Komplizierte Reise mit dem Elektro-Golf

Acht Stunden für die Strecke Berlin-Visselhövede

+
Bei Christian Hintze konnte der 28-Jährige schließlich die Schnellladestation nutzen.

Visselhövede - Von Angela Kirchfeld. Eigentlich benötigt man für eine Fahrt von Berlin nach Visselhövede rund dreieinhalb Stunden – aber nur, wenn man die 350 Kilometer gut durchkommt. „Und wenn man kein Elektro-Auto fährt“, stöhnt Florian Dahms.

Denn der Berliner hat eine kleine Odyssee hinter sich, als er sich am Freitag auf den Weg von der Bundeshauptstadt nach Visselhövede machte.

Dahms fährt normalerweise einen Seat Diesel als Firmenfahrzeug. Er hatte seiner Arbeitskollegin aber versprochen, ihr sein Auto leihweise zu überlassen, weil sie von Berlin nach Rostock fahren musste. Also bekam Dahms im Gegenzug den VW Golf mit reinem Elektroantrieb seiner Kollegin. Allerdings hatte er nicht mehr an die Reise zu seinen zukünftigen Schwiegereltern nach Visselhövede gedacht, wo seine Verlobte Theresa Kirchfeld schon auf ihn wartete.

„Ich bin um 15 Uhr in Berlin losgefahren und war um 23 Uhr in Visselhövede“, berichtet der 28-Jährige. „Alle reden vom umweltschonenden Fahren, was ja auch grundsätzlich gut ist. Aber mit einem E-Auto muss man seine Route ganz streng nach den Lademöglichkeiten planen.“

E-Tankstelle defekt

Zu allem Überfluss war auch noch eine E-Tankstelle defekt. So musste Dahms auf den VW-Notdienst warten, der auch seine Zeit benötigte und das Auto nur behelfsmäßig aufladen konnte, damit sich der Berliner wenigstens zur nächsten Ladestation retten konnte. 

Beim Autotausch mit der Kollegin hatten Theresa Kirchfeld und Florian Dahms nicht mehr an die Reise von Berlin nach Visselhövede gedacht. Sie dauerte im Elektroauto prompt viel länger als geplant.

„Das Tanken geht natürlich nicht mal eben so, man benötigt auch bei einer Schnellladestation bis zu einer halben Stunde. Zwangspause und Arbeitszeit, die man dann absitzt, während man andere Autofahrer sieht, die ihr Fahrzeug ruckzuck mit Benzin oder Diesel auftanken.“

Es sei auch kein entspanntes Fahren im E-Auto möglich, da der Blick ständig auf die noch verbleibende Reststrecke in der Anzeige gerichtet sei. „Im Stadtverkehr kommt man mit einer Ladung bis zu 250 Kilometer weit, aber auf der Autobahn mit Licht und Heizung sind es gerade mal 100 Kilometer, bei einer durchschnittlichen Fahrgeschwindigkeit von 110 km/h“, hat Dahms errechnet. Das schränke den Aktionsradius doch immens ein.

Außerdem seien die Zapfsäulen noch rar gesät, und es komme auch mal vor, dass eine E-Station bereits besetzt ist. „Das bedeutet dann doppelte Wartezeit!“

Geeignete Schnellladestation Fehlanzeige

Schließlich in Visselhövede angekommen, taten sich neue Probleme auf. Denn angeschlossen an die einfache Steckdose im Schuppen der angehenden Schwiegereltern wurde die Batterie zwar kostengünstig für etwa 1,50 Euro ein bisschen aufgeladen, das Display zeigte aber eine maximale Reichweite von gerade mal 100 Kilometern an.

„Im Umkreis von 80 Kilometern zeigt mir die spezielle App keine geeignete Schnellladestation“, berichtet Dahms. Selbst der große Energieanbieter vor Ort, der auch eigenen Strom parat hält, verweist auf die nächste E-Ladestation weit weg an der A1. „Auf dem Land ist man mit einem Elektromobil darum eigentlich völlig aufgeschmissen“, bilanziert der Berliner.

Zum Glück kennen seine Schwiegereltern Menschen wie Christian Hintze, vor dessen Versicherungsagentur eine Schnellladestation steht. Da Hintze gerade mit einem anderen Auto als seinen E-BMW unterwegs war, stellte er Dahms die Tankkarte der Rotenburger Stadtwerke zur Verfügung, sodass der Golf nach rund 90 Minuten geladen war und das junge Paar zurück in die Hauptstadt fahren konnte – natürlich mit Zwischenstopps zum Nachladen. 

Florian Dahms empfiehlt darum ein E-Fahrzeug lediglich als Zweitwagen oder nur für Städter. „Für längere Urlaubsstrecken sind die Antriebe noch nicht zu empfehlen. In Sachen Batteriekapazität muss sich noch viel tun.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Citroën Berlingo: Meister der Möglichkeiten

Citroën Berlingo: Meister der Möglichkeiten

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

USA schieben früheren Nazi-Kollaborateur nach Deutschland ab

Rückkehr der "Siedler" und "Desperados"

Rückkehr der "Siedler" und "Desperados"

Sonne, Strand und Meer: Beliebte Strandhotels auf Mallorca

Sonne, Strand und Meer: Beliebte Strandhotels auf Mallorca

Meistgelesene Artikel

Maisfeldfete ein großer Erolg

Maisfeldfete ein großer Erolg

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Erfolgsgeschichte: Rotenburg kommt beim Stadtradeln auf Platz eins

Bötersener Dorfladen: 104 Gesellschafter im ersten Anlauf

Bötersener Dorfladen: 104 Gesellschafter im ersten Anlauf

Jungen Kettenburger Familien fehlen die Bauplätze

Jungen Kettenburger Familien fehlen die Bauplätze

Kommentare