Musikerin Katarzyna Mycka über ihr besonderes Instrument im Gespräch mit der RK/VN

„Viele halten Marimba für einen Brotaufstrich“

+
In Pausen oft umlagert: Marimbaphonistin Katarzyna Mycka erklärt das noch junge Konzertinstrument gern. ·

Rotenburg - Während die Kollegen vom Orchester in der Konzertpause in der Garderobe Energie tanken, steht Katarzyna Mycka an ihrer Marimba und sortiert die Schlägel, einen ganzen Rucksack voll. Doch dazu kommt sie kaum, denn immer wieder steigen interessierte Zuhörer auf die Bühne und bestaunen ihr Instrument. Geduldig steht sie Rede und Antwort – auch uns.

Frau Mycka, werden Sie in der Pause immer so viel gefragt?

Katarzyna Mycka:Ja, das ist schon typisch. Die Marimba gibt es als Konzertinstrument schließlich erst seit den 1980er Jahren. Viele kennen es nicht und sind einfach neugierig. Fragen Sie mal die Leute auf der Straße, was das ist – die meisten halten es für eine Art Brotaufstrich.

Ist das überall so?

Mycka:Nein, die Marimba wurde ja ursprünglich aus Afrika von den Sklaven nach Amerika mitgebracht. Dementsprechend ist sie dort weiter verbreitet, vor allem in Lateinamerika. In Ländern wie Venezuela oder Guatemala ist sie ein Volksinstrument, wie hier Klavier oder Geige. Damit kommt man dort nicht weit.

Ihnen liegt die Steigerung des Bekanntheitsgrads der Marimba am Herzen. Inwieweit helfen da Wettbewerbe, von denen Sie ja selbst auch die ersten wichtigsten gewonnen haben?

Mycka:Bei Wettbewerben geht es immer um Konkurrenz. Das ist für die Herausbildung einer „Szene“ kontraproduktiv. Förderlich ist da schon eher meine Marimba-Akademie oder Festivals. Was fehlt, ist, dass die Musiker irgendwo zusammen kommen, wo sie sich austauschen können. So etwas gibt es derzeit noch nicht.

Bedauern Sie, dass die Marimba Sie nicht schon seit der Kindheit begleitet hat?

Mycka: Nein, gar nicht. Als Kind ist das Erlernen eines Instruments ja immer auch mit dem Zwang des Übens verbunden. Schon, als ich vom Klavier zum Schlagzeug gewechselt habe, hatte ich diese Phase hinter mir gelassen. Ich wusste: Wenn ich übe, tue ich das für mich. Das ist bei der Marimba so geblieben. Es gab dieses wunderbare Instrument vorher einfach nicht, zumindest nicht in dieser Größe. Bei den kleinen reichten mir die Ausdrucksmöglichkeiten nicht aus.

Bedauern Sie, nur zeitgenössische Musik im Original spielen zu können, da es ältere klassische Werke für das Instrument nicht gibt?

Mycka:Ach nein, es gibt auch sehr schöne Adaptionen. Vor allem mit Stücken für das Cembalo klappt das ganz gut, weil der Anschlag ja ähnlich klingt, Bei Solostücken kann es natürlich mitunter schwierig werden, zehn Finger auf vier Schlägel zu reduzieren, da fehlt dann mitunter etwas. Aber mit Orchester sind Transkriptionen kein Problem. Für Solostücke eignet sich zum Beispiel auch Cello, aber ich habe auch schon Bachs „Toccata und Fuge“ gespielt. Da muss man immer schauen, ob es hinhaut. · hey

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Amsterdam schränkt Kiffer und Rotlicht-Tourismus ein

Amsterdam schränkt Kiffer und Rotlicht-Tourismus ein

Drama in Volkmarsen: Ökumenischer Gottesdienst 

Drama in Volkmarsen: Ökumenischer Gottesdienst 

Drama in Volkmarsen - Auto rast bei Rosenmontagsumzug in Menschenmenge

Drama in Volkmarsen - Auto rast bei Rosenmontagsumzug in Menschenmenge

Kochen mit Matcha bringt Farbe ins Spiel

Kochen mit Matcha bringt Farbe ins Spiel

Meistgelesene Artikel

Gewerbeverein braucht Hilfe

Gewerbeverein braucht Hilfe

Essen in Brand: Vierjähriger in verqualmter Wohnung eingesperrt

Essen in Brand: Vierjähriger in verqualmter Wohnung eingesperrt

Vandalismus und Verschmutzung: Eine Schule zäunt sich ein

Vandalismus und Verschmutzung: Eine Schule zäunt sich ein

Kommentare