Käthe Dittmer-Scheele spricht über niedrigste Gesamtverschuldung im IHK-Kammerbezirk

„Steuer-Cents sinnvoll ausgeben“

Eine richtig niedrige Verschuldung: Finanzexpertin Käthe Dittmer-Scheele hat Grund zum Lächeln. ·
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Eine richtig niedrige Verschuldung: Finanzexpertin Käthe Dittmer-Scheele hat Grund zum Lächeln. ·

Scheessel - Von Pascal FaltermannWettkämpfe und viele Vergleiche gibt es meist im Sport. Ein besonders guter Vergleich ist aber bei Statistiken möglich. Zum Beispiel die Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade für den Elbe-Weser-Raum. Darin wird unter anderem die höchste Gesamtverschuldung errechnet. In Scheeßel gab es einen Grund zum Freuen: Mit zehn Euro pro Einwohner ist die Zahl in der Gemeinde am niedrigsten.

In der zweiten Auflage der Studie „Kommunen im Wettbewerb“ vergleicht die IHK Stade die auf Gemeindeebene beeinflussbaren Standortfaktoren sowie ausgewählte Erfolgsindikatoren. Dadurch sollen die Gemeinden die Möglichkeit haben, ihre Position im regionalen Wettbewerb um Unternehmen und Bewohner zu erkennen und auch zu nutzen. Verglichen wurden die Kreise Verden, Stade, Rotenburg, Cuxhaven und Osterholz – 54 Städten und Gemeinden des Kammerbezirks. Übrigens: Der Landesdurchschnitt der Gesamtverschuldung lag Ende 2009 bei 1489 Euro pro Kopf. Aber mancherorts wurden kommunale Betriebe verkauft oder privatisiert, was die Bilanzen gut aussehen lässt. Scheeßels-Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele spricht im Interview über die Zahlen.

Was bedeutet diese geringe Verschuldung in dem verglichenen Bereich für die Gemeinde Scheeßel?

Käthe Dittmer-Scheele: Ich bin auf jeden Fall stolz, die niedrigste Gesamtverschuldung auszuweisen. Als Verwaltungsfachfrau mit dem Schwerpunkt Jugend und Finanzen habe ich immer Wert darauf gelegt, keine neuen Schulden für die Gemeinde zu machen. Das ist in den vergangenen zehn Jahren, wie man sieht, sehr gut gelungen. Mir war und ist wichtig, dass jeder Steuer-Cent, den die Bürgerinnen und Bürger Scheeßels zahlen, für sinnvolle Projekte ausgegeben werden kann, anstatt sie für Zins und Tilgung an die Banken zu geben. Gleichzeitig haben wir die Gemeinde für die Zukunft aufstellen können und investiert.

Durch welche Faktoren kam es zu diesem Ergebnis?

Dittmer-Scheele: Zwei Faktoren, die in den vergangenen zwölf Jahren dazu geführt haben, möchte ich nennen: Erster Faktor: Mir war ein sparsamer Umgang mit den mir anvertrauten Steuergeldern wichtig. Mit den Geldern unserer Bürgern sind wir so umgegangen, dass keine neuen Schulden entstehen. Beispielsweise wurde nur investiert, wenn wir das Geld hatten. Ich persönlich finde es richtig, mal zwei Jahre zu warten, bis ein Parkplatz in der Ortsmitte schön gepflastert und begrünt ist, wenn man es in zwei Jahren ohne neue Schulden hinbekommt. Bei den jährlichen Ausgaben sind wir sparsam gewesen. Beispielsweise haben wir unsere Energiekosten laufend optimiert. Auch vor unpopulären Entscheidungen habe ich mich nicht gedrückt.

Zweiter Faktor ist, dass es in allen Jahren gelungen ist, sehr viele Fördergelder für verschiedenste Projekte in die Gemeinde zu holen. Als Beispiel nenne ich die Park and Ride-Anlage oder den Rathauspark.

Welchen Einfluss hat der Verkauf der Gemeindewerke auf dieses Ergebnis ?

Dittmer-Scheele: Vor dem Verkauf der Gemeindewerke im Jahre 1999 war die Gemeinde Scheeßel aufgrund der sehr hohen Verschuldung nur eingeschränkt handlungsfähig. Investitionsstau gab es an allen Ecken und Enden. Mit dem Verkaufserlös wurden die Schulden getilgt. Das Geld, das bisher für Zinsen und Tilgung – immerhin weit über 600 000 Euro im Jahr – gezahlt wurde, konnte nun für Verbesserungen in der Gemeinde eingesetzt werden. Es ist sehr viel getan worden im Bereich Kindergärten und an den Schulen aber auch im Bereich Verkehr. Mein Ziel ist es von Beginn meiner Amtszeit im Jahre 2001 an gewesen, dafür zu sorgen, dass keine neuen Schulden angehäuft werden. Sonst wären wir schnell wieder da gewesen, wo die Gemeinde 1999 gestanden hat.

Wie sieht die mittelfristige Finanzplanung für die Gemeinde aus? Wird es bei den niedrigen Schulden bleiben? Oder wird die Verschuldung steigen?

Dittmer-Scheele: Ich werde mich mit meinen Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen auch künftig dafür einsetzen, das Ziel zu verfolgen, keine neuen Schulden zu machen.

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