Ehemalige Tonkuhle in Hassendorf ist mittlerweile ein naturbelassener See

Ein verborgenes Juwel

Mehrere Bilder aus längst vergangenen Tagen zieren die Wände der Gaststätte auf dem Campingplatz.
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Mehrere Bilder aus längst vergangenen Tagen zieren die Wände der Gaststätte auf dem Campingplatz.

Hassendorf - Von Stefanie BommertDen Augen ortsfremder in der Regel verborgen, liegt dieses seit Jahrzehnten unberührte Relikt einer längst vergangenen Zeit umrahmt von Wald und einigen wenigen Wohnhäusern in der Gemeinde Hassendorf. Wer an der Bundesstraße 75 das unscheinbare Schild der kleinen Straße „An der Tonkuhle“ sieht, ahnt nicht, dass sich am Ende des von Bäumen gesäumten Weges ein wahrhaft idyllisches Kleinod mit einem naturbelassenen See als Herzstück auftut – eines von mehreren Erbstücken der einstigen Dampfziegelei im Gebiet auf dem Stürberge.

„Das ist ein Stück Natur, das erhaltungswürdig ist“, unterstreicht Bürgermeister Klaus Dreyer, während sein Blick über das ruhige Wasser mit seinem von üppigem Grün und urig gewachsenen Bäumen gesäumten Ufer schweift. Kein Tourismus stört hier die Ruhe abseits der Bundesstraße. Flora und Fauna können sich frei entfalten, denn das Gewässer ist kein Badesee oder ausgewiesenes Naherholungsziel, wie der Gemeindechef betont. Und das solle auch so bleiben.

Entstanden ist dieses Fleckchen Natur im 19. Jahrhundert als Produkt der damaligen Ziegel-Industrie auf dem Stürberge. 1896 errichten der Gemeinde-Chronik zufolge Claus Böschen und Behrens Nummer 5 – so die Ziffer des Flurgrundstücks – nach den Gebrüdern Sackmann (1892) die zweite Ziegelei „Behrens & Co.“ in Hassendorf. Geschäftsführer wird Christian Kruse aus Sottrum, der den Betrieb später von den Eigentümern kauft und in die „Dampfziegelei Hassendorf“ umbenennt. Mit Unterbrechungen während des Ersten und Zweiten Weltkrieges besteht diese bis zur Schließung im Jahr 1955. Mehr als 20 Arbeiter aus dem Ort und von außerhalb sind zeitweise in dem Unternehmen beschäftigt.

Der große See an der Tonkuhle mit kleiner Insel und zwei Holzstegen entstand beim Abbau des Tones, der in diesem Bereich reichlich vorhanden ist. Dabei bildete sich im Laufe der Zeit eine tiefe Kuhle. Irgendwann stießen die Arbeiter beim Graben nach dem wertvollen Rohstoff für ihre Ziegel dann auf unterirdische Quellen. Eben dieses Grundwasser verwandelte die Grube nach und nach in einen See. Als stumme Zeugen jener Ära ruhten sogar noch einige der Loren auf dem Grund, berichtet Dreyer.

Das Kleinod ist aber nicht das einzige Überbleibsel aus jener Industrie-Epoche. „Es gibt noch einen zweiten, kleineren See, der dem Campingplatz zugeordnet ist“, weiß der Gemeindechef. Dessen Betreiber Christin Kruse ist nicht nur ein zufälliger Namensvetter des ehemaligen Ziegelei-Besitzers, sondern dessen Ur-Enkel. Sein Vater Folker war der letzte Eigentümer der Ziegelei, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Rudolf Glöde als Pächter geführt wurde. Als Ziegel zunehmend durch Kalkstein vom Markt verdrängt und nur noch als Verblender genutzt werden, für welche die hiesige Tonqualität nicht ausreichte, beendete Folker Kruse den Pachtvertrag mit Glöde und löste den Betrieb auf.

„1970 haben wir dann auf dem Gelände den Campingplatz eröffnet. Mein Vater hatte das woanders gesehen und gedacht, dass das Gelände gut geeignet ist dafür“, erinnert sich Christian Kruse. Ganz hat die Familie ihre Industrie-Geschichte aber nicht abgestreift. Wer sich auf dem Campingplatz umschaut, findet dort jede Menge Erinnerungsstücke an die ehemalige Ziegelei. So zieren in der kleinen Gaststätte und Rezeption beispielsweise mehrere Bilder jener Epoche die Wände. Ein Stück weiter ist das rot geklinkerte Maschinengebäude zu erkennen, das noch zur Hälfte steht und mittlerweile als Lager genutzt wird.

Das wohl sichtbarste und zugleich für Branchenfremde unscheinbarste Artefakt jener Zeit sind mehrere von der B 75 aus gut sichtbare dunkelbraune Holzbauten. „Das sind die ehemaligen Trocknungsschuppen für die Ziegel“, erläutert Christian Kruse. Auch diese Gebäude sind inzwischen zweckentfremdet – als Abstellplatz für Camping-Anhänger und Wohnmobile. „Die Gemeinde ist froh, dass das Gelände für die Naherholung genutzt wird und das schöne Gebiet einem Zweck zugeführt wird“, freut sich Dreyer.

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