SPD, Grüne und WiV gegen Hallenbad-Standort

Abfuhr für die Edeka-Pläne

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Selten war eine Visselhöveder Ausschusssitzung so gut besucht wie die Beratung der Experten für Bau- und Stadtentwicklung. Überwiegend saßen Badnutzer in den Zuschauerreihen.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Die im Auftrag des Lebenmittelkonzerns Edeka agierende Planungsfirma Profilia kann ihre Zeichnung und Ideen, einen Vollsortimenter auf dem Visselhöveder Hallenbadgelände zu bauen, in den Reißwolf stecken. Denn der Visselhöveder Ausschuss für Bau und Stadtentwicklung hat diesen Plänen, die auch die Übernahme des Hallenbads vorsahen, mehrheitlich eine Abfuhr erteilt.

Für die Ausschussmehrheit, bestehend aus SPD, Grünen und WiV, kommt der Standort am Hallenbad „überhaupt nicht infrage“, wie Hermann Bergmann (SPD) unter dem Applaus der rund 30 Zuhörer unmissverständlich klarstellte. Lediglich die drei Ausschussmitglieder der Gruppe CDU/FDP votierten für den von der Verwaltung ausgearbeiteten Beschlussvorschlag, der ein Sieben-Punkte-Plan vorsah. Darin sollten diverse Gutachten zur Verkehrsanbindung, zu Immissionen oder auch zum Thema Naturschutz erstellt werden. „Um eben nicht aus dem Bauch heraus entscheiden zu müssen, sondern um im kommenden Jahr eine fachlich fundierte Diskussionsgrundlage zu haben“, wie Bürgermeister Ralf Goebel vor der Abstimmung appellierte.

Bürgermeister versucht Umdenken zu erreichen

Nur mit dem Punkt „Erstellung eines Einzelhandels- oder Verträglichkeitsgutachtens“ konnten sich letztlich fünf der sieben Ausschussmitglieder anfreunden, aber „dabei darf es aber nur darum gehen, ob Visselhövede generell einen weiteren Vollsortimenter vertragen kann“, wie Hartmut Wallin (Grüne) klarstellte. „Der Standort am Hallenbad ist aus vielen Gründen nicht geeignet.“

Bürgermeister Goebel versuchte zwischendurch, die Politiker zu einem Umdenken zu animieren: „Dass Edeka überhaupt Interesse an Visselhövede hat, ist schon mal ein positives Zeichen und solch ein Markt könnte die Attraktivität der Stadt in einem weiten Umfeld steigern. Außerdem ist die Lösung mit dem Hallenbad auch zumindest nachdenkenswert.“

Burmester: Markt wäre ein nachhaltiger Eingriff in das Stadtbild

Die Profilia-Pläne sehen vor, direkt angrenzend an das Hallenbad und den Parkplatz einen Vollsortimenter mit einer Verkaufsfläche von 2000 Quadratmeter und auf 650 Quadratmeter Nebenräume für Lager und Personal zu bauen. In der sogenannten Vorkassenzone sollte ein Bereich für Gastronomie und Bäckerei entstehen. Eine Mall mit mehreren kleineren Geschäften war zuletzt nicht mehr vorgesehen. Das Sortiment des Marktes sollte sich zu 90 Prozent aus dem Ernährungsbereich zusammensetzen. Im Hallenbad war eine Verkleinerung der Gebäude- und Beckenfläche geplant. Eine private Betreibergesellschaft mit Beteiligung der Stadt sollte den Badebetrieb übernehmen. Der Konzeptentwurf sah die Ansiedlung eines Physiobereichs vor. Die Anfahrt zum Markt sollte über die Straße Zu den Visselwiesen und auch direkt vom Kreisel an der Rotenburger Straße durch den Dr.-Zernitz-Park erfolgen. Parallel dazu sollte auch geklärt werden, was mit dem alten Gebäude der Edeka-Tochter NP an der Feldstraße geschehen wird.

Aber auf diese ganzen Vorhaben mochten sich WiV, SPD und Grüne nicht einlassen. Eckhard Langanke (WiV) betonte, dass durch eine Ansiedlung das Angebot an der Goethestraße gefährdet würde. „Außerdem drücken wir uns durch ein Betreibermodell für das Hallenbad davor, selber Entscheidungen zu treffen.“ Hartmut Wallin (Grüne) will das Hallenbad „auf keinen Fall anfassen“, und für Torsten Burmester (SPD) ist klar, dass „ein Markt dort nicht hinpasst, weil es ein nachhaltiger Eingriff in das Stadtbild wäre. Die Edeka-Ansiedlung in Visselhövede sei zwar generell eine gute Idee, „aber nicht an dem Standort“.

Jährliche Investitionen in das Bad könne die Stadt sich nicht lange leisten

Dieter Carstens (CDU) appellierte letztlich vergeblich an seine Ausschusskollegen, dem Verwaltungsvorschlag zuzustimmen: „Wir können nicht jede Idee eines Investors verhindern und sind meiner Meinung nach in der Pflicht, mögliche Ansiedlungen zu untersuchen.“ Zumal es auch möglich sei, dass die Ergebnisse der verschiedenen Gutachten jedes für sich ein Ausschlusskriterium für die Ansiedlung eines Supermarkts darstellen könnte. Für ihn hat auch die Hallenbad-Idee einen Reiz, denn „jedes Jahr im Durchschnitt 350.000 Euro in das Bad zu stecken, kann die Stadt angesichts der Millionen-Schulden nicht mehr lange leisten. Und es wird nie Schluss sein mit den Investitionen“. Pamela Helmke (CDU) wollte eine „völlig wertfreie Abarbeitung“ des Sieben-Punkte-Plans der Verwaltung. „Dann können wir immer noch diskutieren und uns vielleicht gegen einen solchen Markt entscheiden.“

Während der anschließenden Bürgerfragestunde, die von den Hallenbadnutzern in den Zuschauerreihen üppig genutzt wurde, kochten die Emotionen ebenfalls ein wenig hoch. So kann Barbara Schliep nicht verstehen, dass überhaupt über die Zukunft des Bads diskutiert werde. „Es wurden Millionen reingesteckt, und die sollen jetzt über Kopf gedreht werden?“ Ralf Goebel entgegnete, dass trotz der „riesigen Werbung im vergangenen Jahr die Besucherzahlen mau sind“.

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