber auch gewünscht, dass sie uns mehr Lehrer und Betreuungspersonal schicken. Das tut die liebe Landesschulbehörde auch nicht.“

Konrektorin Catrin Puschmann wollte den Kommunalpolitikern noch mit auf den Weg geben, dass die Eltern und die Lehrer der Kastanienschule für dem Campus gestimmt hatten. Und der Weg findet aller Voraussicht nach am Donnerstag, 7. Februar, bei der Ratssitzung ein Ende. Sollten die Christdemokraten und die WiV weiterhin an ihrem Entwurf festhalten, würden sie mit 13 Stimmen, CDU zehn und WiV drei, eine Mehrheit bilden.

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