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104 Hektar große Ausgleichsfläche bei Rosebruch

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Von: Jens Wieters

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Nicht besonders wertvolle Nadelholzbestände im Rosebruch sollen durch Maßnahmen ökologisch aufgewertet werden.
Nicht besonders wertvolle Nadelholzbestände im Rosebruch sollen durch Maßnahmen ökologisch aufgewertet werden. © - Wieters

Kommunen brauchen Ausgleichsflächen für ausgewiesene Bau- und Gewerbegebiete. Die Landesforsten Niedersachsen haben für die Stadt Visselhövede ein 104 Hektar großes Areal im Rosebruch im Blick.

Visselhövede – Gemeinden, die Bauland ausweisen oder Gewerbegebiete entwickeln, müssen Ausgleichsflächen vorweisen, um – grob gesagt – der Natur das wieder zu geben, was ihr durch die Versiegelung der Flächen genommen wurde. Aber nicht irgendwo in der Pampa, sondern im „naturnahen Raum“, wie Frank Zweers von den Niedersächsischen Landesforsten Harsefeld dem Visselhöveder Umweltausschuss erläuterte.

„Es ist ganz einfach: Wer Eingriffe in die Natur plant, muss sie auch ersetzen. Nachfolgende Generationen müssen die gleiche ökologische Grundlage haben wie wir.“

Denn auch Visselhövede steht wie alle Kommunen immer wieder vor dem Problem, dafür geeignete Flächen zu finden. „Zwar nicht aktuell“, wie Brunhilde Arps vom Bauamt erläuterte, „aber wir entwickeln uns ja weiter.“ Und darum bringt Zweers den Kompensationsflächenpool Rosebruch ins Spiel, ein Gebiet, das, wie insgesamt 21 000 Hektar Wald in Niedersachsen, den Landesforsten gehört.

Poolfläche dicht dran am Stadtkern

Hinter dem etwas sperrigen Namen verbergen sich nordwestlich von Hiddingen rund 104 Hektar Land, die die Experten als Fläche für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen ausgeguckt haben. Natürlich braucht Visselhövede diese riesige Fläche nicht komplett, könnte sich aber einige Hektar reservieren lassen. „Der Vorteil ist, dass die Poolfläche nur etwa fünf Kilometer Luftlinie vom Kernort entfernt liegt“, so Zweers.

Die Landesforsten planen demnach lieber großflächig statt mehrere kleinere Maßnahmen anzuschieben. „So rund 30 Hektar sollten es schon sein“, betont Zweers. Die in Frage kommenden Bereiche müssen einige Kriterien erfüllen: Das Gebiet muss reparaturfähig sein, es muss die Möglichkeit gegeben sein, eine robuste Natur zu schaffen und es darf keine nachteiligen Beeinträchtigungen für Dritte geben. „Darum ist der Rosebruch ideal geeignet“, betonte Zweers, denn man könne dort aus „nicht besonders wertvollen Flächen voller Nadelholz einen wertvollen Wald mit standortgerechten Laubbäumen machen“. Ein weiterer Vorteil sei, dass dadurch wieder ein natürlicher Wasserhaushalt hergestellt werde, weil „das Gebiet aktuell zwar mit vielen Bächen durchzogen ist, die aber eher der Entwässerung dienen. Das muss sich ändern“, so Zweers.

Ein wertvoller Wald mit Laubbäumen soll nach Pflanzmaßnahmen im Rosebruch entstehen.
Ein wertvoller Wald mit Laubbäumen soll nach Pflanzmaßnahmen im Rosebruch entstehen. © Wieters

Fünf bis acht Euro pro Quadratmeter müssten die Kommunen je nach Lage für die Ausgleichsmaßnahmen zahlen. „Aber bei uns bedeutet das: Einmal gezahlt, alles drin“, formulierte der Förster salopp. So brauche die Stadt keine Flächen zu erwerben und müsse sich auch nicht um die Pflege und Co. der Anpflanzungen und Renaturierungen kümmern. „Die Landesforsten sind ein sicherer Partner, die durch das Land im Rücken gegen eine Insolvenz abgesichert sind. Und wir können sofort loslegen, wenn die Kommunen den Startschuss geben“, bat Zweers um Zustimmung.

Verwaltung holt auch andere Angebote ein

Die gab es vom Ausschuss allerdings nicht sofort, weil auch „die Landkreisverwaltung erst noch grünes Licht dafür geben muss“, wie Ausschussvorsitzender Charly Carstens (CDU) formulierte. Aber die Politiker fordern die Verwaltung auf, entsprechende Angebote für einen Kompensationsflächenpool einzuholen.

Ganz ohne Kritik blieb die Vorstellung allerdings nicht, denn Heiner Gerken (Grüne) ist der Meinung, dass man auch mit solchen Maßnahmen wie im Rosebruch, versiegelte Flächen im Stadtgebiet nicht ersetzen könne. „Es wird irgendwann sowieso darauf hinanauslaufen, dass jeder Quadratmeter, der neu versiegelt wird, woanders wieder entsiegelt werden muss.“

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