Kein Fahrplan für die Wiedereröffnung / Lage fördert Schwarzarbeit

Anhaltender Corona-Lockdown: Friseure sind am Limit

Friseurmeisterin Stefanie Rose steht mit Kamm und Schere in ihrem leeren Salon.
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Derzeit ist der Laden leer. Stefanie Rose schaut aber ab und zu nach dem Rechten.

Friseure haben bislang keinen Fahrplan, wie es weitergeht und viele von ihnen rechnen nicht damit, dass der Lockdown am 14. Februar endet. Es ist eine schwierige Situation, sagen auch drei Meisterinnen aus Visselhövede und Brockel.

  • Drei Friseurmeisterinnen erzählen von ihrer aktuellen Situation.
  • Bürokratie erschwert die Beantragung von staatlichen Hilfen.
  • Finanzielle Unterstützung erst Mitte Februar oder im März in Sicht.

Visselhövede/Brockel – Sie sind während ihrer Arbeit dicht am Kunden. Einer der Gründe, warum Friseure mit in den Lockdown geschickt worden sind. Doch so langsam stoßen sie an ihre Grenzen. Viele fühlen sich von der Regierung im Stich gelassen, Hilfen gibt es derzeit nur auf sehr bürokratischem Weg über die Steuerberater. Erstmals haben nun mehrere Barbiere in Deutschland Rechtsmittel eingelegt und eine Klage gegen die Schließung angestrengt.

Mit einer Protestaktion, bei der viele Salons für 24 Stunden das Licht brennen ließen, wollten Friseure zudem auf ihre Not aufmerksam machen. Auch in Visselhövede und Bothel ist die Stimmung bei vielen Friseuren gedrückt. Der Fahrplan fehlt, eine verlässliche Aussage, wann es weitergehen kann.

Von heute auf morgen könnten die Salons ohnehin nicht öffnen, sagt Friseurmeisterin Stefanie Rose. „Wir brauchen schon etwas Vorlauf.“ Sie hat einen Salon in Visselhövede, mit zwei Mitarbeiterinnen. Beide sind 100 Prozent in Kurzarbeit, nur die Chefin steht ab und zu im Salon. Hin und wieder verkauft sie etwas, beispielsweise eine angerührte Haarfarbe, doch das reicht bei Weitem nicht, um die Kosten zu decken. Das geht an die Substanz, sagt sie – psychisch und finanziell.

Rose hat privat einen Kredit aufgenommen. Die Überbrückungshilfen kommen erst ab Mitte Februar oder sogar erst im März – zu spät für die, die jetzt Hilfe brauchen. „Es wird jetzt benötigt, aber es kommt nichts.“ Steuerberater, Behörden – im ersten Lockdown war die Beantragung von Hilfen wesentlich unbürokratischer und ging dadurch schneller.

Fehlende Hilfen, zunehmende Schwarzarbeit

Das fördert Schwarzarbeit. „Das ist nicht richtig, aber bei manchen ist es aus der Not heraus – manche weinen aus Verzweiflung viel, wie man hier und da hört“, meint Friseurmeisterin Tanja Cordes aus Visselhövede, die alleine ihren Laden führt. „Das ist schon ein großes Thema, was man in Foren so liest“, weiß auch Rose. Und Jane Lüdemann aus Brockel geht sogar noch weiter: Sie schätzt, dass es gut 75 Prozent sein könnten, die schwarzarbeiten. Vorwiegend Angestellte, weniger Saloninhaber. „Die meisten arbeiten in unserer Branche für den Mindestlohn.“ Probleme, die schon bestanden und jetzt noch deutlicher zutage treten. Die Politik wisse, dass es der Branche schlecht geht. In gewisser Weise könne Lüdemann daher die verstehen, die keinen anderen Ausweg sehen. „Wenn dann noch nicht mal die Hilfen rechtzeitig kommen, ist das eine Sauerei.“

Bei Lüdemann seien in den vergangenen Monaten viele Anfragen eingegangen, sie lehnt alle ab. Nicht nur von Bekannten, auch über Instagram und andere Wege. „Da sieht man mal, wie wichtig wir Friseure sind. Ich mache das aber auf keinen Fall“, sagt sie ganz klar. Es ist auch nicht fair, meinen Rose und Cordes – Kunden könnten abwandern, den „Zuhause-Service“ weiter nutzen oder bei ungelernten Kräften landen. Außerdem sei es potenziell gesundheitsgefährdender – in den Salons gibt es strenge Hygienekonzepte, für die die Inhaber teils viel Geld investiert haben. „Man hat alles gemacht und es gab keine Vorfälle“, so Cordes.

Kaum Friseur-Nachwuchs im Landkreis Rotenburg

Auch allein deswegen hat das Verständnis für die Maßnahmen gewisse Grenzen. „Natürlich müssen wir die Gesundheit ernst nehmen, aber uns müsste mehr geholfen werden“, sagt Rose – sonst steht noch mehr Friseuren bald das Wasser bis zum Hals. Auch sie sagt, dass sie einen weiteren Monat erstmal überbrücken könnte – aber was ist dann? Und auch die Kunden seien verunsichert.

Ohnehin: Ohne den Rückhalt von Familie oder Partnern scheint es kaum zu funktionieren. „Wenn man privat keine Unterstützung hat, ist es schwierig“, erklärt Cordes. Nicht zuletzt wird das Thema Fachkräftemangel und Nachwuchs weiter in den Fokus rücken. Nachwuchsgewinnung war schon vorher ein Problem, das sich jetzt verschärft hat. Im gesamten Landkreis gebe es laut Rose drei Auszubildende. „Wir brauchen Unterstützung, finanziell, aber auch mit anderen Maßnahmen, sodass man zum Beispiel wieder Lehrlinge beschäftigen kann.“ Denn einen Platz anbieten können viele Salons derzeit schlicht nicht.

Dass sie ab Mitte Februar wieder öffnen können, glauben Cordes und Rose nicht. Lüdemann zeigt sich da optimistischer und hofft, dass sie wieder starten können – vielleicht mit weiteren Maßnahmen, aber immerhin ein Start. So wie in Österreich, wo die Friseure wieder öffnen dürfen – dort allerdings unter Vorlage eines negativen Coronatests.

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