Arbeitnehmer aus Polen haben vom Ausstand nichts gewusst / Ultimatum der Arbeitgeber

Streik: Neupack holt Leiharbeiter

Streikende aus Rotenburg und Hamburg hielten sich durch Tanzen vor dem Werkstor warm und besserten die Laune auf. ·
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Streikende aus Rotenburg und Hamburg hielten sich durch Tanzen vor dem Werkstor warm und besserten die Laune auf. ·

Rotenburg - Fünf polnische Leiharbeiter sind gestern gegen 6.20 Uhr beim Rotenburger Neupack-Werk eingetroffen. Als sie vor dem Werkstor vom Streikposten angesprochen wurden, stellte sich heraus, dass sie kein Deutsch sprechen.

Polnische Landsleute unter den Streikenden erklärten die Sachlage und den Grund für die Arbeitsniederlegung. Dabei erfuhren die Übersetzer, dass die Leiharbeiter nichts von dem Streik gewusst haben. Die Gewerkschaft hat daraufhin ihre Anwälte eingeschaltet.

Unter lautem Protest und nach zulässigen sieben Minuten „Informationsgesprächen“ gaben die Streikenden den Weg für die Leiharbeiter frei. „Sie sprechen kein Deutsch. Das verstößt gegen die Statuten, die der Arbeitgeber selbst durch einen Anschlag am Schwarzen Brett vorgegeben hat“, so Betriebsrat Claus-Dieter Thiele. Ein Einstellungskriterium sei, dass neue Arbeiternehmer der deutschen Sprache in Wort und Schrift mächtig sein müssen. Das sei hier nicht der Fall. Außerdem hätten die Leiharbeiter darauf hingewiesen werden müssen, dass hier gestreikt werde. Das bedeute einen Verstoß gegen § 5 des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes. Rechtsanwälte der IG BCE überprüfen zur Zeit die Rechtslage. „Wir sind stinksauer. Das ist Missbrauch des gesetzlichen Handlungsrahmens“, empört sich Thiele.

Der Sprecher der Geschäftsleitung, Arne Höck, erklärte, dass bei Streik das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates entfalle. Er begründete die Einstellung von Leiharbeitern mit steigendem Bedarf in der Produktion. Der Streik treffe Neupack damit umso härter. Arbeitswillige könnten jederzeit ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Die Verhandlungen seien von der IG BCE abgebrochen worden. Ein Ausweg aus der Situation sei schwer.

Gestern Vormittag gesellten sich zu den Rotenburgern noch 45 Hamburger Kollegen, um ihre Solidarität zu bekunden. Cornelia Rottmann (IG BCE) gibt sich weiter kämpferisch: „Wir stehen hier nicht zum Spaß und wollen hier auch weiter arbeiten – aber nur unter fairen Bedingungen mit Tarifvertrag.“

Tags zuvor besuchte der Produktionsleiter des Hamburger Werkes, Axel Häfner, die Streikenden. Er übergab den Mitarbeitern eine einstweilige Verfügung des Arbeitsgerichtes Hamburg, wonach sie den Zugang zum Werk nicht blockieren dürfen. Außerdem soll Häfner nach Aussagen des Betriebsrates ein Ultimatum gestellt haben, wonach alle Streikenden, die am Montag nicht wieder die Arbeit aufnehmen, mit dem Verlust des Arbeitsplatzes rechnen müssen. Die Rechtsabteilung der Gewerkschaft prüft das Ultimatum. Auf die Forderung „guter Lohn für gute Arbeit“ habe Häfner laut Thiele geantwortet: „Ihr macht minderwertige Arbeit und werdet deswegen minderwertig bezahlt“. Trotz allem erklärten sich Arbeitnehmer und Gewerkschaft zu Verhandlungen bereit, um ein gütliches Ergebnis zu erzielen. · go

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