Spiel mit Wahrscheinlichkeiten

Trotz Corona: Tarmstedter Ausstellung soll im Juli stattfinden

Mit viel Technik wagen die Macher der Tarmstedter Ausstellung, hier Dirk Gieschen (v.l.), Frank Holle, Julia Wöltjen und Jörg Weiß, den Versuch, die Freiluftmesse 2021 trotz Pandemielage zu ermöglichen.
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Mit viel Technik wagen die Macher der Tarmstedter Ausstellung, hier Dirk Gieschen (v.l.), Frank Holle, Julia Wöltjen und Jörg Weiß, den Versuch, die Freiluftmesse 2021 trotz Pandemielage zu ermöglichen.

Die Tarmstedter Ausstellung ist die größte Veranstaltung im Landkreis Rotenburg. 117000 Besucher kamen im Rekordjahr 2019. Nachdem das Gelände der Freiluftmesse 2020 coronabedingt leer bleiben musste, plant man jetzt für diesen Sommer.

  • Die Tarmstedter Ausstellung soll im Juli wieder stattfinden.
  • Die Landwirtschaftsmesse setzt dabei auf digitale Technik.
  • Die Verantwortlichen müssen mit vielen Variablen umgehen.

Tarmstedt – Man kann es mutig nennen oder töricht, inmitten des coronabedingten Lockdowns eine Großveranstaltung für den Sommer anzukündigen. Aber während Festivals wie das Hurricane in Scheeßel in der Schwebe bis unwahrscheinlich sind, soll die Tarmstedter Ausstellung – mit normalerweise rund 100 000 Besuchern die größte Veranstaltung im Landkreis Rotenburg – in diesem Jahr tatsächlich stattfinden.

Zwar nicht, wie 2020 als eintägige Digitalkonferenz, aber ganz sicher auch nicht wie 2019, als man mit 117 000 Gästen einen Rekord verzeichnete.

„Es ist alles machbar, man muss sich nur darauf einlassen“, fasst Dirk Gieschen, Sprecher der Geschäftsführung der Ausstellung, zusammen. Wobei „alles“ hier eher relativ gemeint ist. Gründe für die Durchführung gibt es indes einige aus Sicht der Veranstalter. Man habe etwa eine Wirtschaftsförderungsfunktion, viele Arbeitsplätze seien ebenfalls zumindest mittelbar mit der Ausstellung verknüpft. Gieschen spricht von bis zu 170 „Einschlagspunkten“ – Dienstleister, Handwerker, Fotografen und mehr.

Der Diskoabend bleibt unwahrscheinlich

Schon im August habe man sich daher mit verschiedenen Optionen von einer Absage bis hin zum Normalzustand beschäftigt, habe mit Institutionen und Ausstellern gesprochen.

Auch wenn, wie der Sprecher sagt, man sich Vieles aktuell nicht mehr vorstellen kann, der Termin steht fest: Die 72. Tarmstedter Ausstellung soll vom 9. bis zum 12. Juli stattfinden. Und nur dann, auf einen Ausweichtermin will man – wie schon 2020 – verzichten. Aktuell befinde man sich zwar in einer Hochzeit der Pandemie, aber in fünf Monaten werde es besser sein. Wie es dann im Juli auf dem Ausstellungsgelände aussehen kann, weiß indes noch niemand.

Es ist ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten: Was aus heutiger Sicht noch geringe Chancen hat, etwa die Verbrauchermesse in Zelten, wird noch gar nicht geplant. „Wir arbeiten uns von außen nach innen“, erklärt Gieschen. Über Bewirtung, Festzelte, Jahrmarkt, Tierschau und mehr hängen noch Fragezeichen. Wie diese „publikumsintensiven Bereiche“ geplant werden, würde später entschieden. Wobei man dem Diskoabend schon jetzt nur noch geringe Chancen einräumt.

Großteil der Aussteller kehrt zurück

Momentan liegt der Schwerpunkt auf der Fachmesse für die Landwirtschaft auf dem Freiluftgelände. Die Quote ist gut. Im Vergleich zu 2019 haben sich 80 Prozent der Aussteller wieder für einen Stand angemeldet, so Prokuristin Julia Wöltjen. In den Zelten sei man mit 60 Prozent verhaltener. Den Worten Gieschens nach genießt die Tarmstedter Ausstellung immer noch einen guten Ruf, zumal man 2020 allen Ausstellern ihre Kosten zurücküberwiesen habe. „Die sind ja auch gebeutelt.“

Der zweite Fokus liegt momentan auf der Infrastruktur. Insbesondere in Sachen Digitales wird aufgerüstet. Das komplette Gelände bekommt Zugang zum Internet, drahtlos oder mit Kabeln. Das stellt eine Säule des Hygienekonzepts dar. Um die Besucher besser zu koordinieren, wird in Zukunft bei Registrierungen und Abmeldungen mit Scannern gearbeitet. Die Besucherzahlen sollen begrenzt werden, wie viele es am Ende sein dürfen und können, ist noch nicht bekannt.

Digitale Technik soll Besucherströme koordieren

Um Kontakte zu vermeiden, sollen Tickets vorwiegend online gekauft werden – ebenso die Parkscheine. Die könne man sich dann ausdrucken oder aufs Handy laden. Alles Dinge, die der Ausstellung auch in einer Zeit nach Corona zugute kommen sollen und Arbeit wie Aufwand mehrerer Wochen reduziere, so Gieschen. Auch wenn diese Form der Effizienzsteigerung in etwas „hineingrätscht“, so Geschäftsführer Frank Holle.

Denn das gehört zum Wesen der Tarmstedter Ausstellung: mensvhlicher Kontakt. Viele aus dem Dorf sind an der Durchführung beteiligt, man trifft sich, man klönt. Den Helfern werden vermutlich andere Aufgaben als Ticket- oder Parkscheinverkauf übertragen, zum Beispiel die Überwachung der Hygiene- und Sicherheitsauflagen.

Von der Tarmstedter Seite ist also alles klar – soweit man bei all den Variablen von Klarheit sprechen kann. Holle: „Die Gesundheit und Sicherheit sind uns wichtig, aber da muss man uns auch was an die Hand geben.“ Die Veranstalter nehmen daher nun die Politik mit in die Pflicht, die den Rahmen für mit den Hygieneverordnungen Veranstaltungen betreffend schaffen muss.

Viele Fragen offen

Man habe sich an Konzepte anderer Freiluftmessen, die ebenfalls im Sommer wieder an den Start gehen sollen, orientiert. Man mache das für sich Mögliche, doch manche Entscheidungen könne, so Gieschen, die Tarmstedter Ausstellung gar nicht treffen. Die Macher der Ausstellung haben selbst noch viele Fragen.

„Wir werden es nicht allen recht machen“, sagt der Sprecher der Freiluftmesse. Es ist sicher, wenn es eine Tarmstedter Ausstellung 2021 gibt, wird sie anders sein als gewohnt. Und am Ende gehen die Veranstalter mit den Planungen auch ein Risiko ein. Das wissen sie, und das machen sie sich bewusst. Gieschen: „Es hilft uns nicht, wenn wir Angsthasen sind. Es hilft uns aber auch nicht, wenn wir übermütig sind.“ Und in einem halben Jahr wird man wissen, ob man nun mutig oder töricht war.

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