Veränderter Bedarf

Samtgemeinde Sottrum diskutiert Modelle für Kinderbetreuung

Der Spielkreis „Waldmäuse“ in Taaken könnte bald ein Kindergarten sein. - Foto: Röhrs

Taaken/Sottrum - Von Matthias Röhrs. Wie auf die veränderten Bedürfnisse von Eltern bei der öffentlichen Kinderbetreuung reagieren? Diese Frage stellen sich in den kommenden Wochen gleich zwei Gemeinderäte in der Samtgemeinde Sottrum.

In Taaken wünschen sich die Eltern der Kinder im hiesigen Spielkreis beispielsweise, dass dieser länger geöffnet ist. Während der Reeßumer Gemeinderat am Montag über die Möglichkeiten dazu berät, kommt eine Woche später ein FDP-Antrag auf flexiblere Kita-Zeiten im Sottrumer Jugendausschuss auf den Tisch.

Ines Holste bringt es auf den Punkt: „Mütter sind heutzutage nicht nur zuhause – sie arbeiten“, sagt die erste Elternsprecherin des Spielkreises Taaken, „Die Waldmäuse“ genannt. Sprich: Die Zeiten, in denen Mütter als Hausfrauen jederzeit die Kinder zu einem Kindergarten bringen oder von einem Kindergarten abholen können, sind schon lange passé. 

Doch die Betreuungszeiten sind dem häufig noch nicht angepasst. Und auch deswegen haben sich Holste und die anderen Eltern der „Waldmäuse“ ausgedehntere Öffnungszeiten gewünscht. Von 8 bis 13 Uhr könnten die Kinder zurzeit lediglich betreut werden. Um 8 Uhr müssten aber viele bereits auf der Arbeit sein, sagt Holste.

Allerdings: Da der Spielkreis nur fünf Stunden am tag offen sein darf, müsste die Trägerin des Spielkreises – die Gemeinde Reeßum – die „Waldmäuse“ in einen Kindergarten umwandeln. 

Der Gemeinderat soll darüber erstmals am Montag, 6. November, ab 19.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Clüversborstel beraten und gegebenenfalls eine Prüfung einer Umwandlung in die Wege leiten – zu einem eigenständigen Kindergarten oder zu einer Außenstelle des Reeßumer Kindergartens „Wurzelzwerge“. Der war übrigens seinerseits bis Sommer 2013 noch selbst ein Spielkreis.

„Der große Unterschied besteht in den Öffnungszeiten der Einrichtung. Es darf ein Spielkreis eben nur für eine begrenzte Stundenzahl geöffnet sein. Es gibt kein Mittagsangebot und damit ergibt sich auch nur eine verkürzte Betreuungszeit“, sagt Reeßums Bürgermeister Marco Körner, darüber hinaus sei ein Platz im Kindergarten auch günstiger als im Spielkreis.

Eine Umwandlung bedeutet aber auch Umbaumaßnahmen: „Es würde in einem Gruppenraum ein Bereich abgetrennt werden“, sagt Körner, man benötige ein Büro, ein Besprechungsraum und weitere Sanitäranlagen. Dafür gebe es bereits eine grobe Vorplanung. Auf etwa 65 000 Euro hat ein Architekt laut Beschlussvorlage die Kosten für einen Umbau geschätzt.

Auch Veränderungen an Schulen werden diskutiert

Auch die Schullandschaft in der Samtgemeinde verändert sich – nicht nur, aber auch wegen der veränderten Bedarfe der Eltern. Unter anderem soll die Grundschule am Eichkamp in Sottrum zukünftig ein Ganztagsangebot stellvertretend für alle Mitgliedsgemeinden anbieten. 

Im Rathaus hat man den Bedarf an einer Ganztagsbetreuung erkannt, der Samtgemeinderat will diese allerdings aus finanziellen und grundsätzlichen Gründen nicht an jeder Grundschule anbieten. Schließlich wollen nicht alle Eltern ihre Kinder auch nachmittags betreuen lassen, das haben auch zwei Umfragen ergeben.

Ohnehin sehen manche eine Schule als Betreuungsinstitution skeptisch. So sagte Samtgemeinderatsfrau Friederike Paar (CDU) erst Anfang September vor dem Schulausschuss: „Es ist nicht die Aufgabe der Schulen, eine flexible Betreuung anzubieten.“ Gemeinden, die dennoch eine Nachmittagsbetreuung anbieten wollen, wurde das sogenannte Ahauser Modell nahegelegt: einen Hort.

Sottrumer FDP für flexiblere Betreuung

Während man sich in Taaken mit ausgedehnteren Öffnungszeiten der „Waldmäuse“ beschäftigt, geht es in Sottrum im Jugendausschuss am 13. November (18 Uhr im Rathaus) ins Detail: Denn die FDP-Fraktion im Gemeinderat will erkannt haben, dass Eltern nicht nur längere, sondern vor allem flexiblere Betreuungszeiten wünschen. Berufstätige Eltern sollen mit buchbaren Stundenpaketen – deren Preise sich am Einkommen orientieren – die Möglichkeit haben, die Betreuungszeit der Kinder ihrer eigenen Arbeitszeit anzupassen. 

Der Plan ist aufgrund zu erwartendenden Kosten und Personalaufwands umstritten. Mehr Personal wird auch die Gemeinde Reeßum brauchen, wenn sie den Spielkreis „Die Waldmäuse“ tatsächlich in einen Kindergarten umwandelt. In Taaken ist man sich laut Ines Holste schon mal einig. „Wir können unsere Kinder ja auch nicht alle nach Reeßum bringen.“ Da würde es dann nämlich schnell voll werden.

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