Fintels ehemaliger Samtgemeindebürgermeister Michael Niestädt will in Kreistag und Stadtrat

Jahrzehntelang auf Asche trainiert

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Was den Beruf angeht, hat Michael Niestädt sich viel Zeit genommen, um über seine Zukunft nachzudenken. So leer wie hier war sein Schreibtisch über viele Jahre im Rathaus nicht. 

Rotenburg - Nein, Michael Niestädt hat kein Parteibuch. Wäre die Anfrage von der CDU oder von den Grünen gekommen, hätte er ebenfalls überlegt. Doch sie kam von der SPD. Im April hat sich der 56-Jährige schließlich entschieden – für eine Kandidatur bei den Kommunalwahlen am 11. September. Niestädt – den meisten aus seiner achtjährigen Amtszeit als hauptamtlicher Bürgermeister der Samtgemeinde Fintel bekannt – will in den Kreistag und auch in den Rotenburger Stadtrat. Für die Sozialdemokraten, aber eben ohne Parteibuch.

„Die Partei ist für mich nicht entscheidend“, sagt der Vater zweier Söhne. Und sollte es mit dem Einzug in den Kreistag und/oder in den Stadtrat klappen, kann sich die Fraktion sicher sein: „Ich werde meine kritische Einstellung zu ganz bestimmten Dingen beibehalten und auch äußern.“ Rotenburg ist seine Heimatstadt, hier ist er zur Welt gekommen und zur Schule gegangen, und hier hat er im Rathaus seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten gemacht.

Es war der Beginn einer Verwaltungslaufbahn, die ihn nach der Bundeswehrzeit, einer kurzen Rückkehr ins Rathaus, dem Fachabitur Wirtschaft und einem dreijährigen dualen Studium schließlich in den gehobenen Dienst in der Kreisverwaltung führte. Er war Beamter auf Lebenszeit, aber machte 2008 dennoch einen Schnitt. Es folgten die acht Jahre auf dem Chefsessel im Rathaus der Samtgemeinde Fintel.

Dort hatten schließlich viele Menschen erwartet, er würde für eine weitere Amtszeit kandidieren. Doch für Niestädt selbst war das gar nicht so klar. „Im letzten Jahr habe ich überlegt, was ich mache. Ich brauchte einfach eine Pause – aber das ist in so einem Job in einer kleinen Verwaltung nicht machbar“, sagt er. Denn ihm ging es um eine längere Pause.

Mit einem einfachen Urlaub war es nicht getan. Und: Eine weitere Amtsperiode als Bürgermeister hätte ihm die Möglichkeit bis 2021 genommen, eine ausgiebige Auszeit zu nehmen. „Ich war mir auch nicht sicher, in diesen Jahren noch allen Ansprüchen wirklich gerecht werden zu können“, erinnert sich der Fußball-Fan mit einem besonders großen Herz für den FC Schalke 04 an die Zeit der Überlegung. Am 4. Juni feierte er schließlich seinen Abschied.

Sein Amtskollege Andreas Weber (SPD) war dabei. Und als sich dieser verabschiedete, habe er gesagt: „Wir sehen uns bald wieder.“ Dass Niestädt dann als Rotenburger Ratsmitglied grüßt, ist aber noch nicht sicher. Sicher ist aber nur eines: „Für meinen ersten Besuch in seinem Büro soll er schon mal die Unterlagen für den Kunstrasenplatz im Ahe-Stadion heraussuchen.“ Weber habe nur gelacht, aber Niestädt meint es ernst. „Ich habe jahrzehntelang auf dem Ascheplatz trainiert. Darauf zu spielen, ist nicht mehr zeitgemäß.“ Der frühere Vorsitzende und inzwischen verstorbene Lothar Meyer – ein damaliger Freund von Michael Niestädt – habe den Kunstrasenplatz einst gefordert. Das Thema liegt immer noch auf Eis, aber Niestädt möchte an Meyers Forderung von damals erinnern.

Bis zur S 40 hat Niestädt selbst beim Rotenburger SV gekickt. Zuletzt war er froh, wenn er überhaupt noch dazu gekommen ist, Sport zu treiben oder mit dem Rad zu fahren.

Nun genießt er seine berufliche Auszeit, ohne schon zu wissen, wie es weitergeht. Er verbringe momentan viel Zeit im Garten, räume viel auf, weil eben auch vieles liegen geblieben sei in den vergangenen Jahren. Während der EM habe er sich allein auf den Weg nach Lille gemacht, um sich dort das Spiel Italien gegen Irland anzusehen, er verbrachte danach ein paar Tage an der Nordsee, jetzt sei noch eine Reise nach Kroatien geplant. Auf dem Weg dorthin besucht er ein Testspiel des FC Schalke in Österreich. Und dann wolle er sich konkrete Gedanken über die berufliche Zukunft machen.

Aber da ist ja auch noch der Plan, in die Kommunalpolitik einzusteigen. „Wenn ich meine Erfahrung und die Kenntnisse, die ich habe, nicht für meine Heimatstadt nutzen würde, wäre es schade.“ Das sei der Grund. Wenn man etwas für seine Geburtsstadt tun könne, solle man es tun.

Der Rotenburger Stadtrat wäre für ihn absolutes Neuland. „Ich habe noch keine Sitzung verfolgt“, sagt er. Und mehr als die Sache mit dem Kunstrasenplatz wolle er auch nicht konkret ansprechen, ehe klar ist, ob er überhaupt gewählt wird. Grundsätzlich aber interessiere es ihn schon, sich dem Thema Finanzen zu widmen. Ferner halte er es für wichtig, die Kooperation zwischen dem Kreis und den Kommunen zu verbessern. Bis es jedoch soweit ist, geht es für Niestädt erst einmal zum Weichenstellen in den Urlaub. Eines aber lässt er nicht unerwähnt, ehe er sich aus der Redaktion verabschiedet: „Nein, wenn es Anfragen von der AfD oder Alfa gegeben hätte, hätte ich nicht überlegt.“

Von Guido Menker

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