Gemeinde will Vereine bei Veranstaltungen finanziell unterstützen / Braumüller handelt unbedacht

Viele neue Richtlinien und ein Eklat

Scheeßel - Die Gemeinde Scheeßel will örtliche Vereine und Initiativen stärker unterstützen. Beschränkte sich die Gewährung von Zuschüssen bisher ausschließlich auf Neu- , Um- und Erweiterungsbauten vereinseigener Einrichtungen, sollen künftig auch kulturelle, soziale und sportliche Veranstaltungen finanzielle Förderung erfahren.

Am Dienstag wurde das überarbeitete Konzept im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus, Kultur- und Heimatpflege vorgestellt.

„Die Scheeßeler Vereine und Verbände der Kultur- und Heimatpflege und des Breitensports sowie die sozialen Einrichtungen sind wichtige Säulen des Gemeinschaftslebens in unserer Gemeinde“, hieß es dazu im Förderrichtlinienentwurf der Gemeindeverwaltung. Doch während Heimatverein und die Scheeßeler Trachtenvereine für ihre Veranstaltungen fortlaufend Mittel aus dem Haushalt bereitgestellt bekommen, wurden freie Initiativen laut Verwaltung von den Förderrichtlinien bisher nicht berücksichtigt. Auch diese Veranstaltungen haben aber nach Meinung von Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele eine Würdigung verdient. „Die Kulturarbeit strahlt nach draußen“, lobte sie. „Wir wollen den Veranstaltern das Gefühl geben, wir sind als Gemeinde dabei.“

Das überarbeitete Konzept der Verwaltung sieht deswegen nun zwei wesentliche Neuerungen vor: Einerseits sollen auch bei den Investitionen Sanierungsmaßnahmen für bestehende Bauten sowie Ersatzbeschaffungen der vereinseigenen Einrichtungen förderfähig sein, auf der anderen Seite können Vereine und Verbände im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel Fördergelder in Form eines Defizitausgleiches erhalten: Im Falle eines tatsächlich entstandenen Verlustes sollen dem Veranstalter so 50 Prozent der Kosten bis zu einem Höchstbetrag von 1 000 Euro abgenommen werden. „Somit wird das Risiko für den Veranstalter erheblich minimiert und soll animieren, die eine oder andere Veranstaltung mehr für Scheeßel auf die Beine zu stellen“, hieß es in der Vorlage.

Ein Beschluss wurde am Dienstag nicht gefasst, Grund war ein Änderungsantrag des abwesenden SPD-Ratsherrn Detlev Kaldinski, den sein Parteikollege Wolfgang Kirschstein im Gremium verlesen wollte. Da die Verwaltung jedoch kurzfristig einige, mit den Vereinen abgesprochene Ergänzungen in die Richtlinien eingearbeitet hatte, die den Ausschussmitgliedern erst während der Sitzung bekannt gemacht worden waren, hätte man im Zuge des SPD-Antrages so jeden Punkt neu durchgehen müssen. Stattdessen verständigte sich das Gremium darauf, das Thema in den nächsten Fachausschuss zu vertagen.

Damit, gab die CDU zu bedenken, sei auch ein auf der Tagesordnung stehender Antrag der Kulturinitiative Rotenburg (KIR) vorerst nicht abstimmungsfähig. Dieser zielte auf eine Defizitfinanzierung für das laufende Kulturprogramm der Scheeßeler Unterabteilung KIS (maximal 1 000 Euro) sowie für die bereits zur Aufführung gebrachte „Sturm“-Inszenierung der Bremer Shakespeare-Company im Autohaus Holst (maximal 1500 Euro) ab.

Laut Fraktionschef Reinhard Frick sollte der Antrag zurückgestellt werden, da dieser weder in die alten Richtlinien noch in die neuen passe. Erst wenn diese beschlossen sind, könne man mit Blick auf die Gleichberechtigung aller Vereine über die Sache neu verhandeln, merkte der CDU-Mann an, der kurzerhand beantragte eine Zurücksetzung zur Abstimmung zu stellen. Mit fünf Ja-Stimmen von CDU und Grünen, fünf Nein-Stimmen von SPD und Gruppe 57 sowie einer Enthaltung des Grünen-Ratsherrn Thomas Twesten wurde sein Antrag abgelehnt.

Für einen Eklat sorgte ein Zwischenruf des KIR-Vorsitzenden und Anwärters auf das Scheeßeler Bürgermeisteramt Bernd Braumüller. Dieser hatte aus den Zuschauerreihen heraus versucht, Twesten, der zunächst noch für Fricks Antrag den Arm gehoben hatte, in seiner Meinung zu beeinflussen („Hey Thomas!“). Daraufhin sprang ein sichtlich empörter Reinhard Frick vom Stuhl auf, um auf das Fehlverhalten aufmerksam zu machen. Da dieser kaum noch zu beruhigen war, drohte Ausschussvorsitzende Angelika Dorsch (SPD) sogar damit, den Unionspolitiker vor die Tür zu setzen. Aufgrund des plötzlich entstandenen Wirrwarrs, Dorsch sprach gar von einem Störmanöver, ließ sie die Abstimmung ein zweites Mal durchführen – am Stimmenergebnis änderte dies nichts.

Somit war der Weg freigemacht worden, um direkt in der Sitzung über den Antrag der Kulturinitiative zu befinden. Da auch hier wieder Stimmengleichheit herrschte (fünf Ja, fünf Nein, eine Enthaltung) wurde dieser jedoch ebenso abgelehnt. lw

Rubriklistenbild: © dpa

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