Opfer nimmt Entschuldigung vom Angreifer an

Versuchter Totschlag: Angeklagter kommt möglicherweise frei

Das Landgericht Verden prüft, ob der Haftbefehl des Angeklagten aufgehoben wird. - Foto: dpa

Visselhövede/Verden - Möglicherweise wird der 48 Jahre alte Angeklagte aus Bendingbostel (Landkreis Verden), der sich derzeit vor dem Landgericht Verden wegen versuchten Totschlags verantworten muss, noch diese Woche aus der Untersuchungshaft entlassen.

Die Erste Große Strafkammer prüft, ob der Haftbefehl aufzuheben ist. „Da müssen wir uns aber noch gründlich Gedanken zu machen“, erklärte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk am Montag zum Ende des dritten Verhandlungstages. Zuvor waren noch einmal mehrere Mitarbeiter eines Bendingbosteler Fahrzeugbauunternehmens gehört. Dort soll der Angeklagte am 31. August 2017 nach Schichtende einen Kollegen mit einem Messer angegriffen haben. Nachmittags wurde das Opfer der Tat aus dem Kreis Rotenburg gehört.

Der 47-Jährige sieht einen Vorfall am Vormittag des Tattages als Grund für die Tat. Er habe nur kurz seine Arbeiten an einer Standbohrmaschine, die offenbar allen Mitarbeitern zur Verfügung steht, unterbrochen und sei weggegangen. Als er zurückkam, um weiterzubohren, habe der Angeklagte an der Bohrmaschine gearbeitet. Darüber habe er sich beim Meister beschwert, was wiederum der Angeklagte mitbekommen habe, so der 47-Jährige.

„Wie ein Streit im Kindergarten“

„Das ist doch eine Lappalie und klingt mehr wie ein Streit im Kindergarten um Eimerchen und Schaufelchen“, so die Reaktion des Vorsitzenden, als es der Meister am Vormittag vergleichbar geschildert hatte. Bis zu der Tat am Nachmittag war dann Ruhe, so die übereinstimmenden Aussagen. Das Opfer ergänzte aber am Montag, dass er den Angeklagten vormittags als „Schlampe“ bezeichnet habe. Angeklagter und Opfer fühlten sich von dem jeweils anderen nicht ausreichend respektiert. Das Opfer erhob den Vorwurf, dass der Angeklagte bei Kollegen schlecht über ihn geredet und gegen ihn „gehetzt“ habe. Zugleich regte sich das Opfer am Montag aber darüber auf, dass der nun öffentlich gewordene Vorwurf des Mobbings in der Firma, das Unternehmen selbst in Misskredit bringe. „Das war ein Streit nur zwischen mir und dem Angeklagten“, betonte der 47-Jährige, wobei sie sich anfangs noch gut verstanden hätten. Eigentlich sei der Angeklagte kein schlechter Kerl, sagte das Opfer sogar im Verlauf seiner Aussage.

Hinsichtlich der zu klärenden Frage des Tötungsvorsatzes ging es um das eigentliche Tatgeschehen. Hierzu hat das Opfer in seiner polizeilichen Vernehmung und vor Gericht unterschiedliche Angaben gemacht. Am Montag sagte er aus, dass er mit einem Schlag zu Boden gebracht worden sei. Der Angeklagte habe ihn gegen die Hüfte getreten und dann mit einem Messer in der Hand auf ihm gesessen. Ein Auszubildender habe ihm das Messer entrissen und ein anderer Kollege haben den Angeklagten runtergerissen. Selbst sei er dann nach draußen geflüchtet. Im Krankenhaus wurde er behandelt und am Abend wieder entlassen. Psychisch leide er noch unter der Tat, aber eine Entschuldigung des Angeklagten nahm der 47-Jährige am Montag an. 

wb

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