Polizei gibt Verhaltenstipps

Visselhövederin wird plötzlich Zeuge eines dreisten Zigarettendiebstahls

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Aus diesen Körben der Visselhöveder Aldi-Filiale hat eine Diebesbande eine bisher noch nicht bekannte Zahl von Zigaretten geklaut – trotzt einer Vielzahl von Zeugen.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Mal eben schnell nach Feierabend noch eine Kleinigkeit im Discounter einkaufen und dabei Zeuge eines dreisten Ladendiebstahls werden. Danach steht den wenigsten Menschen der Sinn. Aber genau das ist der Visselhövederin Annette Z. (Name von der Redaktion geändert) passiert. Nachdem der erste Schock verdaut ist, stellt sich Z. die Frage, wie sie hätte reagieren sollen, um den Diebstahl zu verhindern. „Auf keinen Fall den Helden spielen“, sagt die Polizei.

Die Frau mittleren Alters war am Mittwochabend gegen 17.20 Uhr noch mal eben „beim Aldi reingesprungen, um Kleinigkeiten zu besorgen“. Als sie ihre Einkäufe zusammen hatte und zur Kasse ging, habe sich ein Mann vorgedrängelt. „,Kein Problem‘, sagte ich noch. Er hat ja nur ein paar Flaschen Wasser und ein bisschen Kleinkram“, berichtet Z.. Der Mann habe seine Sachen aufs Band gelegt, ein Trennstöckchen zwischen seinen und ihren Artikeln platziert. „Dabei hat er meine Sachen ein wenig nach hinten geschoben.“

Ganz umständlich bezahlt

Vor dem Mann hätten sich noch drei andere Männer auf Höhe der Zigarettenständer aufgehalten. Der Erste in der Schlange habe ganz umständlich bezahlt, was unnatürlich lange gedauert habe. „Währenddessen habe ich mich ein wenig umgeguckt und beobachtet, dass der dritte Mann in der Reihe, den ich nur von hinten gesehen habe, ganz hektisch an seiner Jacke herumfummelte“, so Z. Irgendwann sei der erste Mann mit dem Bezahlen fertig gewesen und sei Richtung Ausgang gegangen. „Plötzlich löste sich der dritte Mann aus der Schlange und ging dem ersten Mann hinterher. Aber auf seinem Rücken wölbte sich die Jacke. Wie eine Art Buckel, den er vorher nicht hatte.“ Der zweite Mann hatte laut Z. eine Feudelgarnitur samt Wischeimer auf dem Kassenband stehen. „Diese Artikel wollte er in dem Augenblick nicht mehr und ging ebenfalls zum Ausgang. Jetzt war mir klar, dass durch Eimer und Feudel die Sicht der Kassiererin auf die Zigaretten versperrt war. Ich habe die Kassiererin darauf aufmerksam gemacht. Und wir alle, die an der Kasse standen, haben gesehen, wie sich der Mann mit dem Buckel schnell in Richtung Süderstraße absetzte“, sagt Z. Dabei habe er sich ängstlich umgeschaut. Der vierte Mann habe in aller Ruhe seine Kleinigkeiten bezahlt. „Auf meinen Hinweis, dass der wohl auch zu den vermeintlichen Dieben gehört, wurde von den Kassiererinnen nicht reagiert.“

Die seien nur entsetzt gewesen, weil die Zigarettenkörbe nun fast leer waren, obwohl sie sie kurz zuvor aufgefüllt hatten. Z.: „Niemand außer mir hat auch nur ein Wort zu dem Vorfall gesagt. Ich ärgere mich maßlos, dass ich nicht schneller reagiert oder die Polizei angerufen habe. Aber man rechnet ja nicht mit so etwas. Hätten wir Frauen die vier Männer zur Rede stellen sollen?“

„Besser nicht“, sagt Matthias Wölk, Leiter der Visselhöveder Polizeistation. Er bestätigt die Angaben der Visselhövederin und hat mittlerweile auch eine entsprechende Anzeige des Discounters vorliegen. Die weiteren Zeugenaussagen würden sich mit denen von Annette Z. decken. „Die genaue Schadenshöhe wird noch ermittelt.“

„Erst einmal Abstand halten“

Wölk vermutet, dass es sich bei den Tätern „um eine durch verschiedene Orte ziehende Bande“ handelt. Die Masche, mit mehreren Personen zu agieren und der Kassiererin die Sicht zu versperren, sei auch bei der Polizei bekannt. Die Methode sei in den vergangenen Monaten häufiger in Supermärkten angewandt worden, so der Beamte.

Aber was soll man also tun, wenn man Zeuge eines derartigen Diebstahls wird? „Erst einmal Abstand halten, sich von den Tätern ein Stück entfernen und nicht den Helden spielen. Schließlich handelte es sich in diesem Fall nur um Zigaretten, die es nicht wert sind, dass man sich in Gefahr begibt“, so Wölk. „Aber auch so schnell wie möglich per Handy die Polizei über 110 die Polizei rufen.“

Wenn die Täter das Gebäude schon verlassen hätten, könnten Zeugen vielleicht beobachten, in welche Richtung sie geflüchtet seien. „Vielleicht fallen auch Autos auf. Dann wäre es natürlich schön, wenn wir die Kennzeichen bekämen. Aber wichtig ist: Immer genügend Abstand halten“, mahnt der Polizeihauptkommissar.

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