Zwei Ahauser sind im Weihnachtsmantel auf dem Motorrad unterwegs

Der rollende Rentier-Trupp

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Inzwischen schließen sich viele dem weihnachtlichen Motorrad-Ausflug an – mit stilechter Optik.

Ahausen - Von Bettina Diercks. Himmelpforten liegt in Ahausen: Von dort aus macht sich nämlich jährlich der Weihnachtsmann auf die Socken. Mit 82 Pferdestärken unter dem Hintern. Und er ist nicht alleine. Mittlerweile sind es zwei Ahauser Weihnachtsmänner, die sich an Heiligabend auf ihre schweren Maschinen schwingen: Hans Schmidt und sein „Lieblingsnachbar“ Heinz Behrens. Ihn hatte Schmidt vor ein paar Jahren mit seiner Idee infiziert, die Maschinen zum weihnachtlich geschmückten Packesel umzufunktionieren.

Kurz vor den Feiertagen verbringen die beiden Männer ihre Freizeit in ihren Garagen. Etwa drei Stunden brauchen sie, um ihre Motorräder zum Weihnachtsschlitten umzufunktionieren. An die Lenker werden Abwurfstangen von Damhirschen montiert. Sie wiederum werden mit Glöckchen, Schleifen, silbernen Lamettagirlanden und Mini-Lichterketten geschmückt, die per Batterien betrieben werden.

„Rudolph“, Schmidts 82 PS starke braune Kawasaki Z 900 – Baujahr 1976, 260 Kilogramm schwer – hat tatsächlich eine rote Nase über dem Scheinwerfer vorne und darüber hinaus einen Mini-Tannenbaum in der Mitte des Lenkers. Weitere goldene Lametta-Girlanden winden sich nahezu ums ganze Motorrad und die vielen Geschenkkartons, mit den „Rudolph“ beladen ist. Und auch wenn alle Kinderaugen voller Erwartung bei den großen Paketen aufleuchten: Die Kartons sind Attrappen. Gefüllt sind sie mit Styropor, umhüllt von weihnachtlichen Lacktischdecken und -folien, damit alles lange hält und jeder widrigen Witterung trotzt. Der Jutesack fehlt natürlich auch nicht. Ebenfalls nur Dekoration. Festgezurrt wird der ganze Packen mit verschiedenen Spanngurten, damit auch bei Tempo 100 nichts verloren geht.

Der einzige Karton, der etwas enthält, ist die Weihnachtsbox auf dem Tank. Darin befindet sich Schokolade, die Schmidt und seine Mitstreiter auf dem Bremer Marktplatz verteilen. Dorthin geht es nämlich am Vormittag des Heiligen Abends. An Schmidts Seite rollt seit ein paar Jahren Behrens mit seiner BMW R80RT, Baujahr 1981.

Auf die Idee kam Hans Schmidt bereits vor knapp 20 Jahren. Aus einer Laune heraus. Erst statteten sich er und ein Motorradkumpel aus Etelsen an Heiligabend gegenseitig Besuche ab, im dritten Jahr fuhr der Ahauser dann erstmals im Weihnachtsmantel los. Der Jux sprach sich herum und immer mehr hatten Spaß daran, sich und ihre Maschinen zu verkleiden beziehungsweise zu schmücken.

Der Ahauser Tischler, auf Küchenmontage spezialisiert, lenkte seine Mitstreiter dann vor 14 Jahren zu „Daisy’s Diner“ nach Oyten. Dort treffen sich bis zu 20 Biker in ihrem weihnachtlichen Outfit, um am Vormittag des 24. Dezember eine Tour durch Bremen bis hin zum Markplatz zu machen. „Seit ein paar Jahren haben wir auch ein paar Frauen dabei“, sagt Schmidt erfreut.

Um 10 Uhr treffen sich die Weihnachtsmänner an „Daisy's Diner“. Bevor es Richtung Bremen geht, gibt es erstmal einen Kaffee und einen Schnack. Über Sebaldsbrück, die Bismarckstraße entlang geht es mit Glockengebimmel am Kinderkrankenhaus vorbei. „Wenn wir da anhalten würden, würden wir gar nicht mehr wegkommen“, sagt Schmidt und lacht.

Dann geht es weiter durchs Viertel, den Wall entlang zum Marktplatz. Ankunft ist immer nach der gemütlichen Runde durch die Straßen der Hansestadt um etwa 11.30 Uhr. Am Roland sind die Motorradfahrer mit ihren aufgehübschten Maschinen der Hingucker schlechthin und halten den ganzen Betrieb auf. Selbst die Straßenbahnen halten den Motorradfahrern bei ihrer Strecke durchs Steintor den Rücken frei.

Die Polizei guckt mitunter skeptisch, lässt den rollenden Rentier-Trupp aber anstandslos passieren und eskortiert sie mit Blaulicht bis zum Zielort. Begleitet wird der Weihnachtsgag außerdem von Hupkonzerten der Autofahrer und vielen staunenden Blicken der Passanten. „Manchmal kurbeln Autofahrer an der Ampel ihre Fenster herunter und fragen, ob wir gleich noch Zeit haben und vorbei kommen können“, erzählt der Kreativ-Direktor der Biker, Schmidt. Am lustigsten seien allerdings die Japaner auf dem Marktplatz. „Die wollen Fotos, Fotos, Fotos“, sagt Schmidt, dem es offensichtlich irre Spaß macht. Behrens ergänzt: „Alles just for fun.“ Sobald die Schokolade verteilt ist, geht es wieder Richtung Heimat. Neben dieser Tradition hat Schmidt sich angewöhnt, mit Glockengebimmel noch einmal die Straßen seines Heimatdorfes abzufahren. Dann kann Weihnachten mit seinem besinnlichen Teil endlich kommen.

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