Im Zeichen des „Brass“

Blasorchester „Wildes Blech“ begeistert in St.-Georg-Kirche

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Das Ensemble „Wildes Blech“ bot in der St.-Georg-Kirche in Sottrum ein außergewöhnliches Konzert. Im Gotteshaus waren kaum noch Plätze frei.

Sottrum - Von Heidi Stahl. Wie gut, dass die Sottrumer Kirche meterdicke Mauern hat. Andernfalls wäre sie sicher wegen der kraftvollen Töne der temperamentvollen 30 Blechbläser ins Schaukeln geraten. „Rock den Georg“, der Name des Konzerts des Ensembles „Wildes Blech“ war Programm als die Klänge vom Rammstein, Metallica und Nirvana in der Bearbeitung von Benjamin Faber für Blechbläser das Kirchenschiff zum Beben brachten.

Prall gefüllt waren Kirchenbänke und Galerie, als die 30 schwarz gekleideten Musiker mit ihren goldblitzenden Instrumenten im Gänsemarsch durch die Reihen zum Altarraum zogen. Nach der humorvoll gemeinten Ankündigung von Faber, doch besser die Hörgeräte leiser zu stellen, begann mit der Bearbeitung von Bon Jovis „Thunder“ ein wahres Donnerwetter von mitreißenden Tönen. Es folgte „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana, das in Fabers Arrangement „Smells Like Brass Spirit“ heißt, ebenso wie er alle seine Bearbeitungen mit der musikalischen Definition dieser Musik veränderte. Brass-Band heißt eigentlich „Blechkapelle“ und das englische Brass (Messing) hat sich als Sammelbegriff für Blechblasinstrumente etabliert, daraus folgend heißt die besondere Art ihrer Musik „Brass“. Und so heißt beispielsweise der Deep Purple Song „Smoke On The Water“ bei Faber auch „Brass On The Water“.

Das seit dem vergangenen Jahr auf fast 40 junge Musiker angewachsene Orchester mit Trompeten, Alt-, Tenor- und Bariton-Saxophonen, Posaunen, Querflöten und Klarinette hat sich mit Schlagzeug und zwei Gitarren verstärkt. Ralf Linders, der gemeinsam mit Faber 2016 diese Band ins Leben gerufen hat und als Brass-Lehrer in der Rotenburger Kreismusikschule auch viele der Mitwirkenden betreut, bereichert das Ensemble noch mit der Tuba und bringt sogar ein Didgereedoo zum Einsatz. Mit Metallicas „Sad But True“ (hier natürlich „Sad But Brass“) und Rammstein-Tönen, bei dem der mitreißende Sound keinen Zuhörer ruhig auf den Sitzen hielt, endete der erste Teil des Konzertes.

Mit „einer Erholungsphase für die Ohren“, wie es Faber formulierte, schloss sich nach dem Ausmarsch der Bläser eine Quartett-Formation mit Gesangseinlage als zweiter Höhepunkt an. Anhand von Lana Del Reys „Swinging In The Backyard“ oder auch „Lady Running Down To The Riptide“ von Vance Joy boten Caro Cordes, die ihre Trompete kurz zur Seite legte, und Benjamin Faber, der sich selbst an der Gitarre begleitete, ein einfühlsames gesangliches Duo. Unterstützt wurden sie dabei von Olaf Otten am Saxophon und Carsten Neubauer am Kontrabass. Nach der Pause, in der man sich mit Getränken und Gebäck von der St.-Georg-Stiftung stärken konnte, ging es im dritten Teil mit der vollen Bläser-Formation weiter.

Zuhörer hielt es nicht mehr

Als mit „Final Countdown“ (natürlich hier „Final Brassdown“) langsam auf das Ende eingestimmt wurde, hielt es die Zuhörer nicht mehr auf den Sitzen und stehend wurde mitgeklatscht. Einen besonderen Höhepunkt hatte sich das Ensemble für den Schluss aufgehoben. Von Heino weiß man ja, dass er 2013 in Wacken mit der Gruppe Rammstein auftrat, aber was hat Udo Jürgens „Griechischer Wein“ mit „AC/DCs“ „Highway To Hell“ zu tun? Eine Auflösung dieses Rätsels lieferte Faber vor diesem letzten Stück.

Für eine Open-Air-Aufführung des Films „Highway To Hellas“ mit Christoph Maria Herbst sollte Faber als Auftragsarbeit eine musikalische Einführung liefern. „Highway To Hell“ von „AC/DC“ bot sich schnell an, aber es sollte auch etwas Griechisches dabei sein. Und so kam nach einem Gedankenblitz der „griechische Wein“, der ein ähnliches Grundtempo aufweist, in dieses Arrangement und riss in der St.-Georg-Kirche die Zuhörer zu stehenden Ovationen hin. Ein Abend in der ehrwürdigen alten Kirche, den man wohl so schnell nicht vergisst und der nach einer Wiederholung verlangt.

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