Arbeitnehmer müssen auch bei Hitze ran / Wachhunde leiden / Männer haben’s schwer

Wasser, Eis und kurze Hosen

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In der Bäckerei Tamke kühlen sich die Lehrlinge vor dem „Hochleistungsventilator“. Zum Glück haben sie nachmittags frei.

Und Jens Wieters - Von Angela Kirchfeld. Heute werden die Temperaturen rund um Visselhövede weit über die 30-Grad-Marke klettern. Wohl dem, der sich in den kühlen Keller verkriechen oder die Seele im Pool baumeln lassen kann. Pech nur für viele Arbeitnehmer, die heute und natürlich auch in den vergangenen Tagen kräftig schwitzen müssen und mussten. Was gestehen die Chefs ihnen angesichts der Bullenhitze zu? Hitzefrei? Veränderte Arbeitszeiten? Eine Kiste Mineralwasser? Unsere Zeitung fragte in einigen Betrieben nach.

„Ab 27 Grad Raumtemperatur werden bei uns kostenlos große Wasserflaschen zur Verfügung gestellt“, informiert Klaus Twiefel, Hauptamtsleiter im Visselhöveder Rathaus. Das habe die ehemalige Bürgermeisterin Franka Strehse vor einigen Jahren angeregt und der neue Chef im Rathaus, Ralf Goebel, habe dies übernommen. „Aber keine Angst, das städtische Portmonee wird nicht übermäßig strapaziert, denn so viele Tage im Jahr sind es nicht“, so Twiefel.

„Bei uns ist es gar nicht so warm, wie man denken könnte“, erklärt Tina Tamke, Juniorchefin der gleichnamigen Wittorfer Bäckerei. Die Hallen seien gut isoliert und die Abwärme der Backöfen werde abgeleitet. In der größten Nachmittagshitze hätten die meisten Bäcker obendrein schon lange Feierabend. Dennoch drehen sich auch an der Wittorfer Straße die Ventilatoren, um die sich häufiger die Lehrlinge scharren. Aber oft nur auf Stufe eins, damit das Mehl nicht durch den Raum gepustet wird.

Die Postboten haben wegen des Streiks zwar zurzeit nicht ganz so viele Briefe und Pakete zu schleppen, aber dennoch ist es kein reines Vergnügen, in der Gluthitze mit dem schweren Post-Fahrrad unterwegs zu sein. „Zum Glück haben wir eine Sommerdienstkleidung, die beinhaltet kurze Hose und Base-Cap“, erklärt Zusteller Holger Nieber, der jeden Morgen drei Flaschen Wasser mit aufs Zweirad packt. „Die bekommen wir von der Post spendiert.“

In Geberlaune zeigt sich auch Katharina Müller, Chefin des Blumengeschäfts an der Goethestraße: „Wenn es besonders am Nachmittag unter dem Glasdach zu heiß wird, besorge ich schon mal ’ne Runde Eis von nebenan. Das erfrischt und motiviert die Mitarbeiterinnen.“

Andrea Möller und Iris Meyer-Prill, Sprechstundenhilfen von Dr. Kai Möller, haben gar keine Zeit über die Hitze nachzudenken. „Wir haben zwar einen Ventilator, doch den haben wir nicht an”, verrät Andrea Möller. Dafür gibt es ein besonderes Belüftungssystem in der Praxis, das beim Umbau gleich mit eingebaut wurde und für angenehme Raumtemperaturen sorgt. Im Wartezimmer steht Wasser für die Patienten bereit. „Eine Kleiderordnung gibt es nicht. Wir ziehen an, was wir möchten. Es sollte nur nicht zu freizügig sein”, so Andrea Möller.

„Bei uns haben es die Herren schon schwerer. Sie sind an den Dresscode gebunden und müssen Anzug und Krawatte tragen”, berichtet Annika Euhus, Kundenberaterin der Sparkassenfiliale. „Viel trinken“ heißt die Devise, und obwohl Chef Jens Gilberg im Urlaub ist, halten sich die Kollegen doch lieber an Wasser. „Am kühlsten war es im Keller, als ich dem Techniker die Tür öffnete”, freute sich Kerstin Bade und fügt hinzu: „Aber um so schlimmer ist es, wenn man wieder hoch kommt!”

Die Vierbeiner von Klaus Meinke und Michael Krause vom Sicherheitsdienst, der die Kaserne bewacht, haben es bei Hitze nicht so einfach. „Die Hunde leiden, wenn wir unseren Rundgang machen”, weiß Michael Krause. „Aber wir haben die Möglichkeit, sie vorher abzukühlen!” Kollege Klaus Meinke versichert: „Man hält es aus, besonders nachts, denn wir haben ja einen 24-Stunden-Dienst.” In dem kleinen Wachhaus am Eingang der Kaserne läuft eine Klimaanlage.

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