Mitten im Zentrum

60 Minuten unter Einkäufern rund um Lienworth

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Die Straße Lienworth bildet in Sottrum das Zentrum der Nahversorgung. 

Sottrum - Irgendwen kennt man ja immer an diesen Orten. Das war schon früher so. Und so wird es wohl immer sein. Gemeint sind Supermarkt-Parkplätze in Kleinstädten und Grundzentren, die Zentren der lokalen Nahversorgung – hier konkret: die Straße Lienworth in Sottrum. Komischerweise liegen in solchen Orten die Supermärkte alle mehr oder weniger an einer Stelle. Warum, darüber kann man spekulieren. Hofft man auf eine gegenseitige Magnetwirkung? Oder bleibt gar nichts anderes übrig, weil der Bebauungsplan es nicht anders hergibt?

Jedenfalls, irgendwen kennt man immer an diesen Orten. Ist ja auch logisch, schließlich müssen auch Bekanntschaften – in diesem Falle auch Verwandtschaften – ab und zu etwas essen und trinken. Dafür ist diese Gegend gut geeignet – und wer isst, der redet auch gern beim zufälligen Treffen. Hier gibt es faktisch alles, was ein Mensch zum Überleben braucht: Zwei Discounter und ein Lebensmitteleinzelhändler, ein Getränkemarkt, eine Drogerie, eine Apotheke und ein Arzt tummeln sich um diese doch eher hässlich gehaltenen grauen Parkplätze entlang der Straße. Lediglich ein paar Straßenbäume sorgen für Farbtupfer. Aber an diesem Morgen – es regnet viel – ordnen sie sich dem Trüben unter.

Ästhetik – es wurde eben schon angedeutet – kommt zu kurz an einem solchen Parkplatz. Alles ist dem praktischen Nutzen verpflichtet. Es ist die Abkehr von der Sehnsucht einer kleinen Innenstadt mit vielen Lädchen, so wie es früher eben einmal war. Damals war das zwar wahnsinnig charmant, aber eben auch wahnsinnig umständlich. Wer den Kühlschrank und die Speisekammer füllen will, läuft heutzutage nur noch ungern in mehrere Läden. Der Vollständigkeit halber sei aber trotzdem auf die kleineren Fachläden rund um die Große Straße nebenan hingewiesen, die dankenswerterweise und diesem Umstand trotzend die Stellung halten.

Wetter lässt zu wünschen übrig

Apropos umständlich. In diesen 60 Minuten regnet es – mal schüttend, mal nieselnd. Man kennt es von sich selbst und ist daher amüsant zu beobachten, dass Menschen immer gleich reagieren und wie sich die Körpersprache verändert, wenn Wasser vom Himmel kommt. Vom aufrecht beschäftigten Gang ducken sich die Kunden plötzlich schnellen Schrittes in die Geschäfte. Ganz schön steif sieht das aus.

Ein Mann lässt sich nicht davon beeindrucken, letzten Endes ist das ja wirklich nur Wasser. Ganz ruhig schlendert er zum Postshop, wenig später kommt er mit gleichgebliebener Gemütlichkeit mit einem Paket unterm Arm wieder heraus. Und im mittlerweile eingetretenen Nieselregen lohnt es eh nicht mehr, zu hetzen. Einen Regenschirm – es gibt einen knallblauen, einen grünen und einen merkwürdig grün-weiß-blau-karierten – haben die wenigsten eingeplant. Ein Paar sucht unter einem Baum Schutz. Zum Glück steht der direkt neben dem Auto, die Kofferraumtür wird beim Einladen gleich zum Dach umfunktioniert. Gegen das Wetter wird das Auto zur Ausweichmöglichkeit der Wahl, kurze Wege mal eben rüber zum Parkplatz gegenüber werden fahrend zurückgelegt. Vielleicht ist es auch grundsätzliche Bequemlichkeit, vielleicht steht der ganz große Einkauf auch erst noch bevor. Es ist ein bisschen ironisch. Dieses Schmuddelwetter ist echt nur zum Einkaufen gut. Nur wäre ein Einkaufszentrum wohl besser als dieser kaum Schutz bietende Parkplatz in der Sottrumer Ortsmitte.

Auch im Zentrum: eine Bushaltestelle. 

Ein Mann und eine Frau parken neben dem Hol-ab-Getränkemarkt. Offenbar haben sie eine große Party am Wochenende gefeiert, es ist fast beeindruckend, wie viele Getränkekisten sie auf dem kleinen Wagen auf dem Weg zum Pfandschalter transportieren. Lieber einmal gut packen als zweimal laufen – auch das kennt man ja selbst. Die beiden jungen Männer vom Markt jedenfalls haben alle Hände voll zu tun, und die Schlange wird schließlich immer länger.

Nicht nur in den Läden wird gearbeitet. Ein Lastwagen steht am Aldi und entlädt Waren, während wenige Meter weiter eine Paketbotin die Packstation bestückt. Vom Bientzle-Parkplatz aus weht Fettgeruch über den Platz. Im Kontrast zum Spargelstand steht diesem gegenüber der fast schon für Supermarkt-Parkplätze obligatorische Hähnchen-Imbiss. Kunden hat der keine (hat da überhaupt schon mal jemand jemanden stehen sehen?). Der Betreiber sitzt die Arme verschränkt in der Ecke seines Wagens. Er grüßt freundlich, während neben ihm 21 Hähnchen in der Hitze ihre Runden drehen.

Die Serie

In der Serie „60 Minuten“ gehen wir für eine Stunde auf Beobachtung. Wir ziehen durch den Südkreis und nehmen uns an verschiedenen Orten Zeit – für ganz unterschiedliche Situationen. Sollten Sie Vorschläge haben, wo wir uns umgucken sollten, melden Sie sich gerne!

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