Zwei Jungtiere verlieren ihre Mutter

Ammenstute zieht eigenes und fremde Fohlen groß

+
Der kleine Hengst Lennox hat seiner Mutter verloren und wurde per Hand und Schüssel getränkt.

Eine Stute und drei Fohlen grasen in der Abenddämmerung. Ein idyllisches Bild bietet sich zurzeit auf der Wiese des Visselhöveder Ausbildungs-Reitstalls Jörn Kusel. Doch der Schein trügt. Hinter dem friedlichen Bild stecken schlimme Ereignisse.

Visselhövede - „Im Mai ist uns die Hannoveraner Zuchtstute La Belle plötzlich eingegangen – Spätfolge einer Geburt“, berichtet Kirstin Kusel, Schwester des Inhabers Jörn Kusel und gelernte Tierarzthelferin. „Zwei Tage lang haben wir mit medizinischer Hilfe um die Stute gekämpft. Gleichzeitig mussten wir Stutenmilch aus Ottersberg besorgen. So wurde das weibliche Fohlen von La Belle sehr früh an die Flasche gewöhnt.“

„Sehr bedrückende Zeit“

Glück im Unglück: Im eigenen Bestand haben Kusels die Zuchtstute Zafira mit ihrem vier Wochen alten Fohlen Jazzy (abstammend von dem aktuell sehr erfolgreichen Springhengst Justice). Stute und Fohlen wurden in einen großen Laufstall gebracht und das Waisenfohlen Belli von La Belle dazugestellt. „Alle drei in einer Box war kein Problem, obwohl die Kleine sehr getrauert hat“, erinnert sich der erfolgreiche Springreiter Jörn Kusel. Für ihn und sein gesamtes Team sei es eine „sehr bedrückende Zeit“ gewesen – und eine arbeitsreiche. Denn jede Stunde musste Belli mit der zugekauften Fohlenmilch getränkt werden, denn Zafira selbst hatte nicht genug Milch für beide Fohlen. 

Kleine Rangeleien blieben nicht aus

„Anfangs haben wir Belli zehnmal täglich Milch angeboten – Tag und Nacht. Nach 14 Tagen schon nur noch acht Mal“, erinnert sich Jörn Kusel, der mit seinem Team genau Buch über die Zeiten führte, damit die Nacht- und Tagschichtler den Überblick behielten. Dennoch war die schlafraubende Aufzucht eine anstrengende Zeit für das vierköpfige Team. Aus lauter Neugierde und vielleicht auch aus Appetit steckte Fohlen Jazzy auch mal seine Nase in die süße Milch.

Kleine Rangeleien in den ersten Tagen unter den beiden jungen Pferden blieben nicht aus. „Zafiras Milchbar war für Belli tabu, da wurde schon mal getreten“, hat Kirstin Kusel beobachtet.

Zum Glück hat Belli sich Dank der Fohlenmilch gut entwickelt und so dauerte es nur wenige Tage, bis die Fohlen zusammen gespielt und sich zum Schlafen dicht beieinander ins Stroh gelegt haben, während Zafira über beide wachte.

Jörn Kusel mit der Ammenstute Zafira und den Fohlen Belli, Lennox und Jazzy. 

Ende Mai schlug das Schicksal erneut zu. Durch einen Unfall kam die Vollblutstute Nora um. Das Fohlen Lennox war da gerade 30 Tage alt. Ingrid Wiegmann, eine Fachfrau für Ammenstuten, gab wertvolle Tipps und macht Kusels Mut, es mit der Aufzucht auch dieses Fohlens zu versuchen. „Zwei Tage hat der kleine Lennox gebraucht, um die Fohlenmilch aus der Schüssel anzunehmen“, erinnert sich Kirstin Kusel. Vorher nahm ihr Bruder den kleinen Hengst stündlich in den Arm, damit er die wichtige Nahrung schlückchenweis einflößen konnte. „Danach trank das Fohlen eigenständig. Als nächstes Nahrungsmittel gab es Pellets“, so Kirstin Kusel.

Fohlen brauchen ihre Artgenossen

Aber es stand gleich das nächste Problem an. „Den Nachkömmling direkt zum Trio um Stute Zafira zu stellen, hätte Krawall im Kinderzimmer bedeutet“, wussten Kusels. Also bekam der Junghengst eine geräumige Box mit Sichtkontakt direkt nebenan, was für Pferde unglaublich wichtig ist. „Ein Fohlen kann nicht alleine bleiben, es braucht seine Artgenossen, wie eigentlich alle Herdentiere“, betont der Experte. 

Die Kleinen hatten dadurch Zeit, sich zu beschnuppern und gewöhnten sich aneinander, sodass nach acht Tagen Stute Zafira drei Fohlen um sich herum hatte. Stundenweise wurden sie tagsüber auf die Weide gebracht und dann auch dort am Zaun im Drei-Stunden-Takt aus dem Eimer getränkt – pro Fohlen 2,5 Liter.

Nun gedeihen die Fohlen ohne Mangel und sind sehr zutraulich. „Einmal kurz alle Namen rufen und schon kommt die Rasselbande angaloppiert“, sagt Kirstin Kusel und ist sichtlich erleichtert, dass die Dramen ein glückliches Ende gefunden haben.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Iran beschlagnahmt zwei britische Öltanker

Iran beschlagnahmt zwei britische Öltanker

Polizeigewerkschaft: Zahl von Verleih-E-Scootern begrenzen

Polizeigewerkschaft: Zahl von Verleih-E-Scootern begrenzen

Fotostrecke: Erst in Zivil, dann in Aktion - die Bilder zum Freitagstraining

Fotostrecke: Erst in Zivil, dann in Aktion - die Bilder zum Freitagstraining

Der Juni bricht weltweit alle Hitzerekorde

Der Juni bricht weltweit alle Hitzerekorde

Meistgelesene Artikel

Lastwagen rammt 93-Jährige: Seniorin schwer verletzt

Lastwagen rammt 93-Jährige: Seniorin schwer verletzt

Zu viele Fundkatzen

Zu viele Fundkatzen

Sanierung in der Beekeschule: Sommerzeit ist Bauzeit

Sanierung in der Beekeschule: Sommerzeit ist Bauzeit

10901 Kilometer von zu Hause: Läuft!

10901 Kilometer von zu Hause: Läuft!

Kommentare