Deutscher Landjugendtag

Die Jugend weiß, was sie will

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Krachlederne gehören in Tarmstedt eher nicht zur Alltagsbekleidung. Die zahlreichen Besucher aus Süddeutschland sorgten aber dafür, dass das traditionelle Beinkleid dort am Wochenende häufiger zu sehen war.

Tarmstedt - Von Bert Albers. Der Ministerpräsident grüßt per Video. Spaß haben sollen sie, ruft Stephan Weil den Teilnehmern des Deutschen Landjugendtages (DLT) in Tarmstedt zu. Und etwas erleben und miteinander ins Gespräch kommen. Wahrscheinlich ist der SPD-Politiker ganz froh, dass er nicht hören muss, worüber dann gesprochen wird. Denn die Landjugend fordert viel. Der Bundesvorsitzende Sebastian Schaller spricht von einer grundsätzlichen Benachteiligung des ländlichen Raumes, die aus der Welt geschaffen gehöre.

Das Publikum sieht müde aus am Samstag. Nach langer Anreise und einer ähnlich langen Partynacht kein Wunder. Dennoch sind die jungen Leute im Festzelt entschlossen, sich Gehör zu verschaffen. Jede Begrüßung, jede Feststellung, jede Forderung, die von der Bühne schallt, kommentieren sie lautstark mit ihren Klapperpappen. Es ist schließlich ihre Jugendveranstaltung, wie der offizielle Akt des DLT genannt wird: Forum für Diskussionen, etwas Politik, aber auch Zeltlager, Informationsveranstaltung, Ausflugsziel und Party-Ort. „Festival ohne Musik“, sagen einige.

Wirklich Neues bekommen die Teilnehmer aus ganz Deutschland im Festzelt nicht zu hören. Aber die Bundesvorsitzenden Nina Sehnke und Sebastian Schaller sprechen ihnen aus der Seele, wenn sie ein wirklich flächendeckendes und schnelles Handynetz fordern und beklagen, dass die Versorgung mit schnellem Internet auf dem Land löchrig ist. Eine Reform der Altersversorgung steht auch im Forderungskatalog, zudem Planungssicherheit und Bürokratieabbau, eine Fortsetzung der Förderung der Landjugend sowie Beteiligung, wenn es um politische Entscheidungen geht.

„Wir sind stolz auf das, was wir machen“

Dass längst nicht mehr alle Landjugendlichen vom Bauernhof kommen, ignoriert das Vorsitzenden-Duo. Sein Schwerpunkt liegt auf der Landwirtschaft, deren Zukunft und Probleme. „In allen Ländern ist die Akzeptanz der Landwirtschaft höher als bei uns“, sagt Nina Sehnke. „Aber wir sind stolz auf das, was wir machen.“ Vor steilen Thesen schreckt sie auch nicht zurück. „Landwirte sind die einzigen ausgebildeten Naturschützer, das kann sonst keiner.“ Sie wünsche sich nicht nur deshalb von der Politik ein „klares Statement pro Landwirtschaft“.

Das liefern die Ehrengäste. Es brauche eine „Politik für den ländlichen Raum“, sagt etwa Alois Gerig. Die muss aus seiner Sicht vor allem aus mehr finanzieller Förderung bestehen. Der CDU-Mann ist nicht nur Bauernfunktionär, sondern auch Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft im Bundestag. „Wir brauchen ein besseres Marketing“, ist er überzeugt. In Deutschland würden Lebensmittel höchsten Standards produziert. Der Verbraucher habe es in der Hand, ob es auch künftig „flächendeckend bäuerliche Familienbetriebe gibt“.

Werner Hilse, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, hält die Aussichten für Landwirte global betrachtet für bestens. Schließlich wachse die Weltbevölkerung bei immer weniger zur Verfügung stehender Fläche. Deutsche Bauern seien dafür mit einer guten Ausbildung gerüstet. Infrastrukturelle Nachteile des Landlebens werden sie aber noch lange erdulden müssen, glaubt Hilse. Er warnt vor zu großen Erwartungen an die Politik. Die werde nicht für einen Anstieg des Milchpreises sorgen.

Dem widerspricht Caren Marks (SPD), Staatssekretärin im Bundesjugendministerium, nicht. Sie betont vor allem die Bedeutung des Landlebens fürs Heimatgefühl. Deshalb dürfe man „die ländlichen Räume nicht tot reden“, findet Brigitte Scherb, Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbands. Das Land habe Potenzial. In Niedersachsen sowieso, findet Stephan Weil. Dort sei ja auch der „allerbeste Ort für den Deutschen Landjugendtag“. Dem stimmen nach dem Wochenende auch die meisten der rund 1000 Teilnehhmer zu.

zz

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