Fachtagung des Netzwerks „Frühe Hilfen“ / Dr. Thomas Theysen erläutert Bundeskinderschutzgesetz

Vertrauen durch Kooperation

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Sandra Rust begrüßt Dr. Thomas Theysen zur Fachtagung in Rotenburg. ·

Rotenburg - Bei der Fachtagung des Netzwerkes „Frühe Hilfen“ haben sich die Vertreter der Kinderschutz-Organisationen im Landkreis in der Aula des Ratsgymnasiums getroffen.

Zu Gast war auch Dr. Thomas Meysen, Leiter des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht, der das seit Anfang 2012 geltende Bundeskinderschutzgesetz erläuterte. Theysen hatte die Bundesregierung bei der Entstehung des Gesetzes beraten.

Das Netzwerk „Frühe Hilfen“ koordiniert die Arbeit von Kinderärzten, Hebammen, Polizei, Kindertagesstätten sowie Beratungsstellen für Kinder bis sechs Jahre im Bereich Jugendschutz und Gesundheitshilfe. „Es geht darum, zu verhindern, dass Kinder in schlechten Bedingungen aufwachsen. Wir haben dabei eine Lotsenfunktion und verweisen je nach Problem an die geeignete Fachstelle. Das Netzwerk ist zudem dazu da, die Akteure über das bestehende Angebot zu informieren und Bedarf festzustellen“, erklärt Sandra Rust vom Kreis-Jugendamt.

Im Landkreis Rotenburg gibt es an den Standorten Rotenburg, Bremervörde und Zeven drei Netzwerke. Bereits vor Verabschiedung des Bundeskinderschutzgesetzes im Januar 2012 sei der Landkreis aktiv geworden, betont Rust. Zu den Maßnahmen zählen ihr zufolge der Kita- und Krippenausbau, Krabbelkurse, Elterncafés sowie die Willkommensbesuche für Eltern mit neugeborenen Kindern. Die Familienservicebüros schicken geschulte Besucherinnen in die Familien. „Dabei geht es darum, die Eltern über das Beratungsangebot im Landkreis zu informieren und festzustellen, wo Hilfe notwendig ist“, erläutert Rust.

Theysen betont, dass Familienbesucherinnen kein wirkungsvolles Instrument seien, um Missbrauchsfälle aufzudecken. Dennoch werde das Hilfsangebot von den Eltern als sehr positiv empfunden. „Sie dürfen in Familien gehen und beglückwünschen, aber sie gehen da nicht als Elternkontrollpatrouille rein.“

Zum deutschen System der Kinderschutz-Kontrolle meinte Theysen: „Die Schwelle, einen Verdacht zu melden, ist hoch. Denn das zieht zwangsläufig nach sich, dass das Jugendamt unangemeldet die Eltern besucht. Diejenigen, die den Fall gemeldet haben, erfahren nicht, was daraus geworden ist.“ Ziel sei es, die Schwelle zu senken, sich Gefährdungsmomente anzunehmen und mitzuteilen. Dabei sei nicht die Meldepflicht entscheidend, sondern die Qualität der Kooperation und die Vertrauensbeziehungen zwischen den Akteuren. Das Jugendamt müsse Mitarbeiter von Kitas und andere Professionelle mit einbeziehen, um ein gemeinsames Helfen zu ermöglichen. Bei Verdachtsfällen sei es zudem ratsam, wenn ein Erzieher oder eine Hebamme zunächst einen kompetenten Ansprechpartner habe, um über den Fall zu sprechen. Dadurch werde die Hemmschwelle gesenkt, einen Verdacht zu melden.

Theysen: „Vertrauen in das Jugendamt gelingt nur durch Kooperation. Nur wenn die Akteure mit den Mitarbeitern im Jugendamt vertraut sind, können sie Eltern guten Gewissens raten, sich dort Hilfe zu suchen. Wenn man weiß, da kommt was an und da bewegt sich was, erhöht sich das Vertrauen in das System.“ Dies sei nicht der Fall, wenn bei einem Verdacht das Jugendamt als erstes das konfrontative Gespräch mit den potenziellen Tätern suche.

Beim Netzwerk „Frühe Hilfen“ gehe es darum, das in Deutschland bestehende, ausdifferenzierte Hilfesystem zu vernetzen, so Theysen. Für die Akteure sei es wichtig zu wissen, bei welchem Problem sie sich an welchen Ansprechpartner wenden können, um ihrem Schutzauftrag nachkommen zu können. · ber

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