Zwei Landwirt-Auszubildende berichten: Keine Angst vor niedrigem Milchpreis

„Der steigt auch wieder“

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Die Auszubildenden Julia Meier und Jannis Klee fühlen sich auf dem Milchviehbetrieb wohl und wollen später jeweils den elterlichen Hof übernehmen.

Horstedt - Von Jessica Tisemann. Der Milchpreis ist mit 27 Cent momentan auf einem sehr niedrigen Niveau. Die Aussichten für Landwirte dadurch nicht gerade rosig. Trotzdem lassen sich Julia Meier (18) und Jannis Klee (20) nicht abschrecken und sind mit voller Begeisterung bei ihrer Ausbildung zum Landwirt dabei. Seit diesem Monat arbeiten beide auf dem Milchviehbetrieb Rethmeier-Bahrenburg GbR von Marco Bahrenburg und Michael Rethmeier mit. Angst vor der Zukunft haben die angehenden Landwirte nicht.

Und das müssen sie auch nicht, macht Marco Bahrenburg deutlich. „Gut ausgebildete Landwirte haben so viele Möglichkeiten“, betont der 41-Jährige. Doch die Grundausbildung, die Meier und Klee momentan erfahren, reiche dafür fast nicht mehr aus. Daher überlegen sie auch, sich noch weiterzubilden – an einer Fachschule oder Universität.

Eine gute Ausbildung ist wichtig – wollen beide doch irgendwann den Hof der Eltern übernehmen. Julia Meiers Eltern haben einen Milchviehbetrieb mit 170 Kühen und Ackerbau in Kirchlinteln. Zwei Angestellte und ein Auszubildender helfen den Eltern. Die 18-Jährige will nach ihrem Abschluss mit ihrer Schwester den Hof weiterführen. „Meine Eltern hätten nie gedacht, dass gleich zwei von ihren drei Mädels sich für die Landwirtschaft entscheiden und den Hof übernehmen wollen“, sagt Meier und lacht. Das schwebt auch Klee vor. „Wenn ich auf dem Hof einsteige, muss etwas passieren“, betont der 20-Jährige aus Helvesiek. Bei 60 Milchkühen plus Ackerbau geht es für ihn darum, den Betrieb zu erweitern. Das ist bei der Menge an Kühen auch erforderlich, betont Bahrenburg. „80 bis 90 Kühe sollte man in seinem Betrieb schon anstreben.“ Momentan arbeiten und leben die beiden Auszubildenden auf einem Hof mit 240 Milchkühen. „Dadurch, dass wir auf dem Hof auch leben, hat man ein ganz anderes Verhältnis zu seinem Chef“, stellt Jannis Klee die Vorteile der Ausbildung dar.

Der niedrige Milchpreis macht den Jung-Landwirten keine großen Sorgen. „Das darf jetzt aber nicht die kommenden zwei, drei Jahre so weitergehen, dann ist die Existenz von vielen bedroht“, so Bahrenburg. 35 Cent pro Liter Milch seien für ein gutes Auskommen schon nötig. In der momentanen Lage sei es wichtig, die geringen Einnahmen aufzufangen und auf Investitionen zu verzichten. Doch an einer Sache werde definitiv nicht gespart: dem Tierwohl.

Durch die finanzielle Situation gebe es die klassischen Familienbetriebe nicht mehr, da die Höfe sich immer mehr vergrößern müssten. „Das ist für eine Familie alleine gar nicht zu schaffen“, erklärt Bahrenburg. Fachpersonal muss da her. Außerdem müsse ein Landwirt viel Herzblut in seine Arbeit stecken. „Wenn das nicht so ist, hat er als Landwirt keine Chance“, so Bahrenburg. Eine 40-Stunden-Woche sei auf einem Hof unmöglich.

Das weitaus größere Problem sei die Öffentlichkeitsarbeit. „Wir lernen in der Berufschule auch, dass wir mit Fakten in die Diskussion einsteigen sollen“, berichtet Klee. Das Thema sei in Zukunft wichtiger als der niedrige Milchpreis. „Der steigt auch wieder! Wir hatten immer mal wieder Niedrigpreisphasen“, sind sich die angehenden Landwirte einig. Und auch bei diesem Punkt sei die Öffentlichkeitsarbeit enorm wichtig. „Man muss bei der Bevölkerung einfach ein Bewusstsein dafür wecken und miteinander sprechen“, meint Klee. Dadurch sei es möglich, den Menschen klar zu machen, dass mehr Platz für die Tiere auch mehr Geld kostet und das auch irgendwie verdient werden muss. „Das Tierwohl steht an erster Stelle“, betont auch Bahrenburg.

Übrigens: Mehr als die Hälfte der Mitschüler von Meier und Klee hat keinen eigenen Hof im Rücken. Meier: „Viele haben wirklich Lust auf den Beruf des Landwirts und hätten sehr gerne einen eigenen Hof.“

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