Grüne zum Schlageter-Denkmal / „Welches Andenken will man pflegen?“

Stadt mit „widersprüchlichem Bild“

Hedi Schmidt

Visselhoevede - VISSELHÖVEDE (jw) · Die Ratsfraktion der Visselhöveder Grünen bezieht klar Stellung in der aktuellen Diskussion über das Schlageter-Denkmal in Drögenbostel. In einer Pressemitteilung „bedanken“ sich Hedi Schmidt und Enno Precht für die Aktion des Martin F.

Wenner, der das Hakenkreuz am Stein abgemeißelt hatte (diese Zeitung berichtete). „Der Aktion von Herrn Wenner und seinen Freunden ist es zu verdanken, dass es das Schlageter-Denkmal im öffentlichen Bewusstsein wieder gibt. Das Denkmal taucht in Abständen immer wieder in der Diskussion auf und kann einfach nicht totgeschwiegen werden“, heißt es in der Verlautbarung.

Die Grünen weisen auf einen Beitrag in dieser Zeitung hin, in dem der Historiker Dr. Karsten Müller-Scheeßel bereits 2006 den schwierigen Umgang mit politischen Denkmälern beschreibt und dass man in Visselhövede wohl darauf setze, dass das Denkmal von allein in Vergessenheit gerate.

Auf keiner Landkarte sei der Stein verzeichnet gewesen, und es habe auch kaum Hinweisschilder darauf gegeben. Auf den Landkarten sei lediglich der Name Höllenberg verzeichnet gewesen, so die Grünen.

Diese Situation habe sich auf denkwürdige Art verändert. „Auf einem Stadtplan war das Schlageter-Denkmal vor ein paar Jahren plötzlich verzeichnet. Ich habe die Stadt und auch den Gewerbeverein darauf aufmerksam gemacht und mich an die gute Tradition gehalten, kein Aufheben davon zu machen“, erinnert sich Hedi Schmidt. Inzwischen schmücke ein Bild des Denkmals sogar die Kirche – ein bisschen versteckt auf dem Dorfbild der Drögenbosteler. „Das mit dem Totschweigen funktioniert also offenbar nicht. Vor allem auch deswegen nicht, weil es Menschen gibt, die die alte Tradition wieder pflegen und die zu ihrem Denkmal stehen wollen“, schreiben die Grünen.

Für die Fraktion würden sich jetzt zwei Fragen stellen: „Wofür soll das Denkmal stehen, und warum hängt man an Nazi-Symbolen?“ Das Hakenkreuz sei nach der Wenner-Aktion ausdrücklich erneuert worden. „Welches Andenken will man also dort pflegen?“, fragt die Grünenfraktion.

Die Stadt gebe in dieser Frage ein „widersprüchliches Bild“ ab, wenn „Frau Strehse sagt, sie habe von dem Pflegeauftrag nichts gewusst – was vermutlich stimmt – und Herr Twiefel sich empört, dass zur Unzeit gepflegt wurde und dass außerdem die Pflege touristischen Zwecken dienen sollte. Welche Touristen möchte man denn auf diese Traditionspflege aufmerksam machen?“

Möglicherweise sei der Arbeitsauftrag tatsächlich untergegangen, aber er zeige auch, dass man immer wieder geglaubt habe, man könne dieses Denkmal integrieren. „Da der Ort und das Denkmal Privatbesitz sind, gibt es für die Stadt keinen Grund, irgendetwas zu pflegen. Insofern ist es richtig, den Auftrag zu kündigen. Man kommt an einer Auseinandersetzung mit dem Denkmal nicht vorbei.“

Die Grünen wollen das Thema jetzt auf der Tagesordnung des Ausschusses für Jugend, Kultur, Soziales und Feuerwehr sehen. „Da gehört es hin. Da kann auch Jürgen Meyer ohne Maulkorb Stellung nehmen.“

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