An den Wochenenden herrscht auf dem Familienflugplatz Weser-Wümme Hochbetrieb

„Fliegen kann man verlernen“

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Bernhard Dziomba zeigt eine der sechs Maschinen des Vereins.

Hellwege - Von Inken Quebe. In unter einer Stunde nach Wangerooge in den Urlaub – was mit dem Auto undenkbar ist, ist mit dem Motorflugzeug vom Familienflugplatz Weser-Wümme ein Kinderspiel. „Das ist der Reiz: einen Tagesausflug zum Beispiel nach Baltrum machen zu können“, sagt Bernhard Dziomba, Vorsitzender der Flugsportgruppe Airbus Bremen, die den Verkehrslandeplatz mit der internationalen Kennung „EDWM“ betreibt.

Inzwischen gibt es die Gruppe seit 55 Jahren, in der Gründungsurkunde ist allerdings noch von der Flugsportgruppe Focke-Wulf die Rede. Gegründet haben den Verein nämlich Mitarbeiter der Firma Focke-Wulf, heute Airbus. „Am Anfang ist man noch von Verden aus geflogen“, berichtet Dziomba, inzwischen pensionierter Luftfahrtingenieur aus Bremen. 1963 hat der Verein dann die Schafwiese, die auf halbem Weg zwischen Posthausen und Hellwege liegt, erworben und daraus in Eigenleistung einen Verkehrslandeplatz gemacht, inklusive Tower, einer 850 Meter langen Graspiste zum Starten und Landen, kleiner Vereinsgaststätte und Kinderspielplatz – eben ein Familienflugplatz. „Bei uns herrscht eine familiäre Atmosphäre. Während der eine fliegt, kann der Rest der Familie Zeit in der Gaststätte verbringen“, erklärt Platzwart Jürgen Falkenberg. Besonders viel los ist von Freitag bis Sonntag.

„Im Grunde sind wir ein Hobbyverein mit semiprofessionellem Hintergrund“, sagt Dziomba. Unter den rund 150 Mitgliedern sind auch viele Fluglehrer, die bei großen Airlines arbeiten. Die Motivation der Flieger ist dabei ganz unterschiedlich. „Viele sind technikaffin, haben zum Beispiel auch beruflich damit zu tun. Andere reizt das Fliegen“, so Dziomba.

Der Verein bildet seine Mitglieder selbst aus. „Es gibt einen theoretischen und einen praktischen Teil jeweils mit anschließender Prüfung“, erklärt der 65-Jährige. Der Flugschein kostet 8000 Euro. Der erlaubt es, einmotorige Maschinen zu fliegen und bis zu drei Personen mitzunehmen.

Das macht den Löwenanteil der Kosten bei diesem Hobby aus, solange man selbst kein Flugzeug anschafft. In den Hallen auf der alten Schafwiese stehen 14 private Maschinen, vom gebrauchten Kleinflugzeug über das restaurierte Sammlerstück bis hin zum Modell Marke Eigenbau ist alles zu finden. Dziomba, der seit 1994 bei der Flugsportgruppe Airbus Bremen ist, besitzt zum Beispiel ein gebrauchtes Flugzeug aus Holz. „So etwas kostet dann so viel wie ein Mittelklasse-Wagen.“ Der Verein selbst verfügt außerdem über sechs Maschinen, die die Mitglieder chartern können – pro Stunde kostet das 80 bis 125 Euro. „In dem Preis ist dann aber auch der Sprit enthalten“, erklärt der Vorsitzende, „um zu fliegen, muss man kein Millionär sein.“ Das zeige auch der berufliche Hintergrund der Flugsportgruppen-Mitglieder: Vom Schlosser aus dem Ort bis zum Piloten aus Bremen sei alles dabei.

Wichtig für die Hobby-Flieger ist das Wetter. „Wir richten uns nach den Sichtverhältnissen. Wir sind keine Instrumentenflieger.“ Das heißt: Der Pilot muss gut sehen können, also zum Beispiel unterhalb der Wolken bleiben. Doch allein das reiche nicht, wenn nur ein paar Stunden im Jahr geflogen werde. Leidenschaft und Engagement für diesen Sport seien deshalb ebenfalls von großer Bedeutung, schon alleine, um sich selbst und die Passagiere nicht zu gefährden. „Das ist nicht wie Fahrradfahren, Fliegen kann man verlernen.“

Wer sich selbst über den Flugplatz informieren möchte, hat dazu am Sonntag, 13. September, von 11 bis 18 Uhr beim Tag der offenen Tür die Gelegenheit.

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