„Klimafreunde“ packen in Visselhövede an

600 Bäume an einem Tag

Die Helfer pflanzen amerikanische Roteiche und die heimische Rotbuche – bei ihnen geht man davon aus, dass sie mit dem Klimawandel gut zurechtkommen.
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Die Helfer pflanzen amerikanische Roteiche und die heimische Rotbuche – bei ihnen geht man davon aus, dass sie mit dem Klimawandel gut zurechtkommen.

Visselhövede – Elke Bruns liebt den Wald. Sie ist Eigentümerin eines Waldgrundstücks ganz in der Nähe von Visselhövede. Die Forstwirtschaft ist zwar nicht ihr Beruf, aber der Wald ist ihre Leidenschaft, da hängt ihr Herzblut dran, berichtet sie. Und wenn in ihrem Wald die Bäume fallen, blutet ihr durchaus das Herz. „Vor zwei Jahren hatten wir hier einen großen Sturmschaden, auch der Borkenkäfer hat Böses angerichtet“, so Bruns.

Schon länger war ihr klar, dass sie einen Teil der Bäume wieder aufforsten will, aber zunächst wusste sie noch nicht, wie sie das umsetzen soll. Zufällig ist sie über einen Zeitungsartikel „gestolpert“, in dem über die Initiative der Klimafreunde berichtet wurde. Schnell griff sie zum Hörer, verabredete sich mit den „jungen Leuten“, wie sie die Macher des gemeinnützigen Vereins nennt. Auch Bezirksförster Ulf Wahlers nahmen die Beteiligten hinzu, der gab grünes Licht für die Aktion.

So kam es, dass nun an nur einem einzigen Tag 600 Bäume eingepflanzt wurden, wohlgemerkt ehrenamtlich. „Ich bin wirklich froh, dass wir heute hier aktiv sind“, erzählt Bruns und lächelt, trotz des strömenden Regens und durchaus stürmischen Wetters. Sie selber hilft auch mit. „Für mich ist das eine Win-Win-Situation“, betont sie und auch, dass die jungen Leute sehr tatkräftig wären. „Die machen was, die reden nicht nur.“

Stefan Haack zeigt einen der Setzlinge – diese kommen aus der Baumschule und werden nun hier ganz in Ruhe wachsen.

Die Aktion ist beispielhaft für das Engagement des noch jungen Vereins mit Sitz in Soltau. Und Bruns ist beispielhaft für viele andere private Waldbesitzer, die gerne mehr aufforsten würden, aber alleine eine solche Aktion nicht umsetzen können. „Wir haben uns 2020 gegründet, weil wir uns aktiv zugunsten des Klimas engagieren wollen“, erklärt Stefan Haack, Vorsitzender der Klimafreunde. Schon 2019 hatten sich insgesamt 16 Mitstreiter zusammengetan. Die Grundidee ist simpel: Der Klimawandel bedroht die Erde, Bäume helfen dabei, den Klimawandel zu stoppen, also muss man Bäume pflanzen.

Im ersten Pilotprojekt waren es knapp 200 Setzlinge, die gemeinsam in die Erde gebracht wurden. Seitdem wissen die Aktivisten, dass es machbar ist, gemeinsam eine größere Menge an Bäumen zu pflanzen. „Wir haben dann begonnen, uns an die Öffentlichkeit zu wenden, um Waldbesitzer zu finden, die den entsprechenden Platz haben, aber vielleicht selber nicht die finanziellen oder auch die körperlichen Möglichkeiten, die Aufforstung umzusetzen“, so Haack.

Im strömenden Regen packen die Helfer an. Am Ende des Tages waren es 600 Bäume, die gepflanzt wurden.

Bei jedem einzelnen Aufforstungsprojekt, welches von der Gruppe umgesetzt wird, werden die Details jeweils individuell mit den Grundstücksbesitzern besprochen. „Elementar ist nur, dass ,unsere‘ Bäume mindestens 30 Jahre stehen bleiben können“, erklärt er das Vorgehen. Diese Vorgabe soll sicherstellen, dass die Bäume auch wirklich dem Klimaschutz dienen und nicht vorzeitig abgeholzt werden.

Das Konzept geht auf, an einem Wochenende hatte die Gruppe bereits 100 Bäume eingepflanzt, an dem Tag mit Bruns 600, an einem weiteren Wochenende sogar 700 Setzlinge. Das macht 1 400 frisch gepflanzte Bäume in nur drei Wochen – eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

Die Umsetzung der Aktion geht auch deshalb so gut von der Hand, weil der Verein durchaus die Hilfe von Experten in Anspruch nimmt. So war in Visselhövede von Beginn an der Bezirksförster beteiligt, und auch an diesem Tag ist Jasper Krieg vor Ort. Er macht eine Ausbildung zum Forstinspektor. Zum Start der Aktion hat er den Helfern genau erklärt, wie sie vorgehen und auf was sie achten müssen. „Zum Beispiel darf man die Wurzel nicht knicken, sie darf auch nicht nach oben gedrückt werden“, so Krieg.

Deutlich zu sehen sind die Sturmschäden, die den Wald angegriffen haben.

Die Fläche wurde außerdem vorher vorbereitet, die Erde in den Setzlöchern teilweise schon etwas gelockert. „Wir wollen animieren und das Thema möglichst vielen Menschen nahe bringen“, ergänzt Haack. Durch die fachliche Unterweisung nehmen die Teilnehmer einer jeden Aktion auch Fachwissen mit. Sie können anschließend Bäume pflanzen oder haben zumindest einen besseren Zugang dazu erhalten. „Jeder, der möchte, kann mitmachen“, führt der Vereinsvorsitzende aus – natürlich aktuell unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregeln.

Später einmal sollen die Pflanzaktionen auch von kleinen Festen begleitet werden, einfach, um noch mehr Öffentlichkeit für das Thema zu generieren. „Wir haben die Vision, dass die Menschen ein Stück Begeisterung für Bäume mit nach Hause nehmen“, so beschreiben die Initiatoren einen weiteren Aspekt der Aktion. „Auch im Alltag wird man animiert, hier und da das eigene Verhalten zu überdenken und sich mehr für den Klimaschutz zu engagieren“, der Überzeugung ist auch Simon Andreas, stellvertretender Vorsitzender des Vereins.

Der Verein

Der Verein Klimafreunde ist unter https://klima-freunde.de zu erreichen. 55 Vereinsmitglieder sind aktiv, die Mitgliedschaft ist sowohl als aktive Mitgliedschaft als auch als passive Mitgliedschaft möglich. Privatleute, Landwirte oder auch andere Landeigentümer, die eine Aufforstung vornehmen wollen und dabei Unterstützung brauchen, können sich an den Verein wenden, auch Spenden sind willkommen.

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