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Verein Soziokulturelles Zentrum braucht viele Millionen Euro

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Von: Guido Menker

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Außenansicht vom Werner-Haus
Der Plan besteht weiterhin: In das Werner-Haus soll ein soziokulturelles Zentrum einziehen. © Guido Menker

Der Plan steht auch in der Pandemie, aber einfacher ist es nicht geworden: Der Verein Soziokulturelles Zentrum braucht viel Geld und noch Mitstreiter, um seine Pläne in Rotenburg umsetzen zu können.

Rotenburg – Um die Kultur in Rotenburg ist es ruhig geworden in den vergangenen zwei Pandemiejahren. Konzerte, Lesungen, Theater, Kino, Kabarett – fast alles ist der Krise zum Opfer gefallen. Ruhig geworden ist es zugleich auch um den Verein Soziokulturelles Zentrum. Gibt es ihn überhaupt noch? Was läuft da hinter den Kulissen? Fragen, die wir an den Vorstand des Vereins gerichtet haben, der es sich zum Ziel gemacht, aus dem Werner-Haus der Rotenburger Werke an der Lindenstraße ein soziokulturelles Zentrum zu machen. „Ja, klar, uns gibt es noch. Wir Vereinsmitglieder kommen alle 14 Tage zum Plenum zusammen und treffen uns in verschiedenen Arbeitsgruppen.“ Ein Lebenszeichen also. Da bietet es sich an, etwas genauer nachzuhaken – beim Vorsitzenden Ole Asmussen und den beiden Sprechern Ester Krey und Lutz Bergmann.

So viel scheint klar zu sein: Mit der Ruhe ist es bald vorbei. „Aktuell sind wir 23 Mitglieder, und wir wollen weiter wachsen. Wenn es Corona zulässt, werden wir ab Frühjahr durch verschiedene Veranstaltungen weiter auf uns aufmerksam machen“, teilt das Trio in einer Mail an die Kreiszeitung mit. Die Mitglieder haben sich demnach „mit viel Elan und der Unterstützung großartiger Fachleute“ an die Erarbeitung verschiedener Fachgebiete gemacht. So beschäftige sich aktuell eine Arbeitsgruppe mit dem Gastronomiekonzept. „Hier unterstützt uns Philipp Lennartz vom Hotel Wachtelhof tatkräftig. Es gab zwei Konzepttage zum Businessplan. Eine Arbeitsgruppe pflegt die bisher ermittelten Zahlen in den Geschäftsplan ein.“ Unternehmensberater Friedhelm Eggers und Dieter Hinrichs vom Landesverband Soziokultur Niedersachsen seien dabei eine große Hilfe. Ein Gespräch mit Bauamtsleiter Clemens Bumann sei sehr aufschlussreich gewesen. „Nun sind wir im Austausch mit Bürgermeister Torsten Oestmann und hoffen, dass er unser Potenzial als Bürger der Stadt mit Wille zur Gestaltung und konkreten Plänen erkennt und sich mit uns für die bunte Vielfalt in Rotenburg einsetzt.“

Projekt als Genossenschaft

Gute Ideen sind erforderlich, aber auch viel Geld. Die Kosten für den Ankauf und den Umbau des Werner-Hauses werden sich auf etwa vier Millionen Euro belaufen, teilt der Verein auf Anfrage mit. Eine ganz wesentliche Säule für die langfristige Finanzierung soll eine Genossenschaft sein. „Die Gründung der Genossenschaft ist uns weiterhin ein dringendes Anliegen. Ein erster Satzungsentwurf ist fertig, wir stehen in den Startlöchern – mit fachlich hervorragender Begleitung durch Rechtsanwalt Götz Dudeck“, schreiben Asmussen, Krey und Bergmann. Man konkretisiere die Planungen, wenn Rotenburg und damit auch das Werner-Haus von der Städtebauförderung profitieren können.

Eine Entscheidung indes hätte eigentlich schon längst fallen sollen: die für den Kauf des Werner-Hauses. Doch die Rotenburger Werke lassen den Verein nicht fallen. „Die wissen natürlich, dass durch Corona sogar der Ablauf in Sachen Städtebauförderung ins Stocken geraten ist“, erklärt das Vereins-Trio um den Vorsitzenden Ole Asmussen. Zudem würden für Projekt Darlehen aus Mitteln der sozialen Wohnraumförderung beantragt. Das dafür erforderliche kommunale Wohnraumkonzept sei noch in Arbeit. „Wir freuen uns sehr, dass die Rotenburger Werke das Projekt weiterhin unterstützen.“

Nutzungsplan für jeden Raum

Stellenweise wird es allerdings schon konkreter: Architekt Edgar Rathjen habe auf Grundlage der vorgesehenen Nutzungspläne jeden einzelnen Raum des Werner-Hauses begutachtet und alle wichtigen Details zusammengetragen. Nach dem Umbau werde dem Verein ein modernes, hohen Ansprüchen gerecht werdendes soziokulturelles Zentrum zur Verfügung stehen. Ganz besonders freue sich der Verein, dass auch aus baulicher Sicht seine Pläne, etwa Kultur und Wohnen in einem Haus, realisiert werden können.

Verschiedene Anläufe jedoch, das Anliegen ins Gespräch zu bringen, seien durch Corona und Kontaktbeschränkungen ins Stocken geraten. „So waren unter anderem ein Tag der offenen Tür mit Livemusik auf dem Gelände vom Werner-Haus und ein Wohnzimmerkonzert geplant“, teilen die drei Vereinsvertreter mit. Im Biergarten beim Heimathaus habe man im Sommer die Gelegenheit gehabt, im Rahmen eines Konzerts mit Cajun X die Arbeit vorzustellen und mit Interessierten ins Gespräch zu kommen.

Wohn- und Arbeitsraum sowie Kultur und Gastronomie

In der Pandemie hatte es bereits Versuche gegeben, in Gruppen und Workshops inhaltlich an den Start zu gehen. Herausgekommen sei dabei ein Nutzungskonzept. Das sehe einen regen Kulturbetrieb vor mit Räumen für Konzerte, Kino, Theater und vielem mehr vor. Eine Gastronomie sei geplant, ebenso offene Treffpunkte und verschiedene Angebote für Jung und Alt. „Im oberen Bereich des Hauses soll Wohnraum in Form von Cluster-Wohnungen entstehen. Coworking- und Seminarräume können genutzt werden“, schreiben Asmussen, Krey und Bergmann. Inklusion werde bei alledem eine große Rolle spielen. Es lohne sich ein Blick auf die Internetseite des Vereins – unter der Adresse www.kultur-rotenburg.de.

Und doch gibt es in der Kreisstadt Zweifler, die davon ausgehen, dieses Projekt sei am Ende nicht zuletzt wegen des hohen Kapitalbedarfs kaum zu stemmen und damit eben nicht realisierbar. „Viele Rotenburger glauben mit uns an die Realisierung eines Soziokulturellen Zentrums. Gespräche mit den Stadtverantwortlichen zeigen, dass dort verschiedene Optionen bisher ergebnisoffen zusammengetragen und bewertet werden“, erklären die Macher weiterhin sehr selbstbewusst. Die Zukunftsvision werde aber nur gelingen, wenn Gelder der Städtebaufinanzierung in das Projekt fließen. Daher freue man sich, „dass die Politik die Relevanz eines Kulturzentrums für die Stadt erkennt“.

In der nächsten Zeit werde man im Vorstand und im gesamten Verein ausloten, ob sich seine Ideen und die der Stadt für ein lebendiges Rotenburg in Einklang bringen lassen.

Ein Kommentar von Guido Menker

Es fehlt der zündende Funke

Hut ab! Die Macher im Verein Soziokulturelles Zentrum haben sich von der Pandemie nicht kleinkriegen lassen. Sie machen weiter und glauben an eine Realisierung dieses Vorhabens. Doch so sehr es ihnen und damit allen potenziellen Nutzern zu wünschen ist, dass diese Idee einmal in das Werner-Haus einzieht, müssen auch Zweifel daran erlaubt sein. Diesen Zweifeln liegen nicht allein nur die immensen Kosten zugrunde. Nein, das ist es nicht. Es ist viel mehr der Umstand, dass die Ideen alles andere als eine spürbare Begeisterung in Rotenburg auslösen. Kulturschaffende und -konsumenten gibt es viele in der Kreisstadt. Wo aber sind die? Nur wenige Leute springen mit auf diesen Zug auf. Nur wenige rufen „Ich bin dabei!“ Und auch im Verein sind es lediglich 23 Mitglieder, die an den Konzepten arbeiten, eine Genossenschaft ins Leben rufen und mehrere Millionen Euro in die Hand nehmen wollen, die sie gar nicht haben. Die Macher bauen auf Hilfe Dritter. Und das in diesen Zeiten.

„You can’t start a fire without a spark“ – Du kannst kein Feuer ohne einen Funken entfachen – sang einst US-Musiker Bruce Springsteen. Der Titel dieses Songs sagt alles: „Dancing in the Dark“ – Tanzen in der Dunkelheit. Vielleicht sollte man sich erst einmal um den zündenden Funken bemühen.

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