Unerwünschte Ansammlung im Klärwerk / Medikamente problematisch

42 Tonnen Müll rauschen in Scheeßel durchs Klo

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Haben alle Hände voll zu tun: Betriebsleiter Marcus de Vries (l.) und Kollege Markus Großmann an der Rechenanlage, dem ersten Reinigungsposten im Scheeßeler Klärwerk.

Scheessel - Von Lars Warnecke - Durchs Klo rauscht vieles, was nicht durchs Klo rauschen soll: Die Mitarbeiter des Scheeßeler Klärwerks fischten 2011 rund 42 Tonnen Müll aus dem Abwasser, der einfach runtergespült wurde. Besonders problematisch sind Medikamente.

Zisch und weg. Es ist ja so einfach. Wozu gibt es denn diesen großen Bottich im Bad. Rein mit Sachen, die verschwinden sollen, abziehen, fertig. Und so wird die Toilette oft genug – für die Mitarbeiter von der Scheeßeler Abwasserreinigung viel zu oft – zum praktischen Müllschlucker.

Sieht ja niemand. Und: Weg ist weg. Seien es Einmal-Taschentücher, von denen der normale Zeitgenosse meint, sie seien nicht anders als Klopapier. Doch dieses zersetzt sich schnell, viel schneller als das in diesem Zusammenhang fälschlicherweise Tempo getaufte Nasentuch. Oder seien es Wattestäbchen, Haare, Zigarettenkippen, Präservative und Slipeinlagen. In der jüngeren Vergangenheit, berichten die Mitarbeiter, sei es zudem zu einer auffälligen Anhäufung blauer Einmalhandschuhe gekommen, deren Ursprung sich bisweilen nicht zurückverfolgen lässt.

Ungewünschte „Ausbeute“: Neben Wattestäbchen werden auch schon mal Armbanduhren oder Kinderspielzeug angeschwemmt.

„Über 42 Tonnen Rechengut sind in der Kläranlage angeschwemmt worden“, beschreibt Betriebsleiter Marcus de Vries (37) die ungewünschte „Ausbeute“ des vergangenen Jahres. Rechengut deshalb, weil das angeschwemmte Material über „Schnecken“ herausgefischt, weitergepumpt und gepresst wird, damit es den empfindlichen Kreislauf in den Anlagen nicht stört. Vielleicht mag aus Unkenntnis oder Bequemlichkeit „toilettiert“ werden. Bei Medikamenten hört der Spaß aber auf, betont Stefan Behrens von der Gemeindeverwaltung. „Die Tabletten lösen sich auf, setzen ihre Wirkstoffe frei und können in der Kanalisation so womöglich ins Grundwasser gelangen.“ Problematisch sei seiner Auskunft nach ebenso das Runterspülen von Farbresten. „Beides fällt in die Katergorie Sondermüll und hat in der Toilette nichts verloren.“

Vieles ist Marcus de Vries und seinem Kollegen Markus Großmann schon unter die Augen gekommen. Eine Auslese einiger erstaunlicher Fundstücke haben die beiden aufbewahrt – auch, um Schulklassen zu zeigen, was keinesfalls in den Abfluss gehört. Darunter so erstaunliche Dinge wie Plastikteile einer Puppenstube, eine Armanduhr oder ein Schwamm. Wie immer die da hineingelangt sein mögen. Der geheime Entsorger wird’s sicherlich wissen ...

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