Nach tödlichem Badeunfall im Bullensee suchen alle nach Erklärungen

Trauer und Fragezeichen

Der dramatische Rettungseinsatz am Mittwoch endet tragisch: Im Bullensee ertrinkt eine junge Frau. 
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Der dramatische Rettungseinsatz am Mittwoch endet tragisch: Im Bullensee ertrinkt eine junge Frau. Foto: Menker
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Rotenburg – Die Polizei tappt noch im Dunklen, und auch bei der DLRG suchen sie nach Erklärungen für den tödlichen Badeunfall vom Mittwochabend im Bullensee, bei dem eine 25-jährige Frau aus Rotenburg ums Leben gekommen ist. Ihr vermeintlicher Begleiter, ein 28-jähriger Mann aus Langwedel, konnte von einem 15-Jährigen aus Verden gerettet werden. Zu seinem Gesundheitszustand konnte Polizeisprecher Heiner van der Werp am Donnerstag noch keine weiteren Angaben machen.

Dass die Frau und der gerettete Mann tatsächlich gemeinsam diesen sonnigen Nachmittag am Bullensee genießen wollten, ist ebenfalls noch nicht bestätigt. Nur so viel kann die Polizei bislang mitteilen: Der 15-Jährige habe beobachtet, wie die beiden gemeinsam ins Wasser gegangen sind. Heiner van der Werp: „Dann hat er gesehen, dass der Mann ganz wild mit den Händen gerudert hat.“ Der Junge habe erkannt, dass der Mann zu ertrinken drohte. Mit großem Kraftaufwand sei es ihm gelungen, ihn ans Ufer zu holen. Die Frau war zu diesem Zeitpunkt verschwunden. Erst zweieinhalb Stunden später gab es Klarheit. Taucher der zusätzlich alarmierten DLRG Otterstedt haben sie in einer Tiefe von etwa vier Metern gefunden. Alle Versuche, sie danach zu reanimieren, blieben erfolglos. Für die Frau kam jede Hilfe zu spät.

Die 25-jährige Frau war gebürtige Kamerunerin, der 28-Jährige stammt aus dem Iran. Eine der Fragen, die sich viele der Helfer am Bullensee stellten: Konnten die beiden schwimmen? „Das wissen wir noch nicht“, sagt dazu Heiner van der Werp, den entsprechende Vermutungen ebenfalls erreicht hatten. Es sei wahrscheinlich, dass ihnen im Wasser die Gefahr, die hinter der Absperrung für Nichtschwimmer lauert, nicht bewusst gewesen sei. Es ist der Versuch, eine Erklärung zu finden, aber eben ungewiss, so der Polizeisprecher. Kurz hinter der Absperrung des Nichtschwimmerbereiches gibt es eine Abbruchkante mit einem Winkel von 45 Grad. Das erklärt Jürgen Meyer von der DLRG Rotenburg. Hinter dieser Kante erreicht der See eine Tiefe von bis zu 11,5 Metern. Fälschlicherweise hatte ein Sprecher der Feuerwehr während des Einsatzes von einer Tiefe von bis zu 35 Metern gesprochen. „Das stimmt so nicht“, sagt Meyer. Aufgrund der ihm vorliegenden Aufzeichnungen der DLRG habe es übrigens 1969 den bis dahin letzten tödlichen Badeunfall im Bullensee gegeben.

Meyer war an der Suche nach der zunächst vermissten Frau beteiligt. Er kennt den See wie seine Westentasche und macht deutlich, dass es keine Strömungen gebe, die einen Schwimmer wegreißen. Sehr wohl aber sei ein deutlicher Temperaturunterschied zu spüren, sobald man den flachen Nichtschwimmerbereich verlässt. „Da kann man sich schon ein wenig erschrecken.“ In der Tiefe sei das Wasser dann sogar „sehr kalt“, so Meyer. Meyer weist ausdrücklich darauf hin, dass Nichtschwimmer die deutlich markierte Grenze im Wasser unbedingt beachten und auf keinen Fall den flachen Teil verlassen sollten. Danach wird es tief. Vor allem Eltern sollten aufpassen, dass die Kinder genau das beachten und sie nicht aus den Augen lassen. Eine Badeaufsicht der DLRG gibt es nur zu unregelmäßigen Zeiten, an einem Nachmittag mitten in der Woche eher gar nicht. Meyer: „Dann müssen die meisten von uns arbeiten. Das machen wir ja freiwillig.“

Gestört haben die Rettungsbemühungen von Feuerwehr und DLRG übrigens zahlreiche Badegäste am See. Was Meyer dabei geärgert hat: „Die Reaktionen der Leute waren sehr träge, wenn wir sie darum gebeten haben, bestimmte Bereiche frei zu machen.“ Zu sehen waren auch Erwachsene, die im Beisein von Kindern nichts Besseres zu tun hatten, als mit dem Handy Fotos und Filmaufnahmen anzufertigen.

Jürgen Meyer macht dieser Unfall betroffen. „Vor allem auch, weil es sich um eine noch so junge Frau gehandelt hat.“ Doch seine Gedanken gelten auch dem 15-jährigen Lebensretter. „Ja, vor dem, was er geleistet hat, ziehe ich den Hut.“ Eine Ehrung für ihn? „Das kann ich mir sehr gut vorstellen.“ Auch Polizist Tim Kaiser hatte darüber noch vor Ort gesprochen. Und Bürgermeister Andreas Weber (SPD) findet, dass der 15-Jährige eine Rettungsmedaille verdient habe. Aber jetzt muss sich der Junge erst einmal erholen.

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