„Ein dunkler Wolf - das lässt mich skeptisch sein“

Mann bei Grünarbeiten an Friedhof offenbar von Wolf gebissen

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In Steinfeld bei Tarmstedt könnte nun erstmals ein Mensch von einem Wolf angegriffen worden sein - eine sichere Bestätigung dafür steht noch aus.

Tarmstedt/Bülstedt - Von Michael Krüger. Es wäre der erste Vorfall dieser Art überhaupt seit der Rückkehr des Wolfes nach Niedersachsen vor gut zehn Jahren, aber es ist steht ein dringender Verdacht im Raum: Ein 55-jähriger Arbeiter der Gemeinde Bülstedt (Samtgemeinde Tarmstedt) im Kreis Rotenburg ist von einem Wolf gebissen worden.

Update, 29. November, 16.45 Uhr:
Laut des niedersächsischen Umweltministeriums sollen drei der gesichteten Tiere grau und eines dunkler Farbe gewesen sein, gegenüber der Rotenburger Kreiszeitung hatte der Mann die Tiere als drei weiße und ein schwarzes beschrieben, sie dabei aber nicht als Wölfe bezeichnet. Ergebnisse der angeforderten DNA-Tests erwarte das Ministerium für Mitte der kommenden Woche.

 „Wir müssen die genetischen Untersuchungen abwarten“, betonte Wolfsexperte Frank Faß, Leiter des Wolfcenters Dörverden mit drei Rudeln. „Ein dunkler Wolf - das lässt mich skeptisch sein“, erklärte er. „Bei uns sind wildlebende Wölfe grau. Aber sollte es tatsächlich ein Wolf gewesen sein, dann muss angemessen reagiert werden.“

Sollte es sich tatsächlich um einen Wolfsbiss handeln, müsste das Tier umgehend getötet werden, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD).

Update, 29. November, 12 Uhr: „Die genommenen DNA-Proben haben wir heute per Kurier an das Senckenberg-Institut in Gelnhausen geschickt“, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. „Wir hoffen, dass es gelingt, verwertbares Material aus den sichergestellten Gegenständen zu isolieren und dann auszuwerten“, sagte die Ministeriumssprecherin. Das Institut wolle das Ergebnis so schnell wie möglich vorlegen, im Tagesverlauf sei damit noch nicht zu rechnen. Außer tierischen Haarproben sind laut Ministerium der Pullover des Mannes und der Hammer sichergestellt worden.

Original-Meldung vom 28. November

Die Polizei bestätigte den Vorfall Mittwoch. Das Wolfsbüro des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hat Mitarbeiter zur Aufklärung geschickt. Ein DNA-Test soll Aufschluss geben.

Am Dienstagmorgen repariert der 55-Jährige den Zaun am Friedhof im Bülstedter Ortsteil Steinfeld. Der kleine Friedhof liegt ein paar hundert Meter weg von den nächsten Wohnhäusern am Waldrand, der Angestellte der Gemeindeverwaltung arbeitet alleine. Als er nach hinten greift, um ein Werkzeug zu greifen, schnappt ein Tier zu. Es beißt in den Arm, zerrt am Pullover. Die Polizei sagt am Tag danach: ein Wolf. Und auch Tarmstedts Samtgemeindebürgermeister Frank Holle (CDU) bestätigt auf Nachfrage, dass den Ausführungen des Mannes zu glauben ist: „Er kennt sich mit Tieren aus und kann Hunde von Wölfen unterscheiden.“ Provoziert habe der Mann das Tier nicht.

Drei Tiere schauen zu

Was den Angaben nach auch gegen Hunde spricht: Der mutmaßliche Wolf ist nicht allein. Wenige Meter entfernt sieht der Mann drei weitere Tiere, insgesamt sind es drei weiße und ein schwarzes. Mit einem Hammer schlägt der Gemeindemitarbeiter nach dem Tier, es wird verletzt, läuft mit den anderen davon. Erst am Tag danach geht der Mann auf Anraten seiner Vorgesetzten zum Arzt. Umgehend werden die zuständigen Behörden informiert, der zerrissene Pullover auf Spuren untersucht. Auch beim Mann wird versucht, DNA-Material zu sichern.

Biologinnen helfen bei Aufklärung

Als die Sprecherin des Wolfsbüros in Hannover, Bettina S. Dörr, Mittwochmittag von dem Vorfall über die Landesjägerschaft erfährt, schickt sie umgehend zwei Biologinnen nach Steinfeld. Die sprechen am Nachmittag mit den Beteiligten, sichern Spuren. Ob es sich tatsächlich um einen Wolf handelt, wird erst kommende Woche feststehen. Die Proben werden zur Bestimmung an das Senckenberg Institut nach Gelnhausen geschickt, die Bearbeitung dort dauert nach Dörrs Angaben rund fünf Werktage. Genauere Angaben kann die Sprecherin Mittwoch noch nicht machen. Sie betont aber: „Es hat noch nie einen Angriff eines wilden Wolfes auf Menschen in Niedersachsen seit der Rückkehr gegeben.“ Es habe sich immer herausgestellt, dass es Hunde waren.

Wolfsrudel in Gnarrenburg bestätigt

Das beruhigt die Menschen in der Samtgemeinde Tarmstedt nicht. Samtgemeindebürgermeister Holle sagt, es laufen aktuell „überall Wölfe herum“. Die Landesjägerschaft hatte erst im Juli im benachbarten Gnarrenburg ein neues Wolfsrudel bestätigt. Sieben Welpen waren dort durch eine Videosequenz bestätigt worden. In den Samtgemeinde-Ortschaften Hepstedt und Kirchtimke, aber auch in Tarmstedt selbst habe es zuletzt mehrere Sichtungen einzelner Tiere gegeben. Wie man darauf reagieren sollte, will Holle noch nicht kommentieren. „Ich muss es noch einordnen“, sagt er.

Wölfe in Niedersachsen: Verhaltenstipps, Zahlen, Daten, Fakten - der große Überblick mit Videos und Experteninterview.

Wölfe gehen dem Menschen normalerweise aus dem Weg, wobei junge Wölfe neugieriger als erwachsene sein können. 

Verhaltenstipps bei einer Begegnung mit dem Wolf

Wenn es doch zur Begegnung mit einem Wolf kommt:

- Bleiben Sie ruhig und halten Sie respektablen Abstand. 

- Zeigen Sie dem Wolf, dass Sie ihn wahrgenommen haben. 

- Rennen Sie nicht weg, gehen Sie langsam rückwärts weg. 

- Falls Sie sich unwohl fühlen, machen Sie durch rufen und klatschen auf sich aufmerksam. 

- Füttern Sie das Tier auf keinen Fall. Lassen Sie keine Abfälle und Essensreste liegen.

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