In der ehemaligen Kaserne entsteht ein Kulturzentrum / JBS macht‘s möglich / Reichert führt Regie

Aquarelle in der Waffenkammer

Künstler Willi Reichert (l.) und Unternehmer Joachim Behrens wollen den Traum von einem selbstverwalteten Kulturzentrum auf dem Gewerbe-Campus Lehnsheide verwirklichen. - Foto: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. Im ersten Stock zeigt ein Bildhauer seinen Kursteilnehmern, wie aus einem Stein eine Skulptur wird. Im schalldichten Keller probt eine Rockband für ihren nächsten Auftritt. Im Parterre zeigt eine Seniorengruppe einem interessierten Publikum bunte Aquarelle, während ein paar Räume weiter eine Gruppe Kinder dabei ist, mit Fingerfarbe die Wände zu verzieren. So oder ähnlich stellen sich Joachim Behrens und Willi Reichert ihr kulturelles Zentrum vor, das jetzt auf dem Gelände des Visselhöveder Gewerbe-Campus Lehnsheide entsteht.

„Ich habe zwar keine große Ahnung von der Kunst, aber ich finde es äußerst spannend, wenn hier eine Art Kulturzentrum langsam wachsen würde“, so Joachim Behrens, Chef der gleichnamigen Firma JBS, die das insgesamt 19 Hektar große ehemalige Kasernengelände nach dem Auszug der Bundeswehr 2015 übernommen hatte. Behrens legt Wert auf die Feststellung, dass es sich bei dieser Idee nicht um ein „Geschäftsmodell“ seiner Firma handelt, sondern dass „irgendwann mal ein selbstverwaltetes Projekt“ daraus entstehen soll. Soll heißen, dass sich Musiker, Bildhauer, Singkreise, Chöre oder auch Aussteiger, die sich mit Pinsel und Staffelei selbst verwirklichen wollen, ab sofort nicht mehr nach geeigneten Übungsräumen oder Ateliers umschauen brauchen.

„Hier im Gebäude 4 der alten Kaserne haben wir Platz im Überfluss und ungeahnte Entfaltungsmöglichkeiten“, sagt Willi Reichert. Der Künstler und ehemalige Turmwächter auf dem Visselhöveder Sonnentau-Campus, der mittlerweile bei JBS angestellt ist und sich um das Projekt kümmert, ist zu einem „Raumagenten“ mutiert, denn Besucher könnten sich in der ehemaligen Soldatenunterkunft ohne Wegweiser glatt verlaufen.

„Aber genau das ist das Besondere“, so der Schwitscher. „Hier ist Platz für alle Sparten der Kunst. Sogar Aufführungen, Seminare und mehrtägige Workshops mit Übernachtung sind mittelfristig in dem Haus oder im benachbarten ehemaligen Offiziersheim möglich.“

Geld soll an dem „Entstehungsort“, wie Reichert das Haus schon jetzt liebevoll nennt, nicht verdient werden. „Wir stellen das Gebäude und möchten nur die Nebenkosten ersetzt haben“, unterstreicht Joachim Behrens. Ihm schwebt vor, dass Künstler dort für rund ein Jahr kostenlos mit ihren Utensilien unterkommen können, um zu schauen, wie sich ihre weitere Entwicklung gestaltet. „Wie es danach weiter geht, werden wir sehen. Da sind wir für alle Ideen offen“, sagt der europaweit tätige Unternehmer, der mit seinen rund 140 Mitarbeitern seit knapp einem Jahr von Visselhövede aus hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte vertreibt.

„So ein bisschen soll die Aktion natürlich auch Imagewerbung für Vissel sein. Denn die vielschichtige Kultur in der Region ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal der Stadt“, hebt Behrens hervor. Nicht zuletzt sei das heutzutage auch ein Aspekt, um neue Mitarbeiter und damit Neubürger für die Gemeinde zu gewinnen. „Ich möchte, dass Visselhövede gut dasteht!“

Der Kontakt zwischen Behrens und Reichert kam noch am alten Wasserturm auf dem Sonnentaugelände zustande. „Im dortigen Hotel hatten wir ein Meeting mit Führungskräften und zwischendurch haben wir uns eine Kunstausstellung im Wasserturm angeschaut. Ich war vor allem begeistert, mit wie viel Herzblut Reichert an seine Arbeit geht“, so Behrens. Dann habe man sich zwar vorübergehend aus den Augen verloren, aber mit dem Einzug der Flüchtlinge 2016, für die Reichert am Info-Point zur Verfügung stand, sei man wieder aufeinandergetroffen. „Und nach vielen Gesprächen wurde letztlich die Idee realisiert, dieses Kulturprojekt auf die Beine zu stellen.“

Zurzeit bereitet Willi Reichert die erste Ausstellung vor, die während des Tags der offenen Tür am 11. Juni unter dem Titel „Ku(h)nstWERK I“ zu sehen ist. „Jeder Maler und Bildhauer bekommt einen eigenen Raum, wo er seine Werke ausstellen kann“, freut sich Reichert. Die Besucher können dann auf dem langen Gang, wo früher schlaftrunkene Soldaten zum Morgenappell antreten mussten, von einer Galerie zur anderen schlendern. „Zarte Blumenbilder in der ehemaligen, immer noch gepanzerten Waffenkammer – das hat schon was“, betont Reichert.

Tag der offenen Tür

Auf dem Gewerbe-Campus Lehnsheide an der Celler Straße 60 in Visselhövede steigt am Sonntag, 11. Juni, von 13 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür. Dann können sich Interessierte auf dem 19 Hektar großen Gelände der ehemaligen Kaserne umsehen und sich einen Überblick verschaffen, was dort noch alles realisiert werden könnte. Die ersten dort beheimateten Betriebe stellen sich vor und parallel dazu öffnet im Gebäude 4 die Kunstausstellung des neuen Kulturzentrums. Für die Kinder gibt es spaßige Unterhaltung wie Ansteck-Buttons kreieren oder an der Gelände-Rallye teilnehmen. Eine Hüpfburg ist dabei und am Glücksrad winken attraktive Preise für Jung und Alt.

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