Montagsgruppe des Hellweger Heimatvereins bereitet Platz für die Tiere auf dem Mühlenhof vor

Ein Zuhause für den Hirschkäfer

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Der Dauerbautrupp vom Hellweger Mühlenhof hat auch in diesem Jahr wieder viel zu tun. Das erste Projekt, der Bau einer Hirschkäferwiege, ist schon einmal erledigt.

Hellwege - Von Bettina Diercks. Sie scharrten förmlich mit den Hufen, die „Jungs“ vom Hellweger Mühlenhof. Der Dauerbautrupp mit gut einem Dutzend Männer aus dem Dorf ist seit Mitte April wieder aktiv. Erneut haben sie für das Jahr viel auf dem Zettel. Kaum begonnen, ist das erste Projekt allerdings schon abgeschlossen: Der Bau einer Hirschkäferwiege.

Die Herren des Mühlenhofes können sich noch gut daran erinnern, wie der imposante Hirschkäfer in ihrer Kindheit ihr Interesse geweckt hat. „Damals gab es sie noch – vorsichtig gesagt – in Massen“, sagt Erhard Thies, Sprecher der sogenannten Montagsgruppe. Ihm war aufgefallen, wie die Käfer Baumverletzungen anflogen, sogenannte Saftmale, an denen die Männchen nippten und dann vom Stamm fielen – wenn der Gärprozess des Saftes schon eingesetzt hat. „Die waren high“, amüsiert sich Thies.

Nach 60 Tagen sterben die Käfer

Für den größten Käfer Deutschlands ist es allerdings oft ein Todesurteil, da er am Boden liegend von Fressfeinden gefunden und vorzeitig in seinem kurzen Lebenszyklus als Käfer verspeist wird, zu denen Spechte, Eichelhäher, Eulen, Turmfalken und Krähen gehören. Igel, Fuchs, Waldspitzmaus und Maulwurf fressen sowohl die Käfer wie die Puppen, und Wildschwein und Dachs wissen durchaus das Frassangebot an den Hirschkäferwiegen zu schätzen.

In der Hirschkäferwiege können sich nun wieder die seltenen Tiere ansiedeln.

Diese kommen nach wie vor in der Natur vor, meistens in den im Boden verbleibenden Stubben. Werden sie nicht gefressen, sterben Hirschkäfer nach etwa 60 Tagen an Altersschwäche. Die Saftmale sind allerdings von größter Bedeutung für das Kerbtier. Sie sind Nahrungs-, Werbungs- und Paarungsplatz in einem. Die Eier legt das Weibchen dann später in Totholz. Das durch Bakterien und Pilze „vorverdaute“ Holz (Mulm) ist laut niedersächsischer Landesforsten die Nahrungsgrundlage für die Larven, die bis zu acht Jahre brauchen, um sich zu einem Käfer zu entwickeln.

Thies und seinen Mannen fiel ein und auf, dass gerade auf dem Gelände des heutigen Mühlenhofes die Krabbler aktiv waren. „Ich glaube, ich habe jetzt 40 Jahre keinen mehr gesehen. Wir haben aber große Larven gefunden, die von ihm stammen könnten.“ Ein Anreiz mehr für das Team, etwas zu tun. Und Eichenbestände wie die auf dem Mühlenhof an der Bremer Straße sind ein begehrtes Refugium für das Insekt des Jahres 2012, das in der Roten Liste der Bundesrepublik Deutschland als „stark gefährdet“ eingestuft wird.

Der Hirschkäfer hat jetzt auch in Hellwege ein richtig schönen Platz gefunden.

So fing Thies an zu recherchieren und wurde fündig, wie eventuell der Hirschkäferbestand in Hellwege gerettet oder wiederhergestellt werden kann: Mit dem Bau einer Hirschkäferwiege. Gesagt, getan. Die Männer hoben eine runde Grube von etwa zwei Meter Durchmesser nahe des vorhandenen Eichenbestandes aus, sägten verschieden lange Eichenstammabschnitte und gruben sie ein. Aufgefüllt wurde die Wiege mit Eichenmulch. Der wurde zusätzlich großflächig in der Nähe ausgebracht. „Der Duft lockt die Hirschkäfer an“, sagt Thies. Sie sind vor allem an warmen, windstillen Abenden von Ende Mai bis Juli in der Dämmerung zu hören und zu beobachten.

Laut der Fachbehörde für Naturschutz des Landes Niedersachsen sind Hirschkäfer vor allem „in Westniedersachsen in den Kreisen Grafschaft Bentheim, im Süden des Kreises Emsland, in den Landkreisen Osnabrück und Vechta, in der Göhrde einschließlich ihrer Randbereiche, in Teilen der Lüneburger Heide (Truppenübungsplatz Bergen) und im Süden in den tieferen Mittelgebirgslagen entlang der Weser“ zu finden.

„Uns hat das nicht viel Arbeit gekostet“, sagt Thies über ihr neuestes Projekt. Die Gruppe hofft, Nachahmer für ihr im Landkreis vielleicht einmaliges Vorzeigeprojekt zu finden. Offiziell vorgestellt wird die Hirschkäferwiege beim diesjährigen Mühlentag am Montag, 16. Mai. Dann soll auch der Geschichtspavillon komplettiert sein.

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