Tag des deutschen Bieres / Tarmstedter Ehepaar produziert im eigenen Haus

Hobby-Brauer auf Erfolgskurs

Julia und Torben Sass stellen ihr „Burzel Bräu“ vor. Passend zum Tag des deutschen Bieres.

Tarmstedt - Von Jessica Ginter. Mit dem Schroten von Malz, dem Maischen, der Umwandlung von Stärke in Malzzucker, dem Abläutern und mit Hopfen kennen sich Julia und Torben Sass bestens aus. Das Tarmstedter Ehepaar braut nämlich regelmäßig Bier. Das „Burzel Bräu“ ist allerdings nur ihr Hobby.

Nachdem Torben Sass ein Schulpraktikum bei „Beck’s“ absolviert hatte, weckte die Herstellung von Bier sein großes Interesse. Daraufhin folgte die Ausbildung zum Brauer und Mälzer. Studiert hat der heute 40-Jährige Brauwesen und Getränketechnologie in Weihenstephan. Heute arbeitet Sass in der Brauindustrie im Vertrieb und ist für den norddeutschen Raum verantwortlich. „Doch wenn man einmal Brauer gelernt hat, dann juckt es in den Fingern“, so der Tarmstedter.

Kurzerhand beschloss er, sich in seiner Garage eine Anlage dafür aufzubauen – zunächst für die Produktion von 50 Litern, später folgte eine für 120 Liter. Zu Beginn produzierte Sass ausschließlich für sich und Freunde. Seine Frau Julia, gelernte Chemisch-Technische Assistentin, begann erst später, sich für das Hobby ihres Mannes zu interessieren. Mittlerweile mache ihr das Bierbrauen aber so großen Spaß, dass die 32-Jährige alle Arbeitsschritte problemlos auch in Abwesenheit ihres Mannes beherrsche. Jetzt brennen beide für das „Burzel Bräu“.

Aus dem Lagertank zapft der Tarmstedter Hobby-Brauer Torben Sass (40) gerne mal eine Probe und prüft sein „Burzel Bräu“ auf Farbe und vor allem auf Geschmack. - Fotos: Ginter

Vor fünf Jahren bezog das Paar sein eigenes Haus. „Ich schlug Julia vor, anzubauen und dort unsere eigene kleine Bierbrauerei einzurichten“, erklärt Sass. Gesagt, getan: Seit Anfang 2013 ist die Mini-Brauerei offiziell als Gewerbe angemeldet. Seitdem läuft die Anlage an den Wochenenden auf Hochtouren. Und in den vergangenen Jahren haben sich auch Abnehmer für das Bier gefunden. „Das meiste wird bei Hol’ ab in Tarmstedt verkauft“, so Sass über den Erfolg. Neben dem Getränkemarkt interessieren sich auch verschiedene Hofläden in der Region und weitere Getränkemärkte für das „Burzel Bräu“.

5 000 Liter in einem Jahr

Der große Wunsch des Ehepaars wäre jedoch, es mit dem Bier in die Gastronomie zu schaffen. „Vielleicht möchte es ja mal ein Gastwirt ausschenken“, hofft die 32-Jährige. Ein Fass zu befüllen, sei schließlich um einiges einfacher, als einzelne Flaschen. Das „Burzel Bräu“ gibt es nämlich nur in der 1-Liter- Flasche. Der Grund: „Wir wollen uns von der Industrie nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch abheben“, so der Außendienstler.

Mittlerweile produzieren sie übrigens schon zwei Sorten: Das „Burzel Bräu Original“, ein dunkles, mit speziellen Malzen hergestelltes Bier, dessen Geschmack der 40-Jährige als „sehr malzbetont“ beschreibt, und ein Helles, das „mild ist und eine leicht karamellige Note hat“, so Julia Sass. Doch was macht für das Paar ein gutes Bier aus? „Wenn das Bier anregt, noch ein zweites zu trinken, ist es ein gutes Bier“, so die Theorie des Brauers. Für das kommende Jahr planen sie eine dritte und vielleicht auch vierte Sorte. Zurzeit füllen sie jährlich rund 5 000 Flaschen ab. Haltbar ist ihr Bier übrigens nur vier Wochen, denn die Tarmstedter behandeln es nicht. „Es ist naturbelassen und nicht filtriert“, erläutert der leidenschaftliche Brauer.

Der Name des Bieres besitzt übrigens eine eigene Geschichte: Seit Torben Sass denken kann, nannte ihn sein Vater beim Spitznamen Burzel. Und als er begann, sein erstes Bier in der Garage anzusetzen, kommentierten das die Nachbarn: „Es wird wieder Burzel Bräu gebraut.“ Der Name war gefunden. Mit Hilfe seines Bruders Hanno, von Beruf Mediengestalter, entwickelte er nun das Etikett mit Wiedererkennungswert: einen dünnen Mann mit einem Glas Bier in der Hand. Dieser stellt den „Burzel“ dar. Inzwischen ziert das Logo nicht nur Flaschen, sondern auch Gläser, Bierdeckel sowie Pullover und Shirts.

Zum Preis von 3,80 Euro gibt es die Literflasche zu kaufen. Aufgrund des hohen Aufwands und der Handarbeit meinten viele Kunden, dass es immer noch zu günstig sei, berichtet das Ehepaar. „Aber uns macht es einfach Spaß, und es soll ein Hobby bleiben“, sagt Julia mit einem Schmunzeln.

Zum Tag des deutschen Bieres zelebrieren Julia und Torben Sass im privaten Rahmen mit Freunden und ganz sicher der einen oder anderen Flasche aus der eigenen Produktion das Fest.

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