Beeke-Schule setzt mit Profi-Workshops auf Gewaltprävention / Für Gefühle anderer sensibilisieren

Viele Mobber früher selbst Opfer

Im Sign-Workshop zur Gewaltprävention lernen die Jugendlichen spielerisch, sich als Gemeinschaft zu erfahren.

Scheessel - SCHEESSEL (uhe) · Ein Dutzend Schüler steht um einen Stock. Jeder hat einen Faden in der Hand. Nur gemeinsam können sie die Aufgabe lösen, den Stock in einen engen Flaschenhals zu bugsieren. Was auf den ersten Blick wie ein Partyspiel aussieht, hat ein pädagogisches Konzept: Die Fachagentur für Prävention und Gesundheitsförderung „prevent“ ist wieder zu Gast in der Beeke-Schule – diesmal geht es um Mobbing, Gewalt und Suchtprävention.

Seit rund sieben Jahren betreut das Oldenburger Team im Rahmen des Sign-Projekts Schüler, Lehrer und Eltern der Haupt- und Realschule. Die Themen der Kurse variieren, „je nachdem, was gerade gebraucht wird“, erklärt Projektkoordinatorin Olga Menkhaus.

Vier Schulstunden lang lernen die Schüler, dass sie nur als funktionierende Gemeinschaft, die sich gut kennt und respektiert, eine Chance haben, es gar nicht erst zu Problemen kommen zu lassen. Diplom-Psychologe Christoph Haas, der mit den Schülern der 6aH Spiele, Übungen und Diskussionsrunden unternimmt, erklärt: „Wir können hier nur Impulse geben. Umsetzen tun die Schüler das dann im Klassenverband, wobei wir auch die Lehrer im Rahmen von Fortbildungen entsprechend schulen.“

Das Programm dieses Workshops? „Sensibilisierung für Befinden und Gefühle anderer, Definition von Gewalt und der Unterschied zwischen Ärgern und Mobbing sowie eine Steigerung des Selbstwertgefühls.“

Der Leiter des Bereichs Prävention bei „prevent“ weiß, dass viele Mobber selbst schon einmal Opfer waren. Heute fällt ihm auf, wie offen einige mit dem Thema umgehen und zugeben, sich selbst nicht immer einwandfrei zu verhalten. „Das reflektieren zu können, ist schon ein erster Schritt“, so Haas. Überhaupt ist das Training eins der kleinen Schritte, ein Patentrezept gegen Gewalt gebe es nämlich nicht.

Zum besseren Kennenlernen sollen die Jugendlichen drei Wahrheiten über sich aufschreiben und eine Lüge. Die Lüge wird von den Mitschülern schnell entlarvt – so gut kennt man sich doch schon. Klassenlehrerin Olga Menkhaus freut sich, dass die Mädchen und Jungen zu ihr kommen, wenn es Probleme gibt. Und die gibt es immer mal wieder „zum Beispiel wegen fehlender Markenklamotten“.

Dort sei es nicht nur wichtig, ein stärkeres Bewusstsein für die Problematik zu entwickeln, sondern „den Schülern auch Möglichkeiten aufzuzeigen, sich in bestimmten Situationen anders zu verhalten“, sagt Workshopleiter Haas, der mit seinen Kollegen 116 Sign-Profilschulen in Nordwest-Niedersachsen mit insgesamt mehr als 50 000 Schülern betreut.

Das derzeit vordringlichste Thema? „Kompetenz im Internet, Stichwort Cybermobbing. Konkrete Tipps für richtiges Verhalten im Internet sind sowohl bei Schülern als auch Lehrern und Eltern stark gefragt,“ berichtet der Experte.

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