Die beiden neuen Sottrumer Schiedsfrauen nehmen ihre Arbeit auf

Zur Entlastung der Gerichte

Hannelore Mann-Sander ist eine von zwei Schiedsfrauen in Sottrum.
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Hannelore Mann-Sander ist eine von zwei Schiedsfrauen in Sottrum.

Hassendorf/Hellwege – Seit Ende September sind Hannelore Mann-Sander aus Hassendorfer (61) und Susanne Heller (56), wohnhaft in Hellwege, neu im Amt der Schiedsfrau. Sie sind für fünf Jahre gewählt worden und die beiden haben direkt eine Neuerung initiiert: Sie teilen sich das Amt, die Aufgaben und auch die zur Samtgemeinde Sottrum gehörenden Gemeinden gleichberechtigt auf – ein Novum. „Wir wollten somit eine Art Job-Sharing betreiben“, erklärt Mann-Sander. Früher habe man eine Schiedsfrau und eine Stellvertreterin gewählt, „wir haben uns aber überlegt, dass eine Aufteilung im Grunde besser praktikabel ist“, führt sie weiter aus.

Zum einen sei es nicht immer wünschenswert im eigenen „Dorf“ das Amt zu bekleiden. Weiterhin seien sie beide berufstätig, da sei es gut, wenn beide gleichberechtigt ansprechbar wären. „Wir vernetzen uns aber auch gegenseitig und können manche Dinge auch zu zweit angehen“, so die Hassendorferin. „Mit der Idee, die Orte aufzuteilen, geht auch die Idee einher, sich austauschen zu können“, ergänzt Heller. Manches Mal sei es vielleicht auch besser, zu zweit in ein Verfahren einzusteigen, „die streitenden Parteien sind ja auch in der Regel eben zwei Parteien“, so eine weitere Überlegung.

Beide Schiedsdamen verfügen über eine Aus- oder Weiterbildung im Bereich der Mediation, beide arbeiten in Berufen, die auch mit zwischenmenschlichen Konflikten zu tun haben. Mann-Sander ist im sozial-psychiatrischen Dienst in einer Bremer Beratungsstelle tätig. Heller ist freiberufliche Dozentin, sie ist unter unter anderem für verschiedene Krankenkassen tätig. Neben Vorträgen bietet sie auch Führungskräfte-Seminare sowie Konfliktmanagement an und beschäftigt sich mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement.

„Nach meiner Kinderphase habe ich Psychologie studiert“, so die Mutter dreier Kinder. Auch Mann-Sander hat zwei erwachsene Töchter, Zwillinge. „Sicherlich gab es auch früher schon einige Gelegenheiten, Konflikte so zu schlichten, dass beide Parteien zufrieden waren“, sagt sie schmunzelnd im Rückblick. Dabei mussten beide Beteiligten miteinander erarbeiten, was dem anderen jeweils so bedeutsam ist, dass er bereit ist, auf den anderen zuzugehen. Eine klassische Situation im Rahmen von Konflikten, die nun sicher auch im Amt der Schiedsfrau aufkommen wird.

Einen offiziellen Start gab es für Heller und Mann-Sander Corona-bedingt noch nicht, „aber wir haben schon erste Anrufe erhalten“, so Heller. „Leider konnten einige Kurse, die zum Beispiel den rechtlichen Background des Amts betreffen, aufgrund der Pandemie noch nicht stattfinden“, bedauert Mann-Sander. Sie würden aber beide von den Vorgängerinnen unterstützt werden.

„Die Idee, Schiedsfrau zu werden, kam bei mir auch über den persönlichen Kontakt zu Karin Küsel, die das Amt ja zuvor bekleidete“, so Heller. „Ich fand die Idee direkt interessant. Es ist eine gute Möglichkeit, sich für die Gemeinde zu engagieren und auch etwas für die Bürger der Samtgemeinde zu erreichen“, beschreibt Mann-Sander ihre Motivation. So müsse im Rahmen des Schiedsverfahrens nicht jeder Streit bei Gericht entschieden werden. „Das ist auch eine Entlastung für die Gerichte“, weiß sie. Es gehe um Kompromisse, dabei gelte es oft genug, nachbarschaftliche Diskussionen sinnvoll zu lösen. Auch sie hatte vorher bereits Kontakt mit Vorgängerin Küsel, „sie hat bestätigt, dass die meisten Fälle eben ohne Gericht zu klären sind. „Nach meiner Erfahrung ist oft der schwierigste Schritt, beide Parteien an einen Tisch zu bringen“, führt Mann-Sander weiter aus. „Mein Ziel ist es, die vorhandenen Konflikte in eine Win-win-Situation umzuwandeln“, so Heller. Sie gehe in ein solches Verfahren mit der Absicht, am Ende Gutes zu erreichen. „Wir wollen dabei eben kein Gericht belasten. Dies zu vermeiden, wäre mein Wunsch.“ Dabei sei auch entscheidend, für beide Parteien einen Perspektivwechsel zu erreichen und etwaige Ungereimtheiten gut aufzulösen.

„Durch Mediation und Schiedsverfahren lassen sich viele Anliegen schneller, zivilisierter und auch humaner lösen als durch ein Gerichtsverfahren“, so auch der Eindruck von Mann-Sander. Es sei absolut akzeptabel, einen Streit, einen Konflikt zu erleben. Wichtig sei es aber, dabei ein konstruktives Ergebnis anzustreben und an der eigenen Kompromissfähigkeit zu arbeiten.

Beide können noch nicht so recht einschätzen, wie viel Zeit sie in Zukunft für ihr Amt aufbringen werden. „Mein Mann findet die Idee jedoch gut“, weiß Mann-Sander und auch Heller hat schon positives Feedback aus der Familie erhalten: „Meine Tochter ist Juristin und begrüßt die Idee, auch mein Mann findet es toll.“ Umgesetzt werden die Beratungsgespräche der Schiedsfrauen im Rathaus, „das ist ein neutraler Boden“, so Mann-Sander. Gerne hätte sie auch einige Treffen mit anderen Schiedsfrauen wahrgenommen, doch diese müssen aufgrund der Pandemie noch warten. Doch gerade momentan sei es für alle Menschen vielleicht besonders wichtig, sich mit den jeweils eigenen Wünschen nicht ganz so wichtig zu nehmen. „Es wäre schön, wenn es mir gelingt, anderen zu vermitteln, dass es sich nicht lohnt, sich gegenseitig das Leben schwerer zu machen, als es ohnehin ist“, gerade und auch in der jetzigen Zeit.

Susanne Heller übernimmt dieses Amt ebenfalls.

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