Verantwortliche müssen an Terrorgefahr denken

Tarmstedter Ausstellung: Sicherheit immer bedeutender

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Als William R. Timken (vorne links), US-Botschafter und Nachfahre eines Tarmstedters, im Jahr 2006 die Tarmstedter Ausstellung besuchte und gleichzeitig auch noch der damalige Ministerpräsident Christian Wulff (blaue Krawatte) kam, herrschte Ausnahmezustand auf dem Gelände. Damals mussten die Veranstalter ihr Sicherheitskonzept auf ein völlig neues Niveau heben. Mittlerweile umfasst es auch Maßnahmen gegen mögliche terroristische Bedrohungen.

Tarmstedt - Von Bert Albers. Die Organisatoren der Tarmstedter Ausstellung tragen eine große Verantwortung: für das Gelingen der Messe, für deren Finanzierung – und für die Sicherheit der Besucher. Gerade letzterer Aspekt hat in Zeiten des Terrors noch einmal an Bedeutung gewonnen.

Das soll für die Gäste dieses Jahr erstmals sichtbar werden. Wie genau, verraten die Macher allerdings nicht. Wer dieser Tage Dirk Gieschen trifft und ihn fragt, wie sicher die 69. Tarmstedter Ausstellung sein wird, der vernimmt erst einmal ein langes Schweigen. Der Geschäftsführer der Ausstellungs-Gesellschaft weiß, wie sensibel das Thema ist und welche Folgen eine unbedachte Äußerung haben könnte. 

Weder hat er Interesse daran, Besucher zu verunsichern, noch will er Informationen preisgeben, die missbraucht werden könnten. Also überlegt Gieschen lange, bevor er spricht. „Umfangreichere Sicherheitskonzepte gibt es seit zwölf Jahren“, sagt er dann.

Anlass, sie zu erarbeiten, bot der Besuch des US-Botschafters William R. Timken 2006. Es herrschte höchste Sicherheitsstufe. Ein offizieller Vertreter der Vereinigten Staaten galt auch damals als ein potenzielles Anschlagsziel. Dass der Mann auch noch Milliardär ist, dürfte seine Gefährdungsstufe nicht gesenkt haben. Also war klar, dass Timken nicht nur eigene Personenschützer mitbringen würde, sondern auch die Veranstalter ihren Teil beitragen mussten.

„Das hat uns viele Lerneffekte im positiven Sinne gebracht“, erinnert sich Gieschen. Danach seien die Vorkehrungen fortlaufend verfeinert worden. Wie wichtig das war und ist, zeigte sich schon im Jahr nach Timkens Messebummel. 2007 ging während der Ausstellung ein Imbisswagen in Flammen auf. Seitdem gibt es laut Gieschen regelmäßig tagende Arbeitsgruppen, die sich um nichts anderes Gedanken machen, als den Ernstfall zu vermeiden oder den Schaden im Ernstfall so gering wie möglich zu halten.

Alle Behörden beteiligt

Beteiligt sind Feuerwehr und Polizei, Ausstellungsteam, DRK und Behörden. „Von daher hatten wir meiner Meinung nach in den letzten Jahren schon einen guten Status“, ist der Geschäftsführer überzeugt. In manchen Dingen sogar deutlich besser als bei vergleichbaren Veranstaltungen. So sei etwa das Tierschaugelände im vergangenen Jahr auch umgebaut worden, damit keine Tiere mehr durch die Menschenmengen getrieben werden müssen.

Doch wer heute eine Massenveranstaltung besucht – an guten Tagen kommen weit mehr als 30 000 Gäste aufs Gelände –, der denkt vielleicht weniger an Feuer oder Bullen, die durchgehen. Vielmehr geistert mittlerweile die Angst vor einem Anschlag durch die Hinterköpfe. Eine Bombe im Rucksack, ein Laster, der durch die Menge fährt, ein schießender Fanatiker – wer will ausschließen, dass derlei auch im ländlichen Raum vorkommen könnte? 

Das kann niemand. „In diesem Jahr hat es deshalb weitere Vorbereitungen gegeben, die die heutige veränderte Sicherheitslage berücksichtigen. Diese Konzepte werden derzeit noch verfeinert“, sagt Gieschen.

Auch optische Veränderungen geplant

Es werde sich „auch optisch“ etwas verändern, kündigt er an. Etwa bei der Zufahrt. Personell werde ebenfalls aufgerüstet. „Ja, wir haben reagiert.“ Wer genau hinsehe, der werde Maßnahmen bemerken. „Aber man muss unterscheiden zwischen dem, was man kommuniziert und dem, was machbar wäre.“ Welche Schritte gegangen werden, hänge nicht zuletzt von der aktuellen Lageeinschätzung zu Beginn der Ausstellung ab. 

„Man möchte für die Besucher möglichst wenig Einschränkungen vornehmen“, unterstreicht er. Und gleichzeitig will man sich nicht vorwerfen lassen, zu wenig zu tun. Das klang im Vorfeld des Hurricane Festivals in Scheeßel am Wochenende ähnlich. Zu spüren bekamen die Besucher dort vor allem deutlich verschärfte Personenkontrollen und Verbote von Rucksäcken. Zu sehen gab es zudem große Absperrungen der Zufahrtsstraßen mit Containern und schwer bewaffnete Polizisten.

Die Tarmstedter Ausstellung dauert vom 7. bis 10. Juli und findet bereits zum 69. Mal statt.

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