Rotenburger Sven von Ehrenkrook demonstriert regelmäßig vor Ort gegen das Bahnhofsprojekt

„Stuttgart 21 ist überall“

Parkschützer Sven von Ehrenkrook packt warme Sachen ein, damit die Aktivisten vor Ort nicht frieren müssen.

Rotenburg - Von Lisa DuncanROTENBURG · Wenn heute wieder einige tausend Menschen auf dem Parkgelände in Stuttgart gegen den Bau des unterirdischen Bahnhofs „Stuttgart 21“ demonstrieren, ist auch ein Rotenburger mit dabei: „Parkschützer“ Sven von Ehrenkrook fährt fast jedes Wochenende in die Hauptstadt Baden-Württembergs. Diesmal packt er Schlafsäcke, Luftmatratzen und dicke Jacken in sein Auto, gespendet von Sympathisanten aus Bremen.

Die warmen Sachen will von Ehrenkrook zu einem Versorgerzelt in den Schlossgarten bringen. Sie sind für Demonstranten bestimmt, die dort bei Minusgraden übernachten.

Warum engagiert sich ein Rotenburger für eine Bürgerinitiative im fernen Baden-Württemberg? „Ich habe Familie in Böblingen und Stuttgart. Meine Freundin ist Stuttgarterin. Sie ist schon seit längerem politisch und auch kritisch organisiert“, sagt von Ehrenkrook, der seit etwa sechs Wochen bekennender „Parkschützer“ ist. „Das ist einfach ein wunderschöner Park. Und der wird für die nächsten zehn Jahre eine Baustelle.“ Dies ließe ihn den Ärger der Stuttgarter Bürger nachvollziehen.

Bei den Protesten gehe es aber nicht nur um den Bahnhof oder den Park, sondern darum, wie die Argumente der Projektgegner einfach übergangen würden. „Wenn demokratische Rechte so misshandelt werden, geht was schief. Demokratie ist was anderes“, betont von Ehrenkrook.

Auch über den Umgang mit den Demonstranten ärgert er sich. „Ich war da am 30. September. Dass eine Demo von Schülern einfach auseinander geprügelt wird, kann ich nicht verstehen.“ Es gebe einen Videobeweis, dass sich Polizisten unter die Demonstranten gemischt hätten. Vom Untersuchungsausschuss erhofft sich der Aktivist Aufklärung.

Gewaltanwendung sei für ihn selbst absolut tabu. Das schließe auch verbale Entgleisungen mit ein: „Mit Argumenten kann man viel mehr ausrichten.“

Darum steht er auch hinter dem jetzt begonnenen Schlichtungsprozess. „Tenor ist ja: Es kommen alle Fakten auf den Tisch.“ Genau an dieser notwendigen Aufklärung habe es ja von Anfang an gemangelt.

Er selbst sei nicht parteigebunden und stuft sich als tendenziell „Grün“ ein. „Ich verfolge aber das politische Geschehen über Internet und Tageszeitungen.“ Das sei auch ein positiver Effekt der Proteste: Die Live-Streams aus dem Internet schafften Transparenz.

Zur Spendenaktion hatte Gernot-Peter Schulz aus Bremen per Rund-Mail aufgerufen. Der gebürtige Saarländer organisiert seit dem 12. September die so genannten „Schwabenstreiche“ – Demonstrationen in Bremen, zu denen sich jeden Montag 20 bis 30 Leute um 18.30 Uhr am Südeingang des Hauptbahnhofes treffen. „Das ist Wahnsinn, was da in Stuttgart gemacht wird“, sagt Schulz, der sich nach eigenem Bekunden gut mit der Bahn auskennt. Er selbst fahre nicht regelmäßig dorthin, sondern habe das Geschehen vor allem auf der Website der ARD verfolgt. Mit einem eigenen Internet-Auftritt, http://www.schwabenstreich.info, möchte Schulz Bürgerinitiativen in ganz Deutschland miteinander vernetzen. Dort findet sich ein Sammelsurium lokaler Protest-Projekte, ob aus Perl an der Mosel oder Oberbayern. „Stuttgart 21 ist überall“, so Schulz.

Wer Sachen spenden will, kann sie bei Gernot Schulz, Moselstraße 91, in Bremen-Neustadt abgeben.

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