Selbstversuch: Redakteurin Elisabeth Hintze geht beim 33. Abendlauf in Wilstedt auf die Strecke

Mit persönlicher Bestzeit ins Ziel

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Rund 1700 Läufer wagten sich an die zehn Kilometer.

Wilstedt - Von Elisabeth Hintze. Einmal die „unbeschreiblich tolle Atmosphäre“ erleben, den Volksfestcharakter – und das bei einem 10-Kilometer-Lauf. „Wilstedt bei Nacht“ lockte auch in diesem Jahr wieder mehr als 4600 Teilnehmer an.

Ich jogge gern, sehr gern sogar. Das hätte ich noch vor ein paar Jahren nicht gedacht, doch mittlerweile merke ich nach einigen Tagen Abstinenz bereits, wie sehr mir das Laufen fehlt. Schlimm waren die Zeiten, in denen ich aufgrund von Verletzungen pausieren musste, mehrere Wochen, einmal gar ein halbes Jahr. Nach Möglichkeit versuche ich, mindestens drei Mal in der Woche die Laufschuhe zu schnüren und meine Runden entlang der Weser in Bremen zu drehen – am liebsten frühmorgens, meistens allein, nur mit Musik im Ohr. Ich habe bisher lediglich an zwei Volksläufen teilgenommen.

Doch der Abendlauf in Wilstedt hat mich gelockt, zu häufig habe ich schon von der „unbeschreiblich tollen Atmosphäre“ gehört, die unter den Tausenden Teilnehmern vorherrschen soll. In diesem Jahr wollte ich mir selbst ein Bild von der Veranstaltung machen, habe am Freitagabend nach Redaktionsschluss meine Joggingschuhe angezogen und bin mitgelaufen.

Pünktlich um 21.15 Uhr gibt Werder Bremens Aufsichtsratsvorsitzender Marco Bode den Startschuss. Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern – darunter Spaßläufer, Hobbyläufer, Profis – mache ich mich auf die zehn Kilometer lange Hauptstrecke. Das Wetter ist etwas zu kalt für diese Jahreszeit, aber für mich die optimale Bedingung. Zum Glück regnet es nicht. Ein weiteres Plus: Zum Takt der Musik laufe ich einfach besser, und auch in Wilstedt darf ich meine Kopfhörer im Ohr haben. Mit dem Lieblings-Shirt und der Lieblings-Hose kann nichts schief gehen.

Abendlauf "Wilstedt bei Nacht"

Los geht es. Der Start erweist sich als leicht hektisch. Im Gedränge versuche ich, mich ein wenig an den Rand zu manövrieren, um dort niemandem in die Hacken zu treten oder selbst geschubst zu werden. Und wir drehen unsere erste Runde durch Wilstedt. Ich bin erstaunt, wie viele Einwohner am Straßenrand stehen. Es scheint, als wäre das gesamte 1700-Einwohner-Dorf auf den Beinen, um die Läufer anzufeuern. Und das machen sie richtig gut! Immer wieder Motivationsrufe, es wird mitgefiebert und applaudiert. Die Wilstedter – Alt und Jung – sitzen auf Bänken, in ihrem Garten oder stehen einfach nur am Wegesrand, der ein oder andere eingewickelt in eine wärmende Decke. Eine super Stimmung. Eine Gruppe Jugendlicher hat gar eine Nebelmaschine organisiert und sorgt damit für ein gewisses Disco-Gefühl. Es hängen Luftballons über der Strecke, Fackeln säumen den Weg. Auch gibt es viel Musik, meinen MP3-Player hätte ich nicht gebraucht. Viele regionale Musikgruppen treten über die Strecke verteilt am Straßenrand auf – mal ein einsamer Mann mit Gitarre, dann wieder farbenfroh und leuchtend angezogene Kapellen. Das macht Laune. Die habe ich auch bitter nötig.

Denn so gut ich auch gestartet war – ich habe mich von der Begeisterung der Menge mitreißen lassen –, so schnell merke ich dann auch, wie meine Kräfte nachlassen. Die lange Arbeitswoche macht sich bemerkbar, ich bin müde, und habe ich bereits erwähnt, dass ich normalerweise eine Morgenläuferin bin? Abends – das liegt mir nicht. Nach den ersten fünf Kilometern werden meine Beine schwer, sehr schwer. Ich ertappe mich bei dem Gedanken, einfach aufzuhören und mich heimlich davonzustehlen. Nicht unbedingt förderlich ist außerdem, dass mir immer wieder der Geruch von Gegrilltem in die Nase steigt. Wie gern würde ich tauschen mit einem der Zuschauer am Wegesrand, ganz gemütlich zugucken mit einem Würstchen in der einen Hand und einem kühlen Blonden in der anderen.

Doch irgendwie laufe ich weiter, lasse mich von den Zuschauern weiter anfeuern, versuche mit meinem Nebenmann Schritt zu halten. Zwar werde ich langsamer, die anderen überholen mich reihenweise, doch ich schaffe es. Endlich biege ich auf die Zielgerade ein, Flutlicht erleuchtet den Sportplatz, in der Ferne kann ich das Ziel erkennen. Noch einmal Zähne zusammenbeißen und den Endspurt einläuten. Mein Blick wandert nach oben zur Uhr. 52 Minuten und 5 Sekunden, ich laufe über die Ziellinie. Vor einem halben Jahr habe ich zuletzt die Zeit gemessen, damals waren es 54 Minuten. Wer weiß, vielleicht wird aus mir doch noch eine Abendläuferin? Spaß gemacht hat es trotz der Anstrengung allemal. Wilstedt bei Nacht? Im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder!

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