Mögliche Veränderungen

Debatte über Schulstandorte in Visselhövede

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Darüber, ob in dem mehr als 110 Jahre alten Schulhaus weiter Grundschüler unterrichtet werden, wird ab sofort sachlicher diskutiert – so zumindest der Wunsch des Schulausschusses. 

Visselhövede - Von Jens Wieters. In aller Ruhe und vor allem mit mehr Sachlichkeit soll in den nächsten Monaten über mögliche Veränderungen in der Schulstruktur Visselhövedes diskutiert werden.

Darauf verständigte sich der Schulausschuss während der Sitzung am Dienstagabend. Außerdem sollen zunächst Zahlen auf den Tisch kommen, was die verschiedenen Baumaßnahmen in der Kastanien-Grundschule, in den Gebäuden der Oberschule und ein möglicher Neubau eines Kindergartens kosten.

Hintergrund der ganzen Debatte: Die Stadt braucht dringend – am besten schon im kommenden Jahr – Platz für Kindergarten- und Krippengruppen. Also stellte die Verwaltung die Überlegung an, die Grundschüler aus der Kastanienschule in der Oberschule Lönsstraße unterzubringen und die Jugendlichen aus dieser Schule im Haupthaus Auf der Loge unterrichten zu lassen. Dafür könnten in der Kastanienschule Räume für Kindergarten und Krippe eingerichtet werden.

Allerdings steht auch ein Einzug der kleinsten Visselhöveder in Teile des Gebäudes an der Lönsstraße zur Diskussion und damit, dass die Grundschüler da bleiben, wo sie sind. Fakt ist aber auch, dass alle Varianten viel Geld kosten. So müssten in beiden Schulen neue Sanitärräume gebaut werden und weitere kindgerechte Maßnahmen erfolgen. Und auch die Oberschule Auf der Loge braucht einige neue Klassenzimmer – nicht zuletzt wegen des gymnasialen Angebots, „das wir als eine von nur 30 Oberschulen in Niedersachsen vorhalten“, wie Rektor Gerard Dyck nicht ohne Stolz verkündete.

Bürgermeister Ralf Goebel berichtete von den Begehungen mit der Landesschulbehörde, Vertretern der Parteien, Lehrern und Eltern in den verschiedenen Häusern: „Wir haben zwar nur eine telefonische Rückmeldung der Behörde und noch keine klare Ausarbeitung, aber es wurde uns gesagt, dass die Fachleute die Variante Grundschule an der Lönsstraße bevorzugen würden.“ Nicht zuletzt sei die neue Mensa ein Grund dafür.

Wallin: Verwaltung darf nicht beeinflussen

Die Leiterinnen der Kindertagstätten würden sich „Synergieeffekte“ versprechen, wenn die neuen Kita-Gruppen sich in direkter Nachbarschaft des vorhandenen Fabula-Kindergartens einrichten könnten. „Wir brauchen eine Entscheidung, die uns die Zukunft im schulischen Bereich sichert. Es geht auch um zeitgemäßen Unterricht mit veränderten Anforderungen. Dabei dürfen wir einzelne Bereiche nicht isoliert betrachten“, so Goebel.

Eckhard Langanke von der WiV favorisiert angesichts der Maßnahmen, „die wir an allen Standorten machen müssen“, die Kita-Gruppen an der Lönsstraße anzusiedeln. „Dort könnte mittelfristig eine Art Familienzentrum entstehen.“

Robert Rabe (SPD) will unbedingt „Leerstände in Gebäuden“ vermeiden und sich die vorgeschlagenen Konzepte nicht „totreden“ lassen. „Wir brauchen wieder mehr Sachlichkeit beim Thema, eine verlässliche Kostenermittlung für die verschiedenen Varianten, aber auch einen Kita-Neubau wollen wir nicht ausschließen“, stellte Rabe klar, der betonte, dass man für Kita-Gruppen in Wittorf Platz hätte.

Auch Willi Bargfrede (CDU) forderte zunächst konkrete Zahlen, um weiter zu diskutieren. Aber er persönlich sei für einen Umzug der Grundschüler. „Aber selbst dann sollte das historische Gebäude der Kastanienschule der Stadt erhalten bleiben und keiner anderen Nutzung zugeführt werden“, betonte der Wittorfer.

Hartmut Wallin (Grüne) möchte ebenfalls erst Zahlen vergleichen und will vor allem nicht, dass die Verwaltung versucht, Einfluss auf die Entscheidung zu nehmen. „Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man die im Rathaus errechneten Quadratmeter Schulhoffläche betrachtet: An der Lönsstraße wurde sie hochgerechnet, an der Kastanienschule abgerundet.“ Goebel hatte den Pausenhof der Kastanienschule mit rund 5 000 Quadratmeter beziffert und den der Oberschule Lönsstraße mit gut 4 600.

Eine ausreichende Fläche zum Toben der jüngsten Schüler verlangt auch Catrin Puschmann, stellvertretende Grundschulleiterin: „Die Begehungen hätten besser mal vormittags in einer Pause stattfinden sollen, dann hätten alle Beteiligten gesehen, was für einen Bewegungsdrang die Kinder haben. Wir haben viele verhaltensauffällige Kinder, die sehr viel Raum brauchen. Das wäre an der Lönsstraße schwierig.“

„Ein kleiner Weg an der frischen Luft tut auch den Grundschülern gut.“

Die Verwaltung hatte in Betracht gezogen, den aktuellen Lehrerparkplatz an der Lönsstraße in den Schulhof zu integrieren und Parkplätze für Lehrer am knapp 100 Meter entfernten Majorsbruch anzubieten. Aber auch das kommt für Puschmann nicht infrage: „Grundschullehrer kommen morgens schwer bepackt in den Unterricht. Solch ein Weg ist nicht machbar.“

Dass es an der Lönsstraße eine Mensa gibt und damit für das Mittagessen der Kinder vor Ort in der Ganztagsgrundschule gesorgt ist, ist für Puschmann ebenfalls kein Argument für einen Umzug: „Ein kleiner Weg an der frischen Luft tut auch den Grundschülern gut.“

Gerard Dyck stellte klar, dass eine Oberschule an einem Standort sehr gut sei, aber dann neue Klassenzimmer nötig seien. „Eine Containerlösung läuft nicht und von daher ist eine schnelle Lösung schwer vorstellbar.“

Vom Schnellschuss will auch Bürgermeister Goebel nichts wissen, stellte aber in Aussicht, dass ein Fachplaner in den nächsten Wochen eine grobe Kostenschätzung für alle Varianten und Baumaßnahmen vorlegen werde.

„Dann müssen wir auch eine Entscheidung treffen“, forderte Willi Bargfrede, „damit alle wissen, woran sie sind.“

Ausschussvorsitzender Lothar Cordts (SPD) warb angesichts von Leserbriefen und endloser Diskussionen und Anfeindungen in den sozialen Netzwerken, um Vertrauen in den Schulausschuss: „Es steht überhaupt noch nichts fest und wir werden ergebnisoffen beraten.“

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