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Einzigartig in Deutschland: Kamelmilch-Absatz in Hiddingen steigt

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Von: Angela Kirchfeld

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Beke Marquard mit einem ihrer Schützlinge.
Beke Marquard mit einem ihrer Schützlinge. © Kirchfeld, Angela

Hiddingen – Sie sind in Deutschland Pioniere – und feiern mit ihrer außergewöhnlichen Passion nun einen runden Geburtstag: Seit 30 Jahren gibt es die Kamelfarm in Hiddingen. Seit 2019 verkaufen Beke und Andreas Marquard nach langem bürokratischen Aufwand die Kamelmilch von ihren Hof. Mit der EU-weiten Zulassung Ende vergangenen Jahres hat sich der Absatz gesteigert. Sie sind die einzigen, die das „weiße Gold der Wüste“ in Deutschland vertreiben.

„Mittlerweile ist der Absatz der Kamelmilch enorm gestiegen“, berichtet Beke Marquard. Das exotische Nischenprodukt wird in arabischen Ländern seit Ewigkeiten geschätzt. „Wir dürfen jetzt versenden, und damit ist unsere Vermarktung um 500 Prozent gestiegen“, freuen sich Marquards. Beim Verschicken muss die Milch pasteurisiert sein. Sie wenden ein schonendes Verfahren bei 72 Grad für eine Minute an. Direkt ab Hof ist die Milch unbehandelt.

Der Liter kostet elf Euro, der Geschmack ist der Kuhmilch ähnlich, soll aber einen höheren Vitamingehalt haben. Nachgesagt wird der besonderen Flüssigkeit – ursprünglich ein Beduinengetränk – wegen seiner Inhaltsstoffe ein positiver Einfluss auf Krebszellen, Allergien und Diabetes-Erkrankungen. Sie enthält weniger Fett und ist für Menschen mit Laktoseintoleranz angeblich besser verträglich. „Vor allem ist sie frei von Hormonen, da unsere Stuten erst wieder gedeckt werden, wenn die Fohlen abgesetzt sind!“

Derzeit tummeln sich neun Fohlen im Stall. „Zwölf Fohlen werden noch erwartet“, so Marquard. Ab der sechsten Woche nach der Geburt der Fohlen wird mit dem Melken begonnen – fortschrittlich mit einer Melkmaschine. Lediglich zwei bis fünf Liter beträgt der Erlös, damit noch genug Milch für die Jungen bleibt. „Wir teilen brüderlich“, versichert Marquard.

Von Dezember bis April ist Brunftzeit. 13 Monate trägt eine Kamelstute, die alle zwei Jahre gedeckt wird. Kamele können bis zu 30 Jahre alt werden. Mittlerweile verkaufen Marquards ihre Wüstenschiffe bis nach England. Daher bekommen die Neuankömmlinge vorerst keinen Namen. „Alles was verkauft wird, bekommt keinen Namen, dann fällt der Abschied nicht so schwer!“

1992 hatte alles damit begonnen, als Ehemann Andreas sagte: „Ich will ein Kamel!“ Damals fanden die Tiere erst bei „Gesters Garten“, dann im eigenen Stall in Wittorf Unterkunft, bis Andreas´ Vater 1998 starb und er den Bauernhof in Hiddingen übernahm. Da hieß es dann: „Kühe raus und Kamele rein!“ Die Hiddinger staunten über die Exoten, doch nach einem zünftigen Bundesschützenfest, bei dem der Hiddinger Jugend-Bundesschützenkönig mit dem Kamel nach Hause gebracht wurde, war das Eis gebrochen.

Leben von dem Erlös aus der Kamelfarm kann die vierköpfige Familie nicht. So teilen sich Beke und Andreas Marquard als Vermessungstechniker eine Stelle in Scheeßel. Tochter Fe ist als Bauzeichnerin tätig und gibt nebenbei Reitunterricht – auf Pferd und dem Kamel! Sohn Marten ist gelernter Zimmermann und macht zurzeit eine Ausbildung zum Zoo-Tierpfleger. „Wir haben einen 24-Stunden-Job hier auf der Farm, besonders jetzt zur Fohlenzeit, aber wir möchten ihn nicht missen!“, versichern die Marquards. Für sie ist es ihre Passion, ihr Leben und ihre Leidenschaft.

Kleiner Tierpark

Am 1. April öffnet der kleine Tierpark in Hiddingen mit seinen vielen Tieren wieder seine Tore. Neben den Kamelen tummeln sich noch zahlreiche andere Vier- und Zweibeiner auf dem Hof. Besuch nach Anmeldung: 0171 / 9840576.

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