40 Jahre Kreismusikschule / Interview mit Tilman Purrucker / „Mit Musik durchs Leben“

„Unsere Arbeit ist überall sichtbar“

Tilman Purrucker ist nicht nur Leiter der Kreismusikschule, sondern auch ein weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannter und beliebter Gitarrist. ·
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Tilman Purrucker ist nicht nur Leiter der Kreismusikschule, sondern auch ein weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannter und beliebter Gitarrist. ·

Rotenburg - Von Guido MenkerDie Rotenburger Kreismusikschule feiert in diesem Jahr ein Jubiläum. Vor 40 Jahren war die Einrichtung aus der Taufe gehoben worden. In den kommenden Monaten sind aus diesem Grund mehrere Veranstaltungen vorgesehen. Wir sprachen mit dem Leiter der KMS, Tilman Purrucker. Der Tenor: 40 Jahre alt, aber immer noch jung.

Herr Purrucker, die Kreismusikschule wird 40. Von einer Midlife Crisis ist nichts zu spüren. Ist dieser Eindruck richtig?

Tilman Purrucker: Stimmt. Die Ausrichtung der KMS, musikalische Förderung von Kindern und Jugendlichen als Breitenarbeit im Landkreis zu leisten, bestätigt sich in steigenden Schülerzahlen, zurzeit knapp 1 500 in dreizehn Zweigstellen.

Wenn sich eine Musikschule über so viele Jahre hält, müssen die Verantwortlichen vieles richtig gemacht haben...

Purrucker: Wir verstehen uns als Dienstleistungsunternehmen des Landkreises und richten uns selbstverständlich in unseren Angeboten nach den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen. Die möchten oft die Instrumente und Stücke spielen können, die sie heute in den Medien hören und sehen. Da hat sich in den letzten Jahren viel geändert.

Dennoch, auf dem privaten Markt ist die Konkurrenz in den vergangenen Jahren – auch in Rotenburg – größer geworden. Wie gelingt es Ihnen, das eigene Terrain so erfolgreich zu verteidigen?

Purrucker: Wir konkurrieren nicht, sondern arbeiten mit vielen außerschulischen Anbietern zusammen. Unsere Basisarbeit im ganzen Landkreis wäre privat nicht zu leisten und einiges, was privat angeboten wird können wir nicht leisten. Beim Abschlusskonzert des Jugend musiziert Wettbewerbes zum Beispiel werden alle Teilnehmer aus dem Landkreis mit Urkunden und Preisen von uns ausgezeichnet. Viele werden von Privatlehrern vorbereitet. Die Zielsetzung ist, wie bei allgemeinbildenen Schulen und Privatschulen, ähnlich: Wir möchten Kinder und Jugendliche so früh wie möglich an die Musik heranführen.

Musizieren ist nach wie vor sehr beliebt, und Pädagogen unterstreichen immer wieder, wie wichtig das für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist. Warum eigentlich?

Purrucker: Wissenschaftliche Studien belegen, dass Musik die Intelligenz fördert und das Konzentrationsvermögen erhöht, gemeinsames Musizieren steigert zudem die soziale Kompetenz. Darüber hinaus stärkt das Musizieren auch den einzelnen Menschen und fördert das Selbstbewusstsein.

Aber auch Erwachsene lassen sich bei Ihnen ausbilden. Ist es denn nie zu spät, mit dem Erlernen eines Instrumentes zu beginnen?

Purrucker: Es ist nie zu spät. Viele Erwachsene hatten als Kinder keine Möglichkeit ein Instrument zu lernen und holen dieses nun nach. Auch das gemeinsame Musizieren in Instrumentalkreisen ist sehr beliebt.

Sie hängen am Tropf öffentlicher Kassen. Wie schwer ist es inzwischen, Ihrem Geldgeber klar zu machen, dass es sich lohnt, auch weiterhin Geld für diese Arbeit bereit zu stellen?

Purrucker: Wir sind eine freiwillige Leistung des Landkreises und genießen breite Unterstützung aller Parteien sowie der Verwaltung. Unsere Arbeit ist überall sichtbar: in allen Bläserklassen der Gymnasien, in Kooperationen mit Kindergärten, Grundschulen, Realschulen, in vielfältigen Umrahmungen von Veranstaltungen und in zahlreichen eigenen Konzerten; und nicht zuletzt in der engen Zusammenarbeit mit der Kontaktstelle Musik Rotenburg-Bremervörde mit der Zielsetzung der Förderung der Laienmusik. Der Landkreis leistet hier eine wichtige, qualifizierte Kulturarbeit.

40 Jahre Kreismusikschule. Worauf dürfen sich die Rotenburger im Jubiläumsjahr denn freuen?

Purrucker: Neben unseren vielen üblichen Veranstaltungen werden wir drei Highlights setzen: das Kindermusical „magic drum“, also die magische Trommel, als Gemeinschatsveranstaltung mit der Stiftung der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde: 80 Kinder aus sieben Grundschulen in Rotenburg, Zeven und Bremervörde nehmen daran teil. Die Proben laufen bereits. Im November sind sechs Aufführungen geplant. Die Premiere ist für Freitag, 2. November, um 19 Uhr in der Aula des Ratsgymnasiums vorgesehen. Am 10. März findet um 16 Uhr ein großes Konzert der Bläserklassen der Gymnasien im Landkreis sowie des Kreisjugendblasorchesters in der Aula der Realschule Rotenburg statt. Ein Gemeinschaftsprojekt mit der Kontaktstelle Musik Rotenburg-Bremervörde, wir rechnen mit etwa 180 jungen Bläsern auf der Bühne. Für den 17. und 18. März planen wir „Ha-Ha-Harfe“, einen großen Lehrgang für rund 40 Harfenisten in der Kreismusikschule. Außerdem gibt es auch noch eine Feierstunde mit Gästen am 30. Juni bei uns in der Schule.

Es muss Sie mit Stolz erfüllen zu sehen, wie viele ihrer Schüler im Laufe der vergangenen Jahre mehr aus ihrem musikalischen Talent gemacht haben. Ist das für Sie genauso schön, wie ein Applaus vom Publikum?

Purrucker: Ja, so ist es! Bei aller Breitenarbeit fördern wir auch die besonderen Leistungen. Aus einer ganzen Reihe von Schülern sind Profimusiker aller musikalischen Richtungen geworden. Manche sind heute auch als Lehrkräfte bei uns tätig. Aber jeder, der einmal Instrument gelernt hat, geht mit Musik durchs Leben – das freut uns besonders.

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