Staatsschutz schaltet sich ein

Das Nazi-Symbol wurde vermutlich am Totensonntag mit Farbe erneuert, nachdem eine Künstlergruppe das in Stein gemeißelte Hakenkreuz entfernt hatte.

Visselhoevede - Von Jens Wieters · Jetzt wird auch der Staatsschutz auf dem Hiddinger Höllenberg aktiv. Denn nachdem eine Visselhöveder Künstlergruppe um Martin F. Wenner in einer spektakulären Aktion das Hakenkreuz am Schlageter-Denkmal mit Hammer und Meißel entfernt hatte (unsere Zeitung berichtete), griffen jetzt Unbekannte zu Pinsel und schwarzer Farbe, um das Nazi-Symbol fein säuberlich nachzuziehen.

„Wir haben den Staatsschutz eingeschaltet, der jetzt im Rahmen des Paragraphen 86a des Strafgesetzbuches ermittelt, der die Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole verbietet“, sagt Visselhövedes Polizeichef Bernd Kroll, der sich jetzt mit seinen Kollegen auf dem Höllenberg umgesehen hat.

Den Beamten dürfte sicherlich auch nicht entgangen sein, dass vermutlich dieselben Täter sich auf dem Privatgrundstück auch als Gärtner betätigt haben.

Denn auf dem fast kreisrunden Gelände um den mehr als mannshohen Granitstein, der von sieben kleineren Steinen mit Buchstabenfolgen umrahmt ist, findet sich kein welkes Blatt von den drumherum wachsenden Eichen. Alles wurde hübsch geharkt und geputzt.

Welcher Ewiggestrige für die erneute Glorifizierung des Leo Schlageter verantwortich ist, der in den 20er-Jahren der deutschnationalen Szene zuzurechnen war, ist auf dem Höllenberg natürlich nicht zu entdecken. „Das wird jetzt Aufgabe der Polizei sein“, so Hauptkommissar Bernd Kroll.

Aber auch dem Aktionskünstler Martin F. Wenner droht Ungemach. Denn gegen ihn ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft wegen Sachbeschädigung. „Der Sache sehe ich allerdings recht gelassen entgegen“, betont Wenner gegenüber unserer Zeitung.

Er wollte mit seiner Hammer-und-Meißel-Aktion einfach etwas anstoßen. „Ich bin froh, dass die Sache ins Rollen kommt und die Bevölkerung in Visselhövede in Schulen, an Stammtischen und auf der Straße über das Denkmal diskutiert.“

Wenner möchte auch, dass sich die Politik des Themas annimmt und Entscheidungen trifft. „Denn wir müssen uns auch im kleinen Visselhövede die Frage stellen, wie wir mit unserer Vergangenheit umgehen?“

Es könne jedenfalls nicht angehen, dass die Bürgermeisterin Franka Strehse die Problematik einfach mit den Worten „das ist Privatgrundstück und geht uns nichts an“ abtue. „Gerade Stadt und Politik könnten in dieser Sache Signale setzen“, fordert Wenner eine Abkehr der Vogel-Strauß-Politik.

Drögenbostels Ortsvorsteher Jürgen Meyer (CDU) würde gerne Tacheles reden. Aber: „Ich habe einen Maulkorb von der Visselhöveder Bürgermeisterin bekommen. Ich darf mich zum Thema nicht mehr schriftlich oder mündlich äußern“.

Franka Strehse (SPD) wehrt sich gegen den Begriff „Maulkorb“. Sie habe Meyer vor rund eineinhalb Jahren lediglich untersagt, „im Rahmen öffentlicher Planungen Vermarktungsideen des Denkmals zu verwirklichen, die ohne Rücksprache mit der Verwaltung und den Grundstückseigentümern diskutiert und sogar schon umgesetzt wurden“. Darum hätten sie die Eigentümer der Denkmalfläche dringend gebeten. Die wollen sich zu den aktuellen Vorfällen übrigens nicht äußern.

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