Ausreichend Wohnraum / Welle der Solidarität / Aktuell rund 150 Flüchtlinge

Asyl: Lage ist angespannt, aber nicht dramatisch

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Dieses Haus an der Schäferstraße hat die Stadt als Flüchtlingsunterkunft angemietet.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Rund 150 Flüchtlinge aus vielen verschieden Nationen, Mitglieder des Präventionsrats, die sich kümmern, und eine Verwaltung, die angesichts der nächsten erwarteten Quote noch recht gelassen bleibt: Zwar wird das Thema Asyl in Visselhövede überall diskutiert, die Lage ist aber „nur angespannt und nicht dramatisch“, wie Heiko Grünhagen vom städtischen Hauptamt berichtet.

Während in anderen Kommunen händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten gesucht wird, steht im Stadtgebiet noch genügend Wohnraumreserve zur Verfügung. „Wir haben gerade ein großes, leer stehendes Haus an der Schäferstraße angemietet, um auf den nächsten Schub von Flüchtlingen vorbereitet zu sein“, informiert Bürgermeister Ralf Goebel. Der verzeichnet eine Welle der Solidarität, die den Flüchtlingen entgegenschwappt: „Uns wird zum Beispiel auch Wohnraum von kurdischen Mitbürgern angeboten, die selbst mal vor vielen Jahren als Flüchtlinge in die Stadt gekommen sind.“

Natürlich bekommen die Eigentümer auch Miete für die Wohnungen, aber eine „goldene Nase“ – wie oft vermutet wird – kann man sich mit der Bereitstellung von Wohnungen an Asylbewerber offenbar nicht verdienen. „Wir zahlen den marktüblichen Mietzins, und nicht mehr“, sagt Klaus Twiefel, der das städtische Portmonee als Kämmerer und Hauptamtsleiter in Personalunion verwaltet. Sogenannte Mondpreise sind also nicht zu erzielen, „wohl auch aus dem Grund, weil wir noch eine geringe Platzreserve haben.“

Twiefel und Grünhagen wischen auch die Gerüchte vom Tisch, die zurzeit in der Stadt die Runde machen: „Weder in den Blöcken an der Straße Auf der Loge ist eine Konzentration von Flüchtlingen geplant noch stellen wir irgendwo ein Containerdorf auf.“ Auch wenn niemand wisse, wie viele verfolgte Menschen noch in Visselhövede landen würden, sei das mittelfristig nicht geplant.

Zurzeit sind alle Asylbewerber im Kernort untergebracht, was laut Grünhagen auch so bleiben soll: „Wohnungen auf den Dörfern sind sowohl für die Menschen als auch für uns als Verwaltung nicht unbedingt praktikabel. Dafür sind die Wege einfach zu weit.“

Aus dem millionenschweren Soforthilfepaket der Bundesregierung bekommt Visselhövede rund 56000 Euro, wie Klaus Twiefel berichtet. „Das Geld wird auch dringend benötigt. So können wir zum Beispiel den Flüchtlingshelfern des Präventionsrates endlich Kilometergeld für Fahrten zu Behörden zahlen. Bisher haben die die Touren aus der eigenen Tasche finanziert.“

Aber auch im Rathaus selbst profitiert man von dem Zuschuss, denn davon wird eine Sachbearbeiterin bezahlt, die sich verwaltungstechnisch um die Flüchtlinge kümmert.

Dazu zählt laut Grünhagen auch, dass Konflikte zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubensrichtungen nach Kräften vermieden werden sollen. „Da arbeiten wir ganz eng mit dem Erstaufnahmelager in Braunschweig zusammen, um bereits im Vorfeld Rücksicht darauf zu nehmen, dass dort, wo wir die Einzelpersonen oder Familien unterbringen, keine Spannungen bezüglich des Glaubens entstehen.“

Apropos Familien: „Viele jüngere Flüchtlingskinder besuchen komplett ohne Deutschkenntnisse den städtischen Kindergarten Fabula, wo sich das Erzieherteam rührend um Integration bemüht. Das klappt ganz gut“, so Bürgermeister Goebel. Ebenso könne das Engagement des pensionierten Lehrers Hans Gamperl an der Oberschule, der Deutsch-Kurse anbietet, gar nicht hoch genug bewertet werden.

Die Stadt erwartet übrigens in den kommenden Tagen die nächste Quote an Asylsuchenden. „Letztes Mal waren es 39 Menschen, dieses Mal rechne ich mit deutlich höheren Zahl“, so Heiko Grünhagen.

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