Visselhöveder Posaunenchor startet mit dem Proben im Garten

Applaus von den Nachbarn

Ungewöhnlicher Ort, ungewöhnliche Probe im Garten der Familie Wuttke.
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Ungewöhnlicher Ort, ungewöhnliche Probe im Garten der Familie Wuttke.

Visselhövede – In der Vergangenheit diente der Garten von Christiane Wuttke als Fußballfeld für ihre Söhne. Mittlerweile sind die jedoch erwachsen und der Garten hat nun vorübergehend eine neue Funktion: Er ist ein Proberaum an der frischen Luft für den Visselhöveder Posaunenchor. Wuttke ist dort ebenso wie Sohn Philip Mitglied und hat ihre Kollegen zur etwas ungewöhnlichen Probe eingeladen.

Die Erlaubnis zum Treffen hat der Chor nun bekommen. In das Gemeindehaus, den traditionellen Ort fürs gemeinsame Üben, dürfen die Blechbläser jedoch nicht. Deshalb brauchte es nun eine Alternative. Immerhin soll die Formation beim Johannes-Gottesdienst am Sonntag um 10 Uhr an der Visselquelle begleitend dabei sein. Die letzte Übungsrunde gab es Anfang März vor den Kontaktbeschränkungen aufgrund der Corona-Krise. So ganz ohne Probe hätte es beim Gottesdienst vielleicht ein wenig unrund geklungen. Nun gibt es die ideale Vorbereitung für das Fest im Freien.

So fahren am Mittwochabend die Autos vor. Es geht für die elf Musiker – sie spielen auf Trompeten, Posaunen und der Tuba – sowie Chorleiter Ivan Ivanov gar nicht durchs Haus, sondern direkt in den Garten. Natürlich sind alle nach so einer langen Auszeit pünktlich. Auf dem Rasen stellen sie sich nach kurzer Begutachtung der Umgebung in gewohnter Aufteilung auf. Der Halbkreis ist dabei größer als sonst. Alle Teilnehmer stehen in einem großen Abstand voneinander entfernt. Gute Stimmung herrscht trotzdem vor. Nach drei Monaten ohne ein Treffen hat man sich einiges zu erzählen.

Auch Chorleiter Ivanov ist bestens gelaunt. Er ist seit Anfang des Jahres der Dirigent der Gruppe und hat den langjährigen Leiter Stefan Golinski beerbt. Schnell wurde er jedoch in seiner Arbeit ausgebremst. Deshalb legt er schnell los. „Ich bekomme bitte ein ,B’“, sagt er. Die Musiker gehorchen sofort und stimmen sich ein. Zunächst halten sie sich noch etwas zurück. „Könnt ihr das auch lauter?“, fragt der Chef. Die Zurückhaltung wird danach schnell abgelegt und so klingen die Töne gut hörbar durch die Nachbarschaft. Zum Warmmachen summt der junge Mann die Melodien und der Chor spielt sie nach. Schnell gibt es ein paar kleine Probleme. Die abendliche Sonne steht tief und blendet vereinzelt die Musiker. Sie müssen ihre Position also kurz anpassen. Und der leichte Wind verwirbelt die Noten etwas. Die Gastgeberin ist vorbereitet. „Ich hole eben Wäscheklammern“, sagt Wuttke und lässt ihre Kollegen aus einem Korb die Klammern nehmen. Auch die Akustik ist durch den Abstand zueinander und durch den offenen „Raum“ eine andere. Das Hören der anderen Instrumente ist etwas schwerer. Aber die kleinen Schwierigkeiten stören niemanden. Bei den ersten Stücken läuft es noch etwas holprig. Die Bläser müssen nach der langen Pause erst wieder reinfinden, da sie selbstständig nur wenig geübt haben. Sie wussten ja auch nicht, wann es überhaupt wieder losgeht. „Das machen wir wohl nochmal“, sagt Hannelore Hesse und lacht nach einem Stück. Mit der Zeit wird es aber immer besser. Ivanov hat immer weniger zu bemängeln. Und aus einem benachbarten Garten ist nach dem Vortrag eines Stückes deutlich Applaus zu hören.

Nachdem das „Entrée“, „Wie lieblich ist der Maien“, die „Meditation“, „Geh’ aus mein Herz“, „Die güldne Sonne“, „Ich bin getauft auf deinen Namen“ sowie „Bleib bei mir Herr“ eingeübt sind, ist die Probe nach 90 Minuten vorbei. Es bleibt nur eine Frage: „Reicht das schon vor dem Gottesdienst an Übung?“ Nein findet die Gemeinschaft. „Ihr könnt gerne wiederkommen“, sagt Wuttke. Da sagt der Rest nicht Nein. Deshalb gibt es am Mittwoch die Wiederholung dieser ungewöhnlichen Probe im Garten – das Wetter wird den Musikern sicher keinen Strich durch die Rechnung machen.  vw

Der Posaunenchor übt auch den Abstand. Fotos: Wuttke

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