Dressurreiterin Uta Gräf arbeitet mit Kursteilnehmern auf dem Heidehof in Eversen an Haltung und Pferd

Zwischen Schlammkruste und Grand Prix

Dressurreiterin Uta Gräf (l.) und Carmen Bellersen mit der Hannoveraner-Stute Dalya. - Foto: Diercks

Eversen - Von Bettina Diercks. Ein Weidepferd erfolgreich im internationalen Dressursport? Da wird heute immer noch so manch einer spöttisch grinsen. Eher sprichwörtlich in Watte verpackt und brav in der Box ausharrend, bis eine Stunde hartes Training für Passage und Piaff ansteht; so sehen vielleicht viele noch das Ideal für ihr vierbeiniges Prunkstück. Eines Besseren belehrt hat die Welt Uta Gräf. Die international anerkannte Dressurreiterin hat ein Gastspiel auf dem Heidehof Wolfsgrund in Eversen gegeben.

Schon längst hat die Pferdewirtschaftsmeisterin aus Kirchheimbolanden (Rheinland-Pfalz) der Dressurwelt bewiesen, dass sich Schlammkruste und Grand Prix, der höchsten Prüfung im Viereck, nicht ausschließen. „Von daher passt sie gut zu meiner Anlage“, sagt Volker Paetzold, dem der Heidehof gehört.

Gräf fällt nicht nur durch ihre strubbeligen hellblonden Haare auf. Nichts scheint sie aus der Ruhe zu bringen, immer hat sei ein Lachen und Lächeln sowie ein offenes Ohr übrig. Auf die zwölf Teilnehmer, deren Pferde mindestens annähernd L-Niveau berühren sollten, stellte sie sich individuell ein. Hörte sich an, was die Reiter für Sorgen plagten, schaute sich wenige Runden die Pferde an und wusste, was zu tun war. Alles ohne Hast, Stress und Druck. Das ist es ebenfalls, was Gräf auszeichnet. Druck und Krampf scheinen ihr zuwider, sie hat es gerne „leicht“ bei ihrer Arbeit mit den Pferden und bildet sie entsprechend aus.

Wer Gräf schon mal hat reiten sehen weiß, wie Harmonie und Mühelosigkeit unter dem Sattel aussehen. Die ihr anvertrauten Pferde wirken alle „fein“ geritten und sehen zufrieden aus, obwohl sie gerade einen an sich schweren Job absolvieren. Und sogar so, dass es völlig unangestrengt wirkt und laut Gräf auch ist. Das ist ihr selbsterklärtes Ziel. So zeigt sie ihren Schülern Wege auf, durch clevere Handlungen vom Reiter aus, die Pferde zu motivieren, selbst zu denken, mitzuarbeiten und sich selbst zu tragen; dann hat es der Reiter später auch leichter.

Sie ließ die Pferde auch in Eversen in kurzen Zyklen hart arbeiten und entspannen, was gut erkennbar zum Wohlgefallen der Schweifträger war. Binnen Minuten sahen die gut 30 Zuschauer, wie sich Haltung und Handlung von Reiter und Pferden unter Gräfs Anweisungen wandelten. Wie Reiter besser saßen, Pferde aufmerksamer daher trabten, immer zu Takt und Fleiß aufgefordert, und nahezu darauf zu warten schienen, die nächste Einheit absolvieren zu dürfen. Viel wurde an der Balance bei den Pferden gearbeitet.

Uta Gräf bricht eine Lanze für hochdotierte Dressur- und Springpferde: „Unser gemeinsames Ziel ist es, Spaß am Reiten zu haben, unsere Pferde gut zu behandeln und die persönlichen Erfolgsziele zu erreichen. Denn nicht nur das Training, die leistungsgerechte Förderung und die Technik der feinen Hilfengebung sind dafür entscheidend. Was zählt ist auch die gesamte Einstellung zum Pferd, die dahinter steht.“ Alles, was mit Paetzolds Haltung und Arbeit auf dem Heidehof unisono geht. Denn für Gräf gehören wie für Paetzold möglichst tiergerechte Fütterung sowie Herden- und Offenstallhaltung dazu, um Pferde zu motivierten Partnern zu machen. Daher glaubt Paetzold auch an ein Wiedersehen auf dem Heidehof. Resümee der Teilnehmer: „Sie ist so herrlich ehrlich. Und manchmal versucht sie etwas. Wenn es nicht klappt: Macht nichts. Dann wird etwas anderes probiert.“

Gräf erfüllt eine Vorreiterrolle für den klassischen Dressursport, der allzu oft mit verhätschelten Pferden in Boxen und wenig bis keinem Freizeitausgleich wie Weidegang in Verbindung gebracht wird. Nicht von ungefähr stammt der Titel eines von Gräfs Bücher: „Feines Reiten auf motivierten Pferden: Erfolg durch pferdegerechte Ausbildung und Haltung“. - bd

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