Wolfsbeauftragter Jürgen Cassier versteht Sorgen der Nutztierhalter, nicht aber der Jäger

„Der Tisch ist reichlich gedeckt“

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Jürgen Cassier

Horstedt - „Wenn vor acht Tagen ein Wolf durchs Dorf gelaufen wäre, hätten wir heute volle Hütte“, mit diesen Worten hat Jürgen Schlobohm vom Heimatverein Horstedt die Zuschauer begrüßt, die sich eben nicht zahlreich eingefunden hatten, um dem Vortrag von Jürgen Cassier beizuwohnen. Er ist Wolfsbeauftragter des Landkreises.

Als in diesem Jahr in einigen Dörfern des Landkreises Anwohner vermehrt Wolfsichtungen gemeldet hatten, herrschte eine sehr angespannte Stimmung, denn niemand konnte so recht einordnen, was die Rückkehr des Tieres für Folgen haben könnte. Wie sich herausgestellt hat, handelte es sich damals um einen einzelnen Wolf. Seit dieser auf der Autobahn tot gefahren worden ist, ist wieder Ruhe in den Gemeinden eingekehrt.

Doch, und darin sind sich Experten einig, es werde darauf hinauslaufen, dass in Zukunft Wölfe auch in der hiesigen Region sesshaft werden können. Jürgen Cassier hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, die Menschen über den Wolf zu informieren. „Ich kann niemandem die Ängste nehmen“, betonte er, „aber ich kann durch Information dafür sorgen, dass keine unbegründete Panik entsteht“.

Was ist der Wolf? Warum ist er hier? Welchen Stellenwert hat er in der Natur? Diese und andere Fragen beantwortete Cassier anhand von Statistiken und Schaubildern und verschwieg auch nicht, dass es auch zu Problemen kommen könne. Die Sorgen der Nutztierhalter könne er durchaus verstehen, nicht aber die von Jägern. „Ich bin selbst Jäger und sage, es ist genug Wild für Mensch und Wolf vorhanden. Der Tisch ist reichlich gedeckt“, sagte er.

Doch wie erkennt man einen Wolf? Wie er mit einigen Bildern untermauerte, ist es nicht immer leicht, einen Wolf von manchen Hunderassen zu unterscheiden. Das führe häufig zu Falschmeldungen, und somit seien einige Delikte dem Wolf zugeschrieben worden, obwohl sie eigentlich von Hunden begangen wurden.

Panikmache sei nicht das richtige Mittel im Umgang mit der aktuellen Entwicklung. Das Risiko für den Menschen, das vom Wolf ausgehe, sei sehr gering. „Absolute Sicherheit gibt es nicht, aber die gibt es eigentlich nirgends.“

Im Vergleich zu Jagdunfällen oder Todesfällen durch Hundebisse, sei die Gefährdung durch den Wolf aber verschwindend gering. Es gäbe allerdings durchaus auch Problemtiere. Das seien Einzeltiere, die nicht ortsgebunden umherstreifen und sich dabei auch an bewohnte Gebiete heranwagen. Deshalb sei es sehr wichtig, dass Wolfssichtungen gemeldet werden. „Je mehr wir erfahren, desto besser können wir einordnen, um welche Art Wolf es sich handelt und wie wir reagieren müssen“, so Jürgen Cassier.

dau

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