Anschubhilfe Digitalpakt

Im Bereich Digitalisierung wird sich in den kommenden Monaten an den Visselhöveder Schulen einiges tun. Die Oberschule sowie die Grundschulen erhalten dazu Förderung aus dem vom Bund beschlossenen Digitalpakt. Fotos: Beims

Knapp 340 000 Euro stehen der Stadt Visselhövede aus dem Digitalpakt Schule von Bund und Ländern zu. Dieser bietet aber erstmal nur einen Anschub für den Ausbau der digitalen Angebote, sagen Bürgermeister Ralf Goebel und der aktuell mit dem Thema Digitalisierung im Rathaus beauftragte Jonas Hermonies aus dem Bürgerbüro.

VON ANN-CHRISTIN BEIMS

Visselhövede – Digitale Angebote vereinfachen vieles, ohne ist der Alltag mitunter kaum noch denkbar, egal ob bei Ärzten, Kreditinstituten, in Krankenhäusern oder Verwaltungen. Anders sieht es in den Schulen aus: Dort kann die digitale Infrastruktur vielerorts nicht mit den wachsenden Anforderungen mithalten – insbesondere in ländlichen Gebieten. Um diese Schulen zukunftsfähig auszurüsten, stellt der Bund mit dem Digitalpakt Schule über einen Zeitraum von fünf Jahren fünf Milliarden Euro bereit, zusätzlich tragen Schulträger beziehungsweise Länder einen finanziellen Eigenanteil. „Es ist eine Chance“, sagt Bürgermeister Ralf Goebel. Die Stadt Visselhövede bekommt anteilig mehr als 339 000 Euro für die ihre Schulen. Der neue Weg ist aber gleichzeitig auch eine Herausforderung. Denn es gibt viel zu tun und es gelte, wohlüberlegt zu handeln.

„Es gibt sicherlich Schulen, die weiter sind. Es wäre vermessen, zu sagen, dass wir richtig gut aufgestellt sind. Aber schlecht auch nicht“, merkt Goebel an. Der Digitalpakt ist eine Möglichkeit, eine Basis zu schaffen. Dafür hat Visselhövede die Grundlage bereits selbst gelegt, indem die Stadt Glasfaser bis in alle drei Schulen – Grundschule Jeddingen, Kastanienschule und Oberschule (OBS) – hat verlegen lassen. Die Kabel liegen, aber „der Anbieter muss bestimmte Knotenpunkte aufrüsten“, sagt Goebel. Die Schulen brauchen zudem Server, damit das schnelle Internet auch in allen Klassenzimmern ankommt. Das wäre aktuell noch nicht möglich, bekräftigt Ronny Wieland, Schulleiter der Visselhöveder Oberschule.

„Die Frage ist, wie sich die Schule in Zukunft ausstatten möchte. Und der Breitbandanschluss ist eine wichtige Voraussetzung für die Nutzung von Online-Medien für den Unterricht oder Internet-recherchen.“ Er sagt, dass der Digitalpakt für die Schulen von großer Bedeutung ist. Der Schulträger bemühe sich zwar, nach und nach Activeboards, PCs und Beamer in Klassen- und Fachräumen zu installieren, doch die schnell fortschreitende Technisierung und die hochfrequentierte Nutzung würden bedingen, dass die Geräte nach und nach nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen. „Sie weisen zunehmend Defekte auf, die aber noch mit überschaubaren Mitteln instand gesetzt werden können. Aber es ist klar, dass weiter konsequent investiert werden muss, um am Ball zu bleiben“, so Wieland.

Der für die Schulen zuständige Sachbearbeiter im Rathaus habe sich in den Digitalpakt eingearbeitet, aber er stoße auch an Grenzen: „Das Land ist noch nicht so weit wie der Digitalpakt“, erklärt Jonas Hermonies aus dem Bürgerbüro, der aktuell mit der Digitalisierung im Rathaus beauftragt ist. Es liege auch an den Schulen selbst, anhand vernünftiger Konzepte ihren Bedarf darzulegen. „Die Grundidee ist, eine zukunftsfähige Struktur zu schaffen: Sowohl die Schulen müssen ein Konzept haben – zum pädagogischen Einsatz der Angebote – als auch der Schulträger ein Ausstattungskonzept, das zeigt, wo die Reise hingeht“, sagt Goebel.

Wichtig sei dabei, dass die Konzepte bei den Schulformen aufeinander aufbauen – darum kümmere sich eine Arbeitsgruppe. „Die gute Zusammenarbeit ist eine Besonderheit“, sagt Rektor Wieland. So hat jede Schule neben dem eigenen Medienkonzepten ein übergeordnetes Konzept erstellt, um den Kindern den Übergang von Schule zu Schule zu erleichtern. „So könnten beispielsweise gleiche Anwendungen für Activeboards genutzt werden“, so Wieland. In Visselhövede steht aber zunächst vor allem die Schaffung der entsprechenden Infrastruktur im Vordergrund. „Das wird unsere Mittel mehr oder weniger auffressen“, vermutet Bürgermeister Goebel.

Denn natürlich könnten mit dem Geld einfach alle Klassenzimmer mit Smartboards ausgestattet werden. „Aber die Leistungsfähigkeit des Schulanschlusses ist damit überfordert“, gibt Goebel zu bedenken. Daher wolle der „Masterplan“ wohldurchdacht sein. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit es mittelfristig Tabletklassen geben soll. Die neue Infrastruktur ist dafür ein wichtiges Hilfsmittel. Auch die Wartung ist ein Faktor, den es zu bedenken gilt – je mehr Techik, desto mehr Folgekosten. Dass der Bund alle paar Jahre wieder die finanziellen Mittel zur Verfügung stellt, bezweifelt Goebel. „Es ist ein Anschub, um unseren Nachholbedarf aufzuholen.“

Die Mittel – etwa 47 000 Euro für Jeddingen, 75 000 Euro für die Kastanien- und 217 000 Euro für die Oberschule – seien noch nicht fertig abgerufen. Die Schulen haben an ihren Konzepten gearbeitet und stimmen diese aktuell aufeinander ab. „In zehn Jahren werden sogar in den Kindergärten Tablets genutzt“, prophezeit der ehemalige Schulleiter Goebel.

Eine weitere Herausforderung wird die entsprechende Schulung und Qualifizierung der Lehrkräfte sein. „Die muss ich mitnehmen“, meint Goebel. Es sei eine vielschichtige Aufgabe. Viele seiner Kollegen seien bereits jetzt in Eigeninitiative unterwegs, erklärt Wieland, um sich zum Beispiel auf die Verwendung von Online-Anwendungen oder die Nutzung von Tablets vorzubereiten. „Durch geeignete Fortbildungen soll, sobald feststeht, wohin die Reise geht, das Kollegium gezielt fortgebildet werden.“

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