Rat muss entscheiden

Zwei Perspektiven für Reeßumer Glockenturm

Holzverstärkung und ein Bauzaun sichern den maroden Glockenturm ab.
+
Holzverstärkung und ein Bauzaun sichern den maroden Glockenturm ab.

Seit einem Jahr läutet der Reeßumer Glockenturm nicht mehr. Er ist marode. Nun gibt es zwei Optionen, den Verfall aufzuhalten.

Reeßum – Seit fast einem Jahr schweigt der Glockenturm in Reeßum. Er ist morsch, seine Glocken dürfen deswegen nicht mehr läuten. Ein Jahr lang arbeitet die Gemeinde an einer Lösung und kann mittlerweile mit zwei Varianten für den Erhalt des Turmes in der Mitte des Dorfes aufwarten. Das Gebälk ist schon seit einiger Zeit abgängig, mittlerweile wird es auch durch einen Bauzaun von seiner Umgebung abgeschirmt. Kürzlich hat sich Bürgermeister Julian Loh mit Fachleuten getroffen und das mögliche weitere Verfahren ausgelotet. Im Mai soll dann der Gemeinderat entscheiden, wie es mit dem Glockenturm weitergeht.

Im Mai 2020 hatte der damalige Bürgermeister Marco Körner ihn aufgrund von Witterungsschäden stilllegen müssen. Das Holz ist morsch und vom Pilz befallen. Offenbar war es weniger widerstandsfähig als angenommen. Die Glocken, die sonst beispielsweise bei Trauerfällen im Dorf läuten, schweigen seitdem. Für ein besonderes Augenmerk hatte damals gesorgt, dass die jüngste Sanierung des Turmes zum Zeitpunkt der Schadensfeststellung gerade einmal 18 Jahre her war. „Inzwischen war die kurzfristige Beauftragung von Absicherungsmaßnahmen notwendig, um die Standsicherheit weiterhin zu gewährleisten. Das Totengeläut ist bis auf Weiteres untersagt worden“, so Bürgermeister Loh nun in einer Ratsvorlage.

Er hat in der Zwischenzeit einige Informationen sammeln können, die Erklärungen für den frühzeitigen Verfall des Turmes zumindest andeuten können. So erhielt man die Baugenehmigung bei der Sanierung im vereinfachten Verfahren, was zur Folge hatte, dass die Statik des Bauwerks lediglich zur Kenntnis genommen, nicht jedoch durch einen Prüfstatiker bestätigt wurde. „Infolgedessen müsste ein begleitender Planer die volle Verantwortung für die Statik übernehmen. Hierzu ist der aktuelle Architekt, Joachim Krampitz, nicht bereit und auch andere Architekten werden diese Verantwortung nicht übernehmen“, so Loh weiter. Eine Rekonstruktion des Bauwerks nach der damaligen Genehmigung wäre baurechtlich zulässig, die Verantwortung, auch für die Statik, liege dann allerdings bei der Gemeinde.

Für Loh ergeben sich zwei Varianten: Einmal ein kompletter Neubau mit neuer Statik und einmal eine Rekonstruktion des heutigen Turms. Ein komplett neuer Turm wäre mit 95 000 Euro etwas mehr als doppelt so kostspielig wie die Rekonstruktion. Das Erscheinungsbild des Turms würde auch nicht mehr dem heutigen entsprechen, da Verbindungen anders ausgestaltet werden und andere Abstützungen zum Einsatz kämen. Aus der Haftung wäre die Gemeinde laut dem Bürgermeister bei dieser Variante aber raus, da die neue Statik im neuen Bauantragsverfahren von einem Prüfstatiker geprüft werden würde.

Die Rekonstruktion in gleicher Art und Weise wäre zwar zulässig und das Aussehen des Glockenturmes bliebe weitestgehend erhalten, allerdings würde sich die Konstruktion dennoch leicht ändern, um Schutzmaßnahmen gegen Verfall zu ergreifen. Ein entscheidender Nachteil der Rekonstruktion: Sie löst das Statik-Problem nicht, die Verantwortung liege weiterhin bei der Gemeinde, so Loh, und damit bei ihm als Bürgermeister. Er kündigt an, sollte sich der Rat für diesen Weg entscheiden, das Läuten des Turmes weiterhin nicht zuzulassen, um die Konstruktion nicht zu gefährden. Somit würde man einem neuen Glockenturm sogleich seinen Zweck entziehen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Massive Raketenangriffe: Israel antwortet mit Luftschlag

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Bayern feiern Titel mit Gala - Lewandowski-Tore 37, 38, 39

Meistgelesene Artikel

Kritik an Öffnungsschritten: „Ein Skandal!“

Kritik an Öffnungsschritten: „Ein Skandal!“

Kritik an Öffnungsschritten: „Ein Skandal!“
Halter von Känguru melden sich – doch „Fipsi-Energy“ bleibt verschollen

Halter von Känguru melden sich – doch „Fipsi-Energy“ bleibt verschollen

Halter von Känguru melden sich – doch „Fipsi-Energy“ bleibt verschollen

Kommentare