Familie Alhaddaf kommt in Visselhövede an / Unterstützung für Migranten in der Corona-Krise

Am Ende einer schwierigen Reise

Familie Alhaddaf hat in Visselhövede ein Zuhause gefunden.
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Familie Alhaddaf hat in Visselhövede ein Zuhause gefunden.

Visselhövede – Der 22. August 2019 wird der Familie von Kamal Alhaddaf immer in Erinnerung bleiben, denn dieses Datum ist in ihren Pässen mit dem Zusatz „Bundesamt für Migration und Flüchtlinge“ vermerkt. In Osnabrück endete vor rund einem Jahr die lange Odyssee der syrischen Familie. Sie gehören zu 18 Migranten, darunter zwei Familien, die in den vergangenen Wochen in Visselhövede ein Zuhause gefunden haben.

Ihren Heimatort nahe Damaskus musste der Restaurantbesitzer mit seiner Frau und seinen Kindern 2014 verlassen. Seitdem sind sie über den Libanon, die Türkei und Griechenland geflüchtet. „90 Prozent unserer Stadt wurde zerstört. Im Libanon konnte ich mir wieder eine kleine Existenz aufbauen, hatte ein Restaurant, eine Wohnung und konnte meine Familie versorgen. Hier wäre ich gerne geblieben, denn es sind nur 25 Kilometer von meiner Heimat und meinen Geschwistern entfernt“, berichtet der Familienvater. Doch auch hier gab es Sanktionen und Drohbriefe. So ging der 43-Jährige samt Familie wieder zurück nach Idlib, Syrien. „Es war eine schwierige Fahrt. Wir fuhren in einem Konvoi. Im letzten Auto saßen auch Familienmitglieder. Sie wurden von Schleppern entführt. Wir mussten Lösegeld zahlen – 5 000 Libanesische Dollar. Das war in Tripoli, Nord Libanon. Die Schmuggler versorgten uns mit gefälschten Ausweisen, sonst hätte uns die Miliz ohne Begründung festgenommen.“

Da Iblib bombardiert worden sei, habe die Familie mehrmals umziehen müssen. „Wir hatten nie Ruhe. Die Schmuggler nahmen uns weitere 7 000 Dollar ab, um uns in die Türkei zu bringen“, berichtet Alhaddaf. Dort seien sie unfreundlich empfangen worden. Alhaddaf habe versucht, auf einer Zitronenfarm zu arbeiten, doch der Lohn reichte nicht. „Ich hatte keine Papiere, keine Aufenthaltsgenehmigung“, berichtet der Koch und fügt hinzu: „Es war eine sehr schwere Zeit.“

Nach fünf Monaten ging es von Izmir übers Meer nach Kos. Hier kam die Familie am 7. Februar an. Das Geld war weg, die Verhältnisse im Lagercamp sehr schlecht. In Kos beantragte der gebürtige Syrer Asyl und verweilte dort zehn Monate. Doch auch dort erhielt er keine Arbeitsgenehmigung. Die Hilfe der UN reichte aber für die siebenköpfige Familie nicht einmal fürs Essen. „Dort hatten wir keine Zukunft. Doch nun sind wir in Deutschland angekommen. Wir sind in Sicherheit. Das ist das Wichtigste! Die Kinder können zur Schule gehen, und ab August können die Jüngsten in den Kindergarten“, zeigen er und Ehefrau Aakasha sich zuversichtlich. „Vor der Corona-Krise durfte ich bereits in einem Visselhöveder Restaurant zur Probe kochen, und am 19. September kann ich mit dem Deutschkurs beginnen“, freut sich Alhaddaf, der jeden Morgen zur gewohnten Zeit um 6 Uhr aufsteht. „Nach der langen schwierigen Reise hier anzukommen, ist das Beste, was uns passieren konnte. Die Menschen hier sind alle sehr nett.“

„Wir möchten die Mitbürger sensibilisieren und deutlich manchen, dass die Migranten gerade in der Corona-Krise isoliert leben. Das ist für das Einleben und die Entwicklung sehr schwer“, macht Doris Corr vom Visselhöveder Präventionsrat deutlich. Sie hat mit Svantje Wegener die Patenschaft für die Familie übernommen und hilft, wo sie kann. Beim Interview war Dolmetscherin Melina Carstens aus Rotenburg dabei.  aki

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